Lexikon

Disruption

Was ist Disruption?

Disruption ist ein Prozess, bei dem ein bestehendes Geschäftsmodell oder ein gesamter Markt durch eine stark wachsende Innovation abgelöst beziehungsweise „zerschlagen“ wird. 

Der Begriff „Disruption“ leitet sich von dem englischen Wort „disrupt“ („zerstören“, „unterbrechen“) ab und beschreibt einen Vorgang, der vor allem mit dem Umbruch der Digitalwirtschaft in Zusammenhang gebracht wird: Bestehende, traditionelle Geschäftsmodelle, Produkte, Technologien oder Dienstleistungen werden immer wieder von innovativen Erneuerungen abgelöst und teilweise vollständig verdrängt. Insbesondere in der Startup-Szene ist der Begriff „Disruption“ eine beliebte Vokabel, da er das revolutionäre Denken eines Gründers zum Ausdruck bringt. 

Innovation vs. disruptive Innovation 

Der Unterschied zwischen einer normalen Innovation, wie sie in allen Branchen vorkommen kann, und einer disruptiven Innovation liegt in der Art und Weise der Veränderung. Während es sich bei einer Innovation um eine Erneuerung handelt, die den Markt nicht grundlegend verändert, sondern lediglich weiterentwickelt, bezeichnet die disruptive Innovation eine komplette Umstrukturierung beziehungsweise Zerschlagung des bestehenden Modells. 

So bedeutete beispielsweise die Erfindung der CD lediglich eine Weiterentwicklung des klassischen Plattenspielers. Presswerke, die für die Herstellung des Plattenspielers verantwortlich waren, passten ihr Verfahren an die neue Compact Disc ein, während Händler begannen, die CD in ihr Produktsortiment aufzunehmen. 

Das Aufkommen digitaler Musikvertriebe, wie zum Beispiel dem iTunes-Music-Store, bedeuten hingegen die schrittweise Zerschlagung des lokalen Musikgeschäfts. Sie leiten einen disruptiven Prozess ein. Indem iTunes einerseits dem Kunden die Möglichkeit gibt, seine Lieblingssongs online zu erwerben und andererseits dem Künstler erlaubt, ohne Plattenlabel erfolgreich zu sein, werden Händler und Presswerk quasi ihrer Basis beraubt.  

Disruption als „The Innovator‘s Dilemma“

Nach der 1997 von dem Harvard-Absolventen Clayton Christensen entwickelten Theorie der Disruption wird jedes noch so erfolgreiche und etablierte Unternehmen eines Tages von einer solchen existenzberaubenden Revolution bedroht. Christensen beschreibt diesen disruptiven Prozess dennoch als notwendig für eine funktionierende Weiterentwicklung des Marktes. 

Die Verlierer sind laut Christensen in diesem Fall große Unternehmen, die ihrerseits ebenfalls einst mit einer radikalen Innovation ins Geschäft eingestiegen sind. Dass jene Unternehmen, vornehmlich aus der Technologie-Branche, dem disruptiven Prozess gnadenlos erlegen seien, begründet der Ökonom mit der Verantwortung, die jedes große Unternehmen automatisch besitze. So sei es für etablierte Unternehmen geradezu ein Ding der Unmöglichkeit, ihr Geschäftsmodell von Grund auf zu verändern. Ausschließlich Neugründer, die wenig zu verlieren und viel zu gewinnen haben, sind nach Christensen in der Lage, ein solch hohes Risiko einzugehen. 

Beispiele für Disruption

Beispiele für eine gelungene disruptive Innovation finden sich in der Digitalwirtschaft. Digitale Produkte werden von Erneuerungen ersetzt, die einen Vorteil für den Kunden bieten. Dieser kann sich in einem kostengünstigeren Preis, einer effizienteren und komfortableren Nutzung oder einer größeren Bandbreite an Funktionen widerspiegeln. 

Beispiel

Eine einschlägige disruptive Umgestaltung musste in den letzten Jahren der Finanzsektor erleben: Sogenannte FinTechs, sprich, jegliche Innovationen, die sich um Geldgeschäfte und Finanzdienstleistungen drehen, machen einen der derzeitigen Trends in der Startup-Szene aus. Potential zur Umgestaltung steckt vor allem im Service-Bereich. Hier setzen Gründer an, gehen stärker auf den Kunden ein, passen ihre Konzepte an seine Bedürfnisse an und bieten dem Endkunden damit einen echten Mehrwert. Ganz nach dem Vorbild von Großkonzernen wie dem Online-Bezahlsystem Paypal bewegen FinTechs den Kunden mit individualisierten, einfachen und mobilen Lösungen dazu, auf moderne Bankdienstleistungen umzusteigen. Indem sie das traditionelle Bankenwesen damit höchstwahrscheinlich langsam von der Bildfläche verschwinden lassen, kann man hier von einer disruptiven Revolution sprechen.


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