kussmund

Redaktioneller Content schafft Traffic, Traffic verkauft Banner. Diese einfache Gleichung, lange die zentrale Geschäftsgrundlage großer Medienportale, funktioniert spätestens seit der großen Anzeigendepression nicht mehr. Zurück bleiben Reichweite und Umfelder, die sich auf klassischem Wege – gemeint ist die Displaywerbung – immer schwieriger kommerzialisieren lassen. Ein Umstand, der sich auch durch die generelle Entwertung der Währung TKP langfristig kaum umkehren lässt.

Fast reflexartig wurde von Seiten der Verleger wieder die Idee von Paid Content Modellen aus der Schublade geholt. Zweifel sind berechtigt, ob die Umkehr jahrelang anerzogener Gratisnutzung von redaktionellen Inhalten von Erfolg gesegnet sein werden. Ein Kampf gegen die Gewohnheiten der eigenen User lässt sich selten gewinnen.

Derzeit bieten sich großen Medienmarken zur Refinanzierung ihrer Redaktionen vor allem fünf Geschäftsmodelle, die trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage weiterhin eine verlässliche Aufwärtsentwicklung vorweisen können: Die Rede ist von E-Commerce, performancebasierten Werbeformen, Gaming-/Gamblingangeboten, Datingplattformen und dem Geschäft mit hochwertigen Erotikangeboten.

Diese Modelle sind meist bekannt – auffallend ist allerdings, dass reine Internetmarken sie wesentlich entschlossener und erfolgreicher betreiben als Wettbewerber mit einem Offline-Pendant im Hintergrund. Warum aber lassen sich Verlagsmanager angesichts schwindender Erlöse aus dem Vertriebs- und Werbemarkt die Butter vom Brot nehmen, anstatt ihre Monetarisierungspotenziale beherzt zu nutzen? Vielerorts steht da die Sorge im Mittelpunkt, dass der Qualitätsanspruch der Zeitungs- bzw. Zeitschriften-Marke verwässert werden oder ihre Unabhängigkeit und Reputation in Frage gestellt sein könnte.

Bedenken, die sich in der Praxis meist als unbegründet darstellen. Warum?

  • Die Schnittmenge zwischen Lesern von Publikumsmedien und den Usern des dazugehörigen Online-Angebots liegt in den meisten Fällen deutlich unter 50 Prozent. Im Netz haben wir es größtenteils mit einer Klientel zu tun, die die Marke fast ausschließlich online wahrnimmt – und die im Internet geltenden Spielregeln im Hinblick auf Monetarisierung und Vermarktung längst als selbstverständlich empfindet.
  • Internetnutzer sind gereift. Sie haben verstanden, dass sie als Gegenleistung für die kostenfreie Nutzung redaktioneller Seiten und vieler anderer Services Werbung und weiterleitende Empfehlungen akzeptieren müssen.
  • Schon lange haben User keine Angst mehr, in den Welten des WWW verloren zu gehen – stattdessen probieren sie mit Freude und Neugier neue Angebote aus und kehren zurück, wenn sie ihnen nicht gefallen.
  • Internetnutzer haben gelernt, mit dem Nebeneinander von redaktionellen Beiträgen, nutzergenerierten Inhalten und Werbung umzugehen, zwischen ihnen zu unterscheiden und sich eine eigene Meinung zu bilden. Und das, obwohl Werbung und Redaktion im Netz weitaus weniger scharf getrennt werden, als im Print.

Aber, bevor wir pauschalisieren: Im Netz finden sich zahlreiche Offline-Online-Marken, die inzwischen gutes Geld verdienen. Zu nennen wären hier zum Beispiel Chip.de und Spiegel-Online. Starke Konvertierer sind natürlich auch RTL.de und Bild.de, die beide neben dem Gaming-Geschäft auch solide Umsätze mit erotischen Inhalten erzielen.

Auch wenn das Thema Erwachsenenunterhaltung längst nicht für jedes Umfeld geeignet ist, wäre es fahrlässig es vorschnell ungeprüft bei Seite zu legen. Viele Portale setzen zur Attraktivitäts- und Klicksteigerung seit jeher bewusst auf erotische Themen. Einzig die portalkompatible Verlängerung in kommerzielle Inhalte fehlte bisher. Mit der Entwicklung der Medienerotik ist für zahlreiche Special- und General-Interest Marken jedoch inzwischen eine markensichere Umsatzbeteiligung an hochwertigen kommerziellen Erwachsenenangeboten möglich.

Sind die folgenden Voraussetzungen erfüllt, kann der Publisher ohne Beigeschmack am Erotikgeschäft verdienen:

  • Die Inhalte müssen sich geschmackvoll, hochwertig und glossy präsentieren. Erotik ist längst zu einem akzeptierten Bestandteil der Alltagskultur geworden, wenn die Verpackung stimmt.
  • Alle hinführenden Elemente müssen individuell an das redaktionelle Portalumfeld angepasst werden und sich nahtlos einfügen.
  • Moderne Erotikangebote sollten nachgefragte Trendthemen wie aktuell zum Beispiel Frauenerotik besetzen.
  • Die Trennung zwischen Medienmarke (jugendfreier Content) und Erotikplattform (Ü18-Inhalt) muss klar erkennbar bleiben.
  • Sämtliche deutschen Jugendschutzregelungen müssen kompromisslos eingehalten werden.
  • Sicherheit und Verlässlichkeit: Pricing und Abrechnungsmodalitäten müssen absolut transparent, kalkulierbar und vertrauenswürdig gestaltet sein.

Medienerotik berücksichtigt diese hohen Anforderungen und entwickelt das Geschäft mit hochwertiger Erwachsenenunterhaltung zu einem sinnvollen Modell für viele Publisher (Verlage, Radio- und TV-Sender sowie unabhängige Internetportale), die sich aufgrund traditioneller Vorstellungen bislang skeptisch zeigten.

Ganz wichtig: Wie bei journalistischen Inhalten ist auch hier Qualität das zentrale Differenzierungsmerkmal. Auch der ausdauerndste User von Gratis-Erotik ist die Nutzung umständlich zusammengesuchter Inhalte mittelmäßiger Qualität irgendwann genauso leid, wie sich zu einem bestimmten Zeitpunkt der Wunsch durchsetzt, die Inhalte nicht mehr illegal zu beziehen. Attraktive Premiuminhalte, sicheres Nutzungsumfeld und höchste Anbietertransparenz (iTunes lässt grüssen) sind die Trümpfe, die beim Geschäft mit hochwertigen erotischen Bezahlinhalten stechen.

Dank der auch in der Krise unverändert ausgabefreudigen und loyalen User führt dies zu hoher Planungssicherheit bei stetig steigenden Erlösen. Gerade in der Krise ein attraktives Businessmodell mit Seltenheitswert.

Über den Autor:

christian-langChristian Lang ist Geschäftsführer von LOMEX Media, einem der führenden deutschen Unternehmen im Bereich der Online-Erotik.

Der Diplom-Kaufmann war bei Procter&Gamble sieben Jahre als Brandmanager für Marken wie Hugo Boss, Prestige Fragrances und Pampers verantwortlich. Später schloss er sich als Senior Vice President Marketing dem eCommerce-Startup mytoys.de an, bevor er im Jahr 2002 LOMEX Media gründete. Lomex Media vermarktet seine Angebote sowohl in Kooperation mit B2B-Partnern als auch direkt im Endkundengeschäft (B2C). Zu den B2B-Partnern gehören einige der größten Mediengruppen Deutschlands.

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