Lexikon

Umgekehrte Maßgeblichkeit

Was ist umgekehrte Maßgeblichkeit?

Umgekehrte Maßgeblichkeit meint ein steuerliches Wahlrecht bei der Gewinnermittlung für Gewerbetreibende.

Gleich vorneweg: Die umgekehrte Maßgeblichkeit existiert nicht mehr. Sie wurde mit der Einführung der größten deutschen Bilanzrechtsreform und dem damit verbundenen neuem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) außer Kraft gesetzt.


Um die umgekehrte Maßgeblichkeit verstehen zu können, sollte man mit der Betrachtung des Maßgeblichkeitsprinzip beginnen. Das Maßgeblichkeitsprinzip ist in der Welt der Steuern beheimatet und greift, wenn die Vorschriften, welche im Handelsgesetz gelten, auch auf die Steuerbilanz angewendet werden. Durch das Maßgeblichkeitsprinzip gelten also die handelsrechtlichen Grundsätze, welche regulär für das Erstellen des Jahresabschlusses zu einem Teil des Bilanzsteuerrechts werden und ebenso für die Erstellung der Steuerbilanz gelten.

 

Nun gliedert sich das Maßgeblichkeitsprinzip in zwei Arten: Zum einen gibt es die materielle Maßgeblichkeit und eben die umgekehrte Maßgeblichkeit, welche auch als formelle Maßgeblichkeit bezeichnet wird.

 

Die materielle Maßgeblichkeit legt fest, dass immer das Betriebsvermögen anzusetzen ist, wenn es um die steuerliche Gewinnermittlung geht. Sie wird allerdings nur angewendet, wenn es sich hierbei um keine Sonderregelungen im steuerlichen Sinne handelt. Die umgekehrte Maßgeblichkeit hingegen basiert auf dem Grundsatz, dass im Rahmen der Gewinnermittlung die steuerlichen Wahlrechte in Übereinstimmung mit der handelsrechtlichen Jahresbilanz auszuüben sind. Das bedeutet, dass die umgekehrte Maßgeblichkeit auch erlaubt, dass rein steuerliche Wahlrechte auf die Handelsbilanz angewendet werden dürfen. Früher hatte das zur Folge, dass die Handelsbilanzen der Unternehmen steuerliche Wertansätze ausgewiesen haben, die jedoch gar nicht dem tatsächlichen Wert entsprochen haben, sondern zum Teil weit darunter lagen.

 

Aus diesem Grund wurde die umgekehrte Maßgeblichkeit abgeschafft. Heute können sich Unternehmen an der materiellen Maßgeblichkeit orientieren.

Beispiel

Auf dem Weg über die umgekehrte Maßgeblichkeit gelangten steuerlich profitable Werte in die Handelsbilanz, die weit unter den tatsächlichen Werten lagen. Damit wurde der handelsrechtlich gewünschte Einblick in die Vermögens- und Ertragslage erheblich erschwert. Daher werden jetzt die Wirtschaftsgüter, die nicht mit dem handelsrechtlich maßgeblichen Wert in der steuerlichen Gewinnermittlung ausgewiesen werden, in besondere laufend zu führende Verzeichnisse, aufgenommen. In den Verzeichnissen sind der Tag der Anschaffung/Herstellung, die damit verbundenen Kosten, die Vorschrift des ausgeübten steuerlichen Wahlrechts und die vorgenommenen Abschreibungen nachzuweisen.


Alexander Artopé erklärt den Begriff Umgekehrte Maßgeblichkeit