Wann immer im Supermarkt ein Alarm losgeht, weil ein Kunde seine Produkte in die Tasche anstatt in den Warenkorb gelegt hat, waren wohl die Finger von RFID im Spiel. RFID steht für Radio Frequency Identification, einem Funksystem, das zur Ortung und für die Kennzeichnung von Gegenständen eingesetzt wird. Die ersten Anwendungen der Technologie gehen auf das Ende des Zweiten Weltkrieges zurück, wo vergleichbare Geräte zur Freund-Feind-Erkennung verwendet wurden. Flugzeuge und Panzer konnten so potentielle Ziele ausmachen. Es folgten weitere Anwendungen, etwa im industriellen Produktionsbereich, zur Tierkennzeichnung oder eben als elektronische Warensicherungssysteme.

Technisch gesehen besteht ein RFID-System aus zwei wesentlichen Komponenten: Einem Transponder, der sich am oder im Gegenstand bzw. Lebewesen befindet und diese mittels einer Verbindung aus Mikrochip und Antenne kennzeichnet. Ein Lesegerät fungiert dann zum Auslesen der Transponder-Kennung und liefert – dies ist eine der Besonderheiten des RFID – die Energie für die Transponder-Module. Die Einsatz-Möglichkeiten sind vielfältig und erlauben ausgefeilte Verknüpfungen mit IT- und Software-Services via Tagging: Ein Gerät wird mit einem RFID-Chip versehen, der die Tags zu einem Service oder einer Webseite gespeichert hat. Wird der Kennungschip dann vor ein Lesegerät gehalten, werden die entsprechenden Aktionen einfach von der Software durchgeführt.
Und was kostet der Spaß? Weniger als man denkt! Bei touchatag.com können mittlerweile RFID-Taggings für Zuhause bestellt werden, inklusive Lese- und Konfigurationsgerät. Ein Starterkid mit einem USB-Reader und 10 Tags kostet 29,95 Euro plus MwSt. Das von Alcatel und Lucent ins Leben gerufene Venture nutzt allerdings nicht exakt die in Supermärkten verwendete RFID-Technologie (hier kommt die long-range Variante Ultra High Frequency RFID zum Einsatz), sondern eine short range RFID Technologie mit zirka vier Zentimetern Reichweite.
Webbasierte Funktionen können ebenso mit den RFID-Chips verlinkt werden wie Offline-Inhalte (z.B. das Starten von bestimmten Songs unter iTunes, wenn man den Chip einliest). Tags werden im Computer quasi in Befehle umgewandelt, wie etwa “Rufe diese oder jene Webseite auf”. Neben den RFID-Chips ist touchatag darüber hinaus auch mit zweidimensionalen Barcodes kompatibel, die mit Webseiten und PC-Applications verbunden werden können. Die RFID und die Barcodes lassen sich über Plug-Ins dann auch direkt mit Browsern wie Firefox oder mit Diensten wie Twitter vernetzen, die dann die entsprechenden Seiten unmittelbar anwählen bzw. an Messages koppeln.
Und ebenso wie es möglich ist, die Chips individuell zu programmieren, können auch die Reader individuell konfiguriert werden. So würden unterschiedliche Reader beim selben Tag je unterschiedliche Aktionen durchführen. Spannend wird es, wenn man ein Handy hat, das mit Near Field Communications (NFC) Technologie ausgestattet ist. Solche Handys erlauben dann das direkte Einlesen der Informationen, um Webseiten anzusteuern, Einkäufe zu bezahlen oder Ticketing über das mobile Gerät vorzunehmen. Alles direkt und ohne Umwege. Für nicht URL-bezogene Inhalte (wie Skype- oder Musik-Applikationen ) arbeitet man daher bei touchatag an einem spezifischen Mobile-Client.
Doch was könnten interessante Use Cases von RFID im Business-Bereich sein? Gründerszene hat sich einmal Gedanken gemacht, wie sich RFID im Geschäftsleben gezielt einsetzen lässt und entsprechende Ideen gesammelt. Hier unsere Top Drei:
  1. Contact-Management: Ein Tag könnte mit den eigenen Outlook-Daten, mit all seinen Social Network-Profilen oder Links zu eigenen Websites ausgestattet werden und auf die eigene Visitenkarte geklebt werden. Das Gegenüber braucht dann die Visitenkarte nur noch an einen Reader zu halten und erhält alle notwendigen Infos binnen Sekunden. Vorbei sind die Zeiten des nervigen Eintippens von Kontaktdaten.
  2. Marketing-Aktionen: Digital Rights oder Webinhalte wie Gutscheincodes könnten mit einem Tag verbunden werden. Die Tags werden auf Flyern o.ä. an Nutzer verteilt, die dann online auf den digitalen Inhalt zugreifen können.
  3. Instant Messaging: Während ein Tag auf dem Reader liegt, wird der eigene Instant Messenger gestartet und der Status lautet “online”. Entfernt man den Tag, gilt man als “offline” und die Anwendung schließt sich. Kein nerviges Verwalten, Ein- und Ausloggen mehr.
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