Artaxo, Jochen Maaß, Quickwins, SEO-Strategie, Suchmaschinenoptimierung

Dieser Artikel richtet sich an alle Gründer, die eigentlich weder Zeit für Suchmaschinenoptimierung noch Lust darauf haben. Nachfolgend werden zehn Möglichkeiten vorgestellt, wie man mit sehr wenig Aufwand bislang ungenutzte SEO-Potenziale in zukünftigen Traffic verwandeln kann.

1. Gibt es „Schwellen-Rankings“?

Jeder möchte gern, dass seine Webseite bei den ganz besucherstarken Begriffen auf dem ersten Platz steht. Häufig ist das Verhältnis aus nötigem Einsatz zur Erreichung dieses Ziels und dem damit erzielbaren zusätzlichen Besucherstrom aber gar nicht so gut.

Viel effizienter ist es in der Regel, sich erst einmal auf die Begriffe mit mittlerem Besucherpotenzial zu konzentrieren, bei denen die Webseite bereits relativ gut zu finden ist. Nur die Webseiten auf der ersten Seite der Suchergebnisse erhalten nennenswerte Besucher. Und dort vereinigen die ersten drei Ergebnisse meist schon über die Hälfte aller Klicks auf sich. Die richtige Strategie lautet daher, erst einmal bei solchen Begriffen zu optimieren, bei denen die Webseite irgendwo zwischen dem vierten Platz und der zweiten oder dritten Ergebnissseite auftaucht, ohne dass sie bereits großartig optimiert worden wäre. Hier ist dann nur sehr wenig zusätzlicher Aufwand notwendig, um in die spannende Region der ersten drei Ergebnisse vorzurücken.

2. Gibt es Links auf tote Unterseiten?

Links zu ergattern stellt einen wesentlichen Bestandteil jeder SEO-Strategie dar. Häufig handelt es sich dabei sogar um den mit Abstand aufwendigsten. Umso trauriger ist es daher, wenn einmal vorhandene Links, die von anderen Domains auf die eigene Präsenz verweisen, ins Leere laufen.

Gerade bei sehr relaunchfreudigen StartUps ändern sich URL-Strukturen häufig. Hier lohnt es sich fast immer, nach Links auf tote Unterseiten zu suchen. Diese werden dann entweder wiederbelebt, um ihrerseits mit passenden Links auf die jetzt wichtigen URLs zu verweisen oder zumindest per 301er Weiterleitung auf eine adäquate neue Unterseite umgeleitet. So geht die ohnehin vorhandene „Linkpower“ nicht unnötig verloren.

3. Gibt es falsch weiterleitende Domains?

Analog zu den Links auf tote Unterseiten verhält es sich mit Links auf zusätzliche Domains. So wird gern einmal auf die .de-Domain verlinkt, obwohl das StartUp mit seinen ehrgeizigen Internationalisierungsplänen natürlich bereits selbstbewusst die .com-Variante als Standard verwendet. Oder es gibt eine Vielzahl registrierter Tippfehlerdomains, was bei den wilden Kunstnahmen einiger StartUps ohnehin anzuraten wäre.

All diese Domains sollten per 301er Weiterleitung auf die primäre Domain umleiten und nicht zum Beispiel per Javascript, Meta-Refresh oder als Aufruf im Frameset. So lassen sich ggf. vorhandene Links von außerhalb der eigenen Domainsphäre gebündelt auf das richtige Ziel lenken.

4. Ranken die richtigen Seiten?

Die Webseite steht und bringt bereits nennenswerte Besucherzahlen über Google und Co. Trotzdem will sich der Erfolg nicht recht einstellen, denn der Traffic konvertiert einfach nicht. Häufig wird die Webseite zwar gefunden, aber nicht mit den richtigen Begriffen. Fast genauso problematisch kann aber auch der umgekehrte Fall sein: Es rankt eine Unterseite zu einem wichtigen Suchbegriff, die eigentlich gar nicht dafür gedacht war.

Dies kann beispielsweise durch unverhoffte Links Dritter geschehen. Kommen Besucher nun auf diese „falsche“ Unterseite und finden dort nicht gleich, was sie wollten, so verschwinden sie rasch wieder. Dieser Zustand lässt sich häufig leicht korrigieren, indem von solchen Seiten mit dem entsprechenden Suchbegriff auf die richtigen Unterseiten verlinkt wird. Reicht das nicht um die „richtigen“ Seiten ranken zu lassen, so ist es häufig sinnvoll, einfach die „falschen“ Unterseiten zu den gewünschten Landingpages zu machen und diese so zu gestalten, dass der Suchende dort genau das findet, was er erwartet. Und es muss ihm möglichst leicht gemacht werden, die gewünschte Aktivität (Kauf, Newsletteranmeldung, Registrierung usw.) auszuführen.

5. Warum hat man Positionen verloren?

Es ist nicht nur leichter, einen Kunden zu behalten, als einen neuen zu gewinnen. Es ist auch leichter, gute Rankings in den Suchmaschinen zurückzugewinnen, als sich in unbekanntem Terrain neue erobern zu müssen.

Dies gilt vor allem immer dann, wenn die guten Positionierungen in den Suchmaschinen wegen Contentdieben plötzlich bröckeln. Das Prinzip ist recht einfach. Die Suchmaschinen möchten ihren Nutzern ungern redundante Ergebnisse liefern. Also sind sie bemüht, jeden Inhalt nur ein einziges Mal in die Trefferlisten einzubauen, auch wenn er mehrfach im Netz vorkommt. Die Frage, welche Quelle dabei das Glück hat, als Treffer angezeigt zu werden, hängt (leider) nicht nur davon ab, wo die Suchmaschine diesen Inhalt zuerst gefunden hat. Es kann daher durchaus passieren, dass andere Seitenbetreiber die eigenen Inhalte übernehmen und wegen einer aus Suchmaschinensicht insgesamt deutlich stärkeren Domain die eigenen guten Rankings ersetzen.

Nicht selten lohnt es sich, gegen solche Contentdiebe vorzugehen. Das muss nicht immer den Gang zum Anwalt bedeuten. Häufig genug werden Inhalte aus Unwissenheit, Dummheit oder zu großer Unbekümmertheit übernommen und ein freundlicher Anruf genügt um den geklauten Content entfernen zu lassen. Wer all zu freigiebig mit seinen Inhalten umgeht (Stichwort vollständige RSS-Feeds) obwohl die eigene Domain noch kein Standing in den Suchmaschinen entwickelt hat, ist jedoch selbst Schuld.

6. Haben alle wichtigen Unterseiten passende Titel und Überschriften?

Es ist sehr bequem, die vom CMS vorgegebenen Titel und Überschriften einfach beizubehalten. Aber es ist nicht immer sinnvoll. Mit vergleichsweise wenig Aufwand lässt sich durch ein Anpassen von Titeln und Überschriften unter Einbeziehung der wichtigen Suchbegriffe ein sehr großer positiver Effekt bei den Rankings in den Suchmaschinen erzielen.

7. Gibt es Bilder ohne Alt-Texte?

Passende Alternativtexte helfen nicht nur Menschen mit Sehbehinderungen dabei, die Inhalte der Webseite erfassen zu können, sondern wirken sich auch positiv auf die Platzierungen in den Suchmaschinen aus.

Vor allem bei der Bildersuche spielen diese Texte eine ganz erhebliche Rolle. Es ist daher häufig sinnvoll, den ohnehin vorhandenen grafischen Content immer mit passenden Texten zu hinterlegen. Dies gilt insbesondere für alle Webseiten, die den Traffic aus der Bildersuche vergleichsweise gut monetarisieren können.

8. Welche Keywords sind die „Hidden-Champions“?

Nicht immer sind die prestigeträchtigen, sehr stark umkämpften Suchbegriffe die richtige Strategie. In der Praxis lohnt sich gerade für StartUps vielmehr die Suche nach einer ganz anderen Kategorie von Suchbegriffen – den so genannten „Hidden-Champions“.

Damit sind Begriffe gemeint, die trotz guter Platzierungen in den Suchmaschinen relativ wenige Besucher auf die Webseite bringen und unter Suchmaschinenoptimierern auch nicht sonderlich umkämpft sind. Das macht sie zunächst einmal natürlich uninteressant. Mit einem Blick in die Sales-Statistiken lassen sich dann aber aus all diesen uninteressanten Suchbegriffen diejenigen herausfinden, die überproportional gut konvertieren, also aus wenigen Besuchern viele Verkäufe (oder je nach Zielsetzung Leads, Anmeldungen, Abonnenten usw.) machen. Genau dies sind dann unsere „Hidden Champions“.

Ein Suchbegriff, der nur drei Besucher am Tag bringt, im Schnitt aber einen davon zum Neukunden macht, kann extrem spannend sein, wenn die Webseite bei Google noch nicht die Pole-Position erreicht hat. Nicht selten bringt ein erster Platz in den Trefferlisten doppelt so viele Besucher wie ein zweiter Platz. Im obigen Beispiel ließe sich also mit ganz wenig SEO-Arbeit aus einem zweiten Platz für unseren „Hidden-Champion“ ein erster machen. Die Folge wären vermutlich zukünftig sechs Besucher und zwei Sales am Tag.

9. Ist überall guter Content vorhanden?

Auf fast jeder Domain gibt es Unterseiten, die über fast keinen für Suchmaschinen verwertbaren Inhalt verfügen. Manchmal sind solche Seiten trotzdem ganz anständig in den Trefferlisten von Google und Co. platziert. Vielleicht noch nicht so gut, dass sie Besucher bringen, aber angesichts des mageren Inhalts dann doch sehr gut, beispielsweise noch unter den ersten 100 Treffern.

Hier bewirkt etwas zusätzlicher Text, ungefähr eine Viertel DIN A4-Seite Umfang, häufig Wunder. Natürlich muss der Text zum Thema passen und sollte extra für diese Unterseite geschrieben und nicht irgendwo aus dem Netz „entliehen“ sein.

Meist verbessert sich nämlich nicht ausschließlich das Ranking zu dem Begriff, den man im Visier hatte. Durch den zusätzlichen Textinhalt ist die Seite anschließend häufig mit einem ganzen Rattenschwanz an Begriffskombinationen rund um den Hauptbegriff gut über die Suchmaschinen zu finden und bringt so viel mehr zusätzliche Besucher auf die eigene Präsenz als erhofft.

10. Welche Anlaufstellen gibt es für gute Links?

In der Hoffnung, viele wertvolle Links zur eigenen Homepage abzustauben, hat sich schon manch ein Gründer etliche Tage am Telefon um die Ohren gehauen und Webseitenbetreiber mit der Bitte um einen Link genervt. Hierbei ist wie so häufig im Leben aber nicht die Quantität der Anrufe das Entscheidende, sondern die Qualität, vor allem im Hinblick auf die vorherige Auswahl der „Zielobjekte“. So ist die Erfolgsquote beispielsweise dann besonders gut, wenn ein Online-Redakteur, Blogger oder Partnerunternehmen schon einmal das eigene StartUp erwähnt, jedoch den Link dorthin „vergessen“ hat.

Durch die Erwähnung des StartUps ist es kein ganz „kalter“ Anruf mehr. Und mit dem Argument, die Besucher der jeweiligen Seite würden an dieser oder jener Stelle doch eigentlich geradezu einen Link erwarten, um sich nähere Informationen über das erwähnte StartUp verschaffen zu können, ohne die URL selbst eintippen zu müssen, hat sich schon so mancher Linkgeizhals überzeugen lassen.

Über den Autor:

Jochen MaaßJochen Maaß zählt zu den “alten Hasen” unter den Suchmaschinenoptimierern. Bereits im Jahr 2000 gründete er die artaxo AG, eine auf professionelle Suchmaschinenoptimierung spezialisierte Agentur mit Sitz in Hamburg.

Das Unternehmen bietet zudem mit SEOlytics eine führende Softwarelösung für Suchmaschinenoptimierer an.

Der Diplom-Wirtschaftsinformatiker ist der deutschsprachigen StartUp-Szene durch mehrere private Investments als Business Angel ganz besonders verbunden.

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