Die wichtigsten Tipps zu Corporate-Blogs
Zunächst mal: Corporate-Blogs werden in der Regel völlig überbewertet. Zumindest, wenn ihr erwartet, dass ihr damit im Handumdrehen riesiges PR-/Kunden-Potenzial aufbaut. Das schaffen nur die wenigsten, und wenn ich mir die meisten StartUp-Blogs anschaue, habe ich das Gefühl, die meisten Blogs werden gleich aufgemacht nachdem der „Beta“-Button an das eigene Logo gepappt wurde: weil es andere auch machen, und nix kostet.

An Inhalten kommt dann meist eine Mischung aus „Hey, schaut mal was wir Abgefahrenes gemacht haben“, irgendwelche Fotos aus langweiligen IKEA-Büros, Pressemitteilungen-Copy-und-Paste, oder: Nach vier Einträgen folgen drei Monate tote Hose, gefolgt von so etwas wie „Sorry, war echt superviel los hier in der letzten Zeit.“ Mal ehrlich: Wäre es der Blog einer Privatperson – niemand würde sowas mit dem Popo angucken, oder? Warum also sollte das Interesse bei einem Corporate Blog anders sein? Von daher: Wenn ihr keine Zeit habt, lasst es einfach gleich. Das ist okay und es gab auch schon Unternehmen, die ganz ohne Blog groß geworden sind.
Wenn sie gepflegt werden, sind Corporate-Blogs sinnvoll
Wenn ihr meint, ihr kriegt das zeitlich hin, ist ein Blog allerdings sinnvoll und unverzichtbar. Ein paar gute Tipps dazu hat Robert Basic kürzlich verfasst, vor allem zum Thema “Moving-Target” (er umschreibt es mit einer U-Boot-Metapher). Für Feedback von außen kann euer Blog ein Fenster ins Büro, oder sogar ein USP für euch sein. Also: wenn schon, denn schon – mehr Leidenschaft, mehr Mut und mehr Aufmerksamkeit für das Pflegen eines Corporate-Blogs, bitte!
Zunächst etwas generelles, und hier seid ihr schonmal richtig: Denn ein wichtiger Teil der Bloggerei ist das Verfassen eigener Blogposts, genauso wichtig ist allerdings das Verfolgen anderer Blogs. Und bevor ihr selbst in eurem Blog loslegt, würde ich immer zuerst beobachten: Besucht themenverwandte Blogs – falls vorhanden, den der Konkurrenz – oder zu Themen, die ihr persönlich interessant findet (wenn ihr das nicht eh schon macht).
Wenn ihr zum Beispiel bei den gängigen Blogsuchmaschinen etwas Interessantes entdeckt, steigt ggf. ins Gespräch mit ein. Wenn ihr etwas zu sagen habt und euch nicht daneben benehmt, werdet ihr meistens auf Interesse stoßen. Umgekehrt gilt das aber auch: Wer sich daneben benimmt, ist meist schnell unten durch. Generell sind alle guten Blogger neugierig, meistens aber auch nachtragend. Ich denke, die Beispiele kennt ihr mittlerweile alle – und das meiste, was ich von bösen Unternehmen und Unternehmern weiß, weiß ich aus… Blogs!
Aus diesem Grund würde ich darauf achten, mit Fingerspitzengefühl vorzugehen, und Beiträge mit einem Mindestmaß an Substanz beizusteuern (genau wie in den eigenen Blogposts). Schaut euch im Zweifel auch die Netiquette an, auch wenn diese den Eindruck erweckt, als sei sie für Nerds aus den 1990ern gemacht, gilt diese dennoch nach wie vor und (gerade) für Blogs. Ansonsten ist es absolut lohnenswert und sinnvoll, ab und an bei anderen Blogs mitzudiskutieren und sich vorzustellen, auch wenn das eigene Unternehmen nicht behandelt wird (und bevor die Kacke am dampfen ist).
Ein Corporate-Blog darf “menscheln”
Das Internet ist anonym genug, und daher gilt auch für euer Blog: Es darf durchaus menscheln (wir nennen es “peoplize”). Die Leute, die sich die Mühe machen euer Blog aufzusuchen, sind an euch und eurem Business interessiert. Und wollen sehen, dass dort Menschen am anderen Ende des Bildschirms sitzen. Daher ist es ratsam, weniger IKEA-Schreibtische zu fotografieren, sondern eher die Leute vorzustellen, die davor sitzen. Ein tolles und noch ganz frisches Beispiel hierfür ist die Relaunch-Kommunikation von Sevenload – Einstiege gibt es im Blog von Mike Schnoor.
Seid als Personen sichtbar, entweder mit einer eigenen Profilseite, einem kleinen Bildchen bei jedem Post, über Bilder oder Videos oder einfach durch euren Schreibstil. Das gilt auch für die externe Kommunikation: Lasst Euch blicken, bringt euch zu „euren“ Themen ein, indem ihr Blogartikel kommentiert und selbst schwerpunktmäßig darüber berichtet. Bloggt lieber kürzere Updates, dafür regelmäßig. Und seid lernbereit – Martin Oetting von connected marketing zum Beispiel sagt, er blogge um zu lernen. Ein schönes Ziel: Durch Bloggen wird man vielleicht nicht reich, aber manchmal über Nacht klüger.
Dazu gehört auch, dass man Fehler macht. Wenn ihr mit eurem Blog wirklich etwas bewegen wollt, ist Transparenz wirklich entscheidend: Das bedeutet, in Echtzeit zu kommunizieren, was wiederum bedeutet: Man sollte auch bei negativen Vorkommnissen in Vorleistung gehen, und den Mut aufbringen, darüber zu schreiben, wenn es Probleme gibt.
Mit Statistik-Tools den eigenen Corporate-Blog monitoren
Achtet vor allem darauf, dass Referrer, also Webseiten, die auf euch verweisen, sehr gut und in Echtzeit dargestellt sind. (Von daher könnt ihr euch von Webalizer und AWstats gleich verabschieden). Referrer und Trackbacks sind eine gute Wasserstandsanzeige, zum einen für generelles Feedback von Außen, zum anderen merkt es meist jemand externes am schnellsten, wenn was richtig schief geht.
Zum Monitoring verwende ich eine Kombination aus gängigen Statistik-Tools (wie Statcounter, Reinvigorate, Sitemeter, Mint, oder das WordPress-Tool) mit unterschiedlichen, “hausgemachten” Blog-Abfragen. Die wesentlichen Tools fürs Monitoring hat Thomas Pleil zusammengestellt und verglichen.
Wenn irgendwo ernsthafte Kritik laut wird, nehmt diese wahr, steckt nicht den Kopf in den Sand, sondern steigt in die Diskussion ein. Je nach Schwere und Verlauf, vielleicht nicht unbedingt als erster, aber lasst euch blicken (als Mitarbeiter oder Verantwortlicher!), greift das Thema zum Beispiel im eigenen Blog auf. Und hier hilft es eben, wenn man vorher schon in den entsprechenden Blogs oder ggf. persönlich bekannt ist.
Metriken für Corporate-Blogs
Was die Metrics angeht, mit denen man den Erfolg misst, ist dies wieder ein eigenes Thema. Denn Blogs sind Beziehungstools, und wichtig ist mir eher eine Entwicklung als “absolute” Zahlen. Wir messen RSS-Abonnenten, Anzahl der Kommentare und die Aktivität unserer Blogger sowie Incoming-Links (wie eben Referrer) – da viele Nutzer eures Blogs Feedreader benutzen ist das wichtiger als etwa. die Zahl der Visits oder die Monitorauflösung oder wer sich wo rumgeklickt hat. Anhand der genannten Werte besprechen wir die populären Blogposts der letzten Woche und die Liste der anstehenden Inhalte, die wir transportieren wollen und müssen.
Viele Blogs entwickeln sich. Erwartet keine Wunder. Denkt (und handelt) nachhaltig und langfristig. Trotzdem sollte man natürlich experimentieren und anmerken, dass euch die Arbeit und das Bloggen Spaß macht. Ach und grundsätzlich: Bloggen hilft, ersetzt aber keinen persönlichen Dialog. Manchmal ist es besser, zu reden, zu skypen, auf ein Barcamp zu gehen oder Twitter zu nutzen. Über Anregungen, was ihr denkt, was gut funktioniert und was nicht ist Gründerszene per Kommentar dankbar.
Artikel zum Thema Social-Media:
- Wege und Tools zur Produktivitätssteigerung bei Social-Media
- Twitter als Marketing-Instrument für Unternehmen – die 3 Top-Strategien
- Twitter kompetent nutzen – in sieben Schritten
- Acht Beispiele, wie man auf Twitter Geld verdienen kann
- Viral Marketing: Mit „ansteckenden“ Ideen gezielt Mundpropaganda auslösen
- Viral Marketing zum Discount Preis – Wie man mit kleinem Budget Mundpropaganda auslöst
- Erfolgreiche PR-Arbeit für Startups – Persönlicher Kontakt zu Journalisten ist der Schlüssel



“An Inhalten kommt dann meist eine Mischung aus „hey, schaut mal was wir Abgefahrenes gemacht haben“, irgendwelche Fotos aus langweiligen IKEA Büros, Pressemitteilungen copy&paste, oder: nach 4 Einträgen 3 Monate tote Hose, dann sowas wie „sorry, war echt superviel los hier in der letzten Zeit“.”
Treffender kann man es für viele Fälle kaum beschreiben. Dabei kann ein Blog ja durchaus ein gutes Mittel sein, mehr über ein Unternehmen zu erfahren – wenn dann denn die Zeit da ist, um es zu pflegen ;-)
Hallo Andreas, der von Dir zitierte Robert plädiert ja beim Bloggen für die “Try-&-Error-Methode”, bei der man sich gegen Forschung, Theorie sowie klassische Lehre entscheidet und Fehlschläge bewusst in Kauf nimmt. Wie siehts Du das in Bezug auf Corporate Blogs? Beste Grüße, Kay
hey kay,
bei den meisten startups ist trial & error sowieso alltag, von daher finde ich nicht dass es für blogs eine ausnahme geben muss (bei einem konzern ist das sicher anders – da fahren viele ja die externe beraterlösung).
wichtiger ist, dass man leidenschaftlich ist und konsequent dabei bleibt, und dass das rüberkommt.
Hi Ami,
da kann ich in allen Punkten zustimmen! Eine Sache würde mir jedoch noch am Herzen liegen… Ein Corporate Blog kann – richtig geführt und fernab von der guten, alten Reichweitedenke – vor allem eines leisten: Interessierten helfen, Fans zu werden.
Eine effektive und dabei für “beide Seiten” spannende und wertvolle Herangehensweise ist hier das aktive Erfragen von Lesermeinungen und der anschließende Dialog mit den Meinungsgebern. Nehmt Eure Nutzer/Kunden ernst und zeigt Ihnen das auch. Gebt Ihnen das Gefühl, Euer Angebot gemeinsam mit Euch verbessern zu können – und lasst den Gesprächen auch Taten folgen.
Das bedeutet natürlich nicht, dass man plötzlich die Entwicklung des eigenen Produkts aus der Hand gibt – soweit zu gehen macht in den seltensten Fällen Sinn. Aber nutzt die Chance, Meinungen derer zu erhalten, die später auch Eure Nutzer sein sollten. Und versammelt so sukzessive eine kleine Fan-Community mit sowohl Applaus-, als auch Kritik-Potential.
Merke: Der Kunde, der um seine Meinung gebeten wird und sich dabei ernstgenommen fühlt, redet auch viel lieber (und öfter) über Euer Produkt.
Binsenweisheiten? Klaro. Aber man kanns nicht oft genug sagen :)
Schöner Beitrag! Vielleicht sollte man noch hinfügen, dass sich die Frage Bloggin ja/nein definitiv auch am Geschäftsmodell orientieren sollte. Was für Web 2.0 gilt, gilt ja nicht automatisch für die restliche Welt da draußen…
karsten,
danke für den einwurf — ich musste bei kays frage oben ehrlich gesagt auch an das beispiel payback denken. ich denke da habt ihr viel von den sachen umgesetzt, die du ansprichst :)
und @dominik – klar, bloggen ist abhängig vom businees – aber wie erfolgreich ein blog ist, ist häufig einstellungssache, und nicht so sehr die frage des geschäftsmodells und web2.0 oder nicht. frosta und walther’s saftblog sind z.b. gute “nicht web2.0 beispiele”, bei denen es einfach spass macht. hmm, ich überlege grade wo ein blog keinen sinn macht … und es fällt mir nichts ein ;)
[...] sich mit dem Thema Starups und Blogs, schön down to the earth: Gründerszene: Corporate Blogs Companice: Wir müssen darüber [...]
[...] ja, hier und hier gibts ein paar tolle Tipps bezüglich der Do’s and Dont’s beim Corporate [...]
“…da fahren viele ja die externe beraterlösung.” Ich weiss ;))
[...] Frage beantwortet Andreas Milles von Spreadshirt hier. Viel Spaß beim Lesen! Ähnliche [...]
[...] nach Rom. Eine illustre Rundlese zum Thema Corporate Blogs findet sich einerseits in einem Gastbeitrag von Gründerszene sowie im IT-Business-Blog von ZdNet. Grundsätzlich sollte zu den Aussagen beider Artikel [...]
super beitrag. ich selbst bin überzeugt von dem nutzen von blogs. Allerdings ist der erfolg nicht immer so gut messbar. das ist gerade das spannende. wie robert b. in dem von dir genannten post schreibst, du wirfst einen ball hin und weißt nie wer in auffängt. das verstehen nicht alle sofort und unterschätzen das bloggen dann oft. ich bin selber noch am lernen, obwohl ich nun schon seit fast 2 Jahren blogge. Corporate Blogs sind in der Tat meist noch etwas anderes, da man sich schon mehr einen kopf macht, was man schreiben sollte und was nicht. oft gehen da auch die meinungen im team auseinander. rede jetzt nicht direkt bezogen auf smaboo sondern viel mehr allgemein. meist ist es allerdings so, das je offener und authentischer man schreibt, desto besser wird er blog angenommen. gerade corporates blogs müssen das einhalten wenn sie was reißen wollen. Ein beispiel was ich immer gern anführe ist der edelight blog vom Peter Ambrozy. die waren von anfang an am bloggen und das richtig aus dem nähkästchen. hat einfach spass gemacht zu lesen. da blick ich jetzt noch neidisch drauf. in diesem sinne.
[...] …als Startup bloggen?. Diese Frage wird mich nun in den Schlaf wiegen, doch vorher noch schnell ein Post, oder doch nicht? [...]
[...] Doch was wäre damit erreicht? Fast nichts! Ohne strategische Absicht und klares Kommunikationsziel entstünde eines der “Wundertüten-Blogs”, die kaum Leser haben und deren Macher schnell frustriert aufgeben. Beispiele hierfür findet man selbst auf den mittleren Rängen der Top 100 Business Blogs, einem selten aktualisierten Verzeichnis der deutschsprachigen Corporate Blogs. [...]
Manche Foren wurden auch schon geschlossen. Soviel zum Lebenswillen eines Corporate Blog.
Blogs werden nur mit der Zeit interessant. Wenn es sich um Erstinformationen handelt, dann interessiert einen Leser eventuell die Weiterentwicklung und genau diese kann erst im Nachhinein bekannt werden. Dran bleiben ist mit das A und O.
Die Szene muss sich erst noch behaupten. Welche Überraschungen uns da noch erwarten wissen wir nicht.
Tja, das Leben kann so einfach sein, mann muss nur glück haben.
Corporate Blogs…
Zum Thema “Corporate Blog” habe ich auf gründerszene.de einen interessanten Beitrag gefunden. Hier die wichtigsten Inhalte.
Einstellungssache
Verfassen eigener Post/Artikel und verfolgen von Themen relevanter Blogs
Ins Gespräch in andere…..
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