6 Gründe für SEM durch Agenturen
Als Antwort auf Gerald Schönbuchers Beitrag „6 Gründe für Inhouse-SEM“ bei Deutsche Startups möchten wir gern mit einem Beitrag aus der anderen Perspektive argumentieren, denn jede Medaille hat zwei Seiten. Während Geralds Argumente zum Teil durchaus berechtigt sind, bieten sie dennoch genügend Spielraum, um, aus anderem Blickwinkel betrachtet, auch anders ausgelegt werden zu können.

Leistungsbasierte Bezahlung
Gerald weist in seinem Beitrag zu Recht darauf hin, dass es bei der Wahl des Abrechnungssystems zwischen Agentur und Auftraggeber immer zu Interessenskonflikten kommt. Ich kenne nicht ein Abrechnungsmodell, bei dem die Interessen beider Seiten exakt übereinstimmen. Eine gewisse Diskrepanz lässt sich nicht vermeiden. Daher gilt es, ein Modell zu finden, das möglichst geringe Interessenskonflikte aufweist und vor allem auch eine Agentur zu finden, der man zutraut, im Zweifel auch dann die Interessen des Auftraggebers zu wahren, wenn das Abrechnungsmodell andere Anreize setzt.
Ein solches Modell ist dann in vielen Fällen sicherlich besser als jeden Monat ein fixes Gehalt zu zahlen, das weitgehend unabhängig vom Erfolg der SEM-Kampagnen ist.
SEM auch für kleine Volumina
Aus dem zuvor genannten Punkt ergibt sich sogleich das nächste Argument. Mit Agenturen ist es möglich, auch auf verhältnismäßig kleinem Niveau professionelles SEM zu betreiben. Der überwiegende Teil unserer Kunden verfügt über ein vierstelliges oder leicht fünfstelliges Adwords-Budget. Das liegt in der Regel daran, dass die Nische, die sie besetzen, nicht mehr Suchvolumen hergibt. Doch wenn das SEM-Budget nur 5.000 Euro beträgt, kann es nicht lohnen, einen Adwords-Experten für die Betreuung des Accounts einzustellen. Erfahrungsgemäß wird dann jemand intern damit beauftragt, sich einen gewissen Teil seiner Arbeitszeit mit dem Keyword Marketing zu beschäftigen. Diese Zeit reicht aber nicht aus, um Experte auf diesem Gebiet zu werden.
Agenturen hingegen beschäftigen Vollzeit-Experten, die sich einen Teil ihrer Zeit mit dem Account beschäftigen. Natürlich muss es das Ziel sein, für den Kunden einen Mehrwert zu schaffen, der größer ist als die Provision, die der Agentur gezahlt wird.
Erfahrung
Agenturen, die ihren Fokus auf SEM legen, beschäftigen sich tagtäglich mit Keyword Marketing und das häufig seit Jahren. Bei guten Agenturen werden Mitarbeiter regelmäßig geschult, intern oder auch durch Google. Sie bleiben auf dem neuesten Stand durch Blogs, Webinare und den internen Austausch. Nicht zuletzt ist es auch die dauerhafte Arbeit an vielen Accounts, die den Erfahrungsschatz prägt.
Teilweise verfügen Agenturen auch über gutes Branchenwissen, also Kunden aus der gleichen Branche. Es bleibt jedem Kunden selbst überlassen, ob er das gut oder schlecht findet. Die Meinungen gehen dabei sehr weit auseinander. Wenn Agenturen kleinere Budgets betreuen, ist es in Nischen, die von vielen Advertisern besetzt werden, jedoch unrealistisch zu erwarten, auf eine Exklusivpartnerschaft bestehen zu können. In Nischen, die nur aus zwei bis drei Advertisern bestehen, versteht es sich von selbst, nicht auch den direkten Konkurrenten zu betreuen.
Synergieeffekte
Obwohl ich lange Zeit das Keyword Marketing bei Spreadshirt betreut hatte, ging meine Lernkurve noch einmal steil nach oben, nachdem wir unsere Agentur gegründet hatten. Mit Erkenntnissen aus vielen einzelnen Accounts konnte im Endeffekt allen Kunden geholfen werden. Wir verfügen nun über viel mehr Informationen, die gewinnbringend für alle Beteiligten eingesetzt werden können.
Teilweise können bewährte Account-Strukturen für andere Kunden übernommen werden, obwohl sie nicht einmal in derselben Branche arbeiten. Agentur-Mitarbeiter können sich untereinander austauschen und Erfahrungen teilen während Inhouse-Mitarbeiter mit ihrem Thema oft alleine gelassen sind, da ihnen niemand helfen kann. Zudem treten einige Prozesse accountübergreifend immer wieder auf, so dass eher Routinen entstehen, die effizienter ausgeführt werden können.
Neue Ideen
Ein Dienstleister kann frische Ideen ins Marketing bringen. Aus Erfahrungen von vielen Kunden kann ein Problem aus mehreren Perspektiven gesehen werden, während inhouse möglicherweise schon Betriebsblindheit herrscht.
Das heißt nicht, dass der Input von Agenturen allein ausreichend ist. Die besten Ergebnisse erzielen wir, wenn unsere Kunden regelmäßig ihre Erfahrungen mit uns teilen. Schließlich hat Gerald recht: niemand kennt das Produkt so gut wie man selbst. Die beste Produktkenntnis sollte gepaart mit dem besten Handwerk und umfassenden Erfahrungen auch zum optimalen Ergebnis führen.
Agenturbetreuung durch Google
Sicherlich kein großer Vorteil, aber manchmal sehr nützlich: im Gegensatz zu den meisten kleinen Advertisern haben Agenturen in der Regel einen direkten Draht zu Google. Wer genervt ist von Google-Textbausteinen, weiß das sicher zu schätzen. Ein direkter Kontakt schafft übrigens größere Mehrwerte, wenn Themen bearbeitet werden, die eine manuelle Anzeigenprüfung durch Google-Mitarbeiter erfordern. So kann aus einer Woche eine Stunde werden.
Fazit
Es gibt einige Gründe, die für eine Inhouse-Lösung sprechen aber auch viele, die für eine Agentur-Betreuung sprechen. Eines der wichtigsten Entscheidungskriterien ist das SEM-Volumen. Mit kleinen Budgets lohnt die Beschäftigung eines Adwords-Experten meist nicht. Bei größeren Budgets gilt es, die anderen Argumente abzuwägen.
Über die Autoren:

Die Projecter GmbH ist eine Online Marketing Agentur mit Sitz in Leipzig und gehört zum Portfolio von Gründerszenes Investor Team Europe Ventures. Seit 2007 unterstützt das von Katja von der Burg und Patrick Hundt gegründete Unternehmen vor allem StartUps mit Konzepten, Workshops und langfristigen Kooperationen in den Bereichen Suchmaschinenoptimierung (SEO), Suchmaschinenmarketing (SEM) und Affiliate-Marketing. Zu den Referenzen gehören u.a. mymuesli, Lumas, Mister Spex und smava.

Katja/Patrick,
danke für den guten Beitrag. Das SEM-Budget ist sicher ein wichtiges Entscheidungskriterium, das ich nicht berücksichtigt habe.
Einer der wichtigsten Aspekte ist meiner Meinung nach noch nicht genannt worden:
Eine Agentur kann in der Regel skalieren. Ein Inhouse-SEMler kann sich nicht selbst skalieren. Naja gut vielleicht kann er aus 8 Stunden pro Tag 10 Stunden machen. Aber er kann sich nicht verdoppeln oder vervierfachen wenn es mal brennt oder gar mehrere komplette neue Produktgruppen pünktlich zu Weinhnachten im SEM-Account umgesetzt werden sollen.
Ist das Budget per annum gemeint oder wie?!
In der Tat sind hier viele Vorteile genannt, bei denen es Sinn macht bei Budgets bis 10k eine Agentur zu nutzen. Den großen Vorteil sehe ich jedoch darin wie bereits geschrieben, dass die Agentur einen Draht zu Google hat und zweitens profitiert die Agentur von den Erfahrungen mit einem Kunden, dann später für alle!
@Thomas: das Budget bezog sich auf einen Monat.
Bei dreistelligen Monatsbudgets lohnt es erst Recht nicht, jemanden einzustellen aber dann wird es zugegeben auch bei vielen Agenturen schwierig.
“Teilweise verfügen Agenturen auch über gutes Branchenwissen, also Kunden aus der gleichen Branche.”
Konzepte/Kampagnen von a nach b zu verschieben, sollte nicht Aufgabe einer prof. Agentur sein.
Hier auch ein Beitrag zu dem Thema aus Sicht von beiden Seiten:
http://www.sem-deutschland.de/online-marketing-tipps/sem-inhouse-oder-agentur-pro-und-contra/
Danke für den tollen Beitrag!
Vorschlag: Stundenbasierte Abrechung?
- Gute Kalkulierbarkeit des finanziellen Aufwands
- Auftragsbeschreibung legt klar den Leistungsumfang fest
- trotz steigender Budgets gleiche Kosten bei gleichem Aufwand
Performanceorientierte Abrechnung nur als onTop Motivationshilfe :)
@max bei regionalen Kunden sicher nicht so schlimm aber ansonsten stimme ich Dir zu
Bei der Entscheidung für Inhouse oder Outsourcing gibt es eine bekannte Regel: Wenn Du 2 Leute dauerhaft mit einer Sache beschäftigen kannst, dann mache es evtl. Inhouse.
Ansonsten ist die GAU pefekt, wenn der einzige Inhouse- SEM’ler weggeht. In einer Agentur dagegen wird der Job von Kollegen übernommen.
Ein ganz anderer Trend ist aber folgender:
Viele gute Agenturen stehen für reine Dienstleistungen nicht mehr zur Verfügung, weil sie nur noch eigene Projekte bearbeiten.
Anders ausgedrückt: Warum soll eine gute Agentur z.B. einen Onlineshop für dritte aufbauen und mit SEM promoten, an statt lieber einen eigenen Onlineshop aufzubauen, zu promoten und DAUERHAFT und MEHR zu verdienen?
Ich sehe die Tendenz, daß zunehmend fast nur noch Agenturen (zumindest die größeren), die nix eigenes auf die Reihe bekommen, überhaupt noch Dienstleistungen anbieten.
Ist es nicht die Vielzahl an mittelständischen Unternehmen, die maximal 5000 Euro / Monat in SEM investieren möchte?
Meine Erfahrung aus mittelständischen Unternehmen (bis ca. 100 MA) zeigt, dass es maximal eine Person im Unternehmen gibt, die sich schwerpunktmäßig um Marketing “kümmert”. Meistens macht das auch noch die Geschäftsführung / -leitung.
Das Budget an einen SEM-Dienstleister wie Projecter zu vergeben ist durchaus sinnvoll, wenn man das Thema professionell (“garantiert”) erledigt sehen möchte und kein großes Know-how aufbauen will.
Dieses Vorgehen sollten Mittelständler z.B. in einer Testphase (6-12 Monate) anwenden. In diesem Testzeitraum kann man sich dann überlegen, ob man die Sache lieber Inhouse (= oftmals günstiger, direkter beeinflussbar) abwickeln möchte, oder ob das Modell “Dienstleister” lohnenswert ist. An dieser Schnittstelle gibt es mit Sicherheit auch Mixlösungen (Ansprechpartner im Unternehmen, dafür etwas geringerer Dienstleister-Aufwand).
Trotz des Fazits von Katja drücke ich Projecter natürlich die Daumen, auch größere Budgets abwickeln zu dürfen :)
Kann ich auch nur bestätigen. Wir haben auch schon einige inhouse accounts übernommen und optimiert. Mitunter rutscht auch mal ein Agentur Account mit rein bei dem ich mich frage, was da gemacht wurde… auch so etwas gibt es. Ich denke, dass große Retailer sich nicht zwingend in Karten gucken lassen möchten und nach einigen Jahren Agenturbetreuung das ganze Online-Marketing intern ausbauen. Aber das wie oben geschrieben bei wirklich großen Unternehmen. Bezüglich der Keywords… da kommt tatsächlich mal das ein oder andere gute raus, allerdings dann mitunter auch 95% weniger Gutes. Trotzdem schöner Bericht. Gruß Thomas
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