Affiliate Netzwerk, Gründer, StartUp

Die meisten Partnerprogramme von Unternehmen werden bei Affiliate-Netzwerken gestartet. Kaum eines der erfolgreichen Programme verzichtet beim Affiliate-Marketing auf die Unterstützung eines oder mehrerer Netzwerke. Der Hauptgrund dafür ist die große Masse an potentiellen Partnern, da diese in der Regel keine Lust haben, sich bei hunderten privaten Partnerprogrammen anzumelden, sondern alles über wenige Plattformen abwickeln möchten.

Die Gebühren fürs Netzwerk beim Affiliate-Marketing

Der natürliche Nachteil, den Affiliate-Netzwerke mit sich bringen, sind die Gebühren. Diese können sehr unterschiedlich ausfallen: Größere Netzwerke verlangen häufig eine Setup-Gebühr. Also zahlen Programmbetreiber (Merchants) zwischen 500 und 5.000 Euro, um ihr Partnerprogramm bei einem Netzwerk starten zu dürfen. Bei einigen Plattformen fallen außerdem jeden Monat fixe Gebühren an (häufig 250 bis 400 Euro). Diese Pauschalen handhabt jedes Netzwerk anders. Einzig die umsatzabhängige Provision ist bei allen gleich: Netzwerke bekommen 30% der Provisionen, die an die Affiliates ausgeschüttet werden. Erhalten also Affiliates 10% pro Verkauf, berechnet das Netzwerk zusätzlich 3% Provision. Bei dem einen oder anderen Netzwerk (meines Wissens nach z.B. Commission Junction) mag die Berechnungsgrundlage leicht abweichen.

In Deutschland sind die Machtverhältnisse recht deutlich verteilt. Im Windschatten von zwei großen Netzwerken agieren einige kleine und mittlere Plattformen. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage bei 100partnerprogramme.de zeigt die aktuelle Verteilung aus Sicht der Affiliates.

Die Frage, welches Netzwerk für mein Partnerprogramm das Beste ist, wird häufig durch das Umsatzpotential des Programms und die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel beantwortet. Auch strategische Fragen wie eine geplante Expansion ins Ausland könnten Berücksichtigung finden.

Die wichtigsten Affiliate-Marketing-Netzwerke im Überblick

Zanox + Affilinet (www.zanox.de / www.affili.net)

Zanox und Affilinet teilen sich in Deutschland den Platz an der Sonne. Beide weisen eine große Anzahl hochkarätiger Partnerprogramme auf, und man kann davon ausgehen, dass die meisten Affiliates bei mindestens einem dieser beiden Netzwerke aktiv sind. Zwar sind sie aufgrund ihres suboptimalen Supports nicht bei allen Top-Partnern besonders populär, werden wegen ihrer Marktmacht aber dennoch intensiv genutzt.

Sowohl Zanox als auch Affilinet sind mittlerweile auch in einigen anderen Ländern vertreten, aber zumindest in den großen Märkten (UK, Frankreich, Skandinavien) nicht annähernd so stark wie in Deutschland.

Die Ziele beider Netzwerke scheinen sehr unterschiedlich zu sein. Affilinet lehnt viele Partnerprogramme ab, wenn das Thema bereits durch andere Programme im Netzwerk vertreten ist oder nicht ausreichend Umsatzpotential verspricht. Zanox hingegen verfolgt das Ziel, aus jeder Branche alle wichtigen Programme im Netzwerk anbieten zu können. Deswegen ist es erfahrungsgemäß deutlich leichter, ein Programm bei Zanox zu starten.

Die Gebühren sind bei beiden Plattformen nicht gering. Affilinet veranschlagt seit 2008 etwa 3.000 Euro Setup-Gebühr. Darüber hinaus fallen jedoch nur Provisionen oder Gebühren für besondere Promotions an. Die Zanox-Startgebühr liegt bei verhandelbaren 4.800 Euro. Zudem fallen monatlich pauschal 300 Euro an.

Adbutler/Belboon (www.belboon.de)

Vor Kurzem sind zwei Netzwerke mittlerer Größe fusioniert. Adbutler und Belboon können zusammen sicherlich als dritte Kraft in Deutschland bezeichnet werden. Zwar laufen die zwei Plattformen nach außen hin noch weitgehend getrennt voneinander, allerdings stehen die Partnerprogramme beider Netzwerke allen Affiliates zur Verfügung. Aufgrund mangelnder Erfahrung mit den beiden Plattformen kann ich zu diesem Zeitpunkt keine qualifizierte Aussage über die Erfolgsaussichten von Partnerprogrammen treffen. Abgesehen von der üblichen Netzwerk-Provision fallen keine weiteren Gebühren an.

Webgains (www.webgains.de)

Webgains ist das jüngste unter den nennenswerten Netzwerken in Deutschland. Erst Ende 2006 wurde die in UK sehr große und erfolgreiche Plattform auch hierzulande gestartet. Demzufolge ist die Affiliate-Basis noch dünner als bei den großen Vertretern der Branche. Allerdings erfreut sich das Netzwerk aufgrund des guten Supports großer Beliebtheit bei seinen Partnern. Die Setup-Gebühr liegt bei einer Verhandlungsbasis von ca. 500 Euro. Monatlich fallen neben der Provision lediglich Gebühren an, sofern man das eigene Partnerprogramm nicht selbst managen möchte. Der Start eines Programms dauert hier in der Regel nur wenige Tage.

Superclix (www.superclix.de)

Superclix wird häufig unterschätzt, da der Webauftritt nach außen hin lange sehr angestaubt aussah. Nach innen ist er es auch heute noch, aber darauf kommt es kaum an. Wichtig ist, dass Superclix zwar am Umsatz gemessen zu den kleineren Netzwerken gehört, aber von Affiliates sehr häufig genutzt wird. Superclix betreut zwar auch ein paar größere Partnerprogramme, profiliert sich aber eigentlich stärker als Netzwerk für Nischen-Programme, was vor allem viele Top-Affiliates anzieht. Es fallen weder Setup- noch laufende fixe Gebühren an. Auch hier kann ein Programm innerhalb kürzester Zeit an den Start gebracht werden.

Commission Junction (www.cj.com)

Commission Junction (kurz: CJ) sollte man insbesondere dann in Betracht ziehen, wenn das Partnerprogramm in absehbarer Zeit auch in den USA gestartet werden soll, da CJ dort Marktführer ist. Leider hat das auch den Nachteil, dass dem hiesigen Team oft die Hände gebunden sind, weil die US-Firmenpolitik verfolgt werden muss. In Deutschland hat CJ den Durchbruch bei den Partnern bisher noch nicht geschafft. Die Setup-Gebühr liegt im unteren vierstelligen Bereich. Unangenehm – wenn auch aus Agentursicht verständlich – ist die monatliche Mindestgebühr von ca. 400 Euro, die allerdings mit den Netzwerk-Provisionen verrechnet wird.

Tradedoubler (www.tradedoubler.de)

Tradedoubler ist europaweit sehr gut aufgestellt, so dass man insbesondere bei einer Expansion nach Skandinavien an diesem Netzwerk kaum vorbeikommt. Auch in Großbritannien zählt es zu den größeren Plattformen. In Deutschland allerdings hat es bisher nicht an großer Bedeutung gewinnen können – in der Gunst deutscher Affiliates steht Tradedoubler nach der aktuellsten Umfrage nur noch auf Platz 6. Die Setup-Gebühren liegen deutlich im vierstelligen Bereich und sind damit recht hoch. Dazu kommt eine monatliche Maintenance Gebühr.

Andere Netzwerke

Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer kleiner Netzwerke, mit denen ich jedoch sowohl als Affiliate als auch als Merchant noch keine Erfahrungen gemacht habe. Zu den nennenswerten zählen vitrado (www.vitrado.de), Affiliwelt (www.affiliwelt.net) und ADCELL (www.adcell.de). Letzteres scheint vor allem auf den Erotik-Bereich zu fokussieren.

Fazit

In Deutschland ist der Markt unter zwei sehr großen und vielen kleinen bis mittleren Netzwerken aufgeteilt. Zanox und Affilinet verlangen in der Regel sehr hohe Setup-Gebühren, bringen aber auch eine große Affiliate-Basis mit. Bei den meisten anderen ist der Start eines Programms sehr preiswert, allerdings ist grundsätzlich auch mit weniger Umsatz zu rechnen.

Neue Partnerprogramme, die ein großes Umsatzpotential mitbringen (Überlegung: welche Partner können mein Produkt bewerben?), sollten zunächst bei Zanox oder Affilinet starten, später auch bei beiden oder anderen Netzwerken.

Für kleinere Programme lohnt es sich oft nicht, die hohen Gebühren zu zahlen bzw. werden sie häufig von größeren Netzwerken gar nicht erst akzeptiert. Daher empfiehlt es sich, mit zwei oder drei kleineren Netzwerken zu starten (idealerweise etwas zeitversetzt, um mehrmals Aufmerksamkeit zu erzeugen).

 

Über die Autoren
Die Projecter GmbH ist eine Agentur für Online Marketing mit Sitz in Leipzig. Seit 2007 unterstützt das von Katja von der Burg und Patrick Hundt gegründete Unternehmen vor allem Startups mit Konzepten, Workshops und langfristigen Kooperationen in den Bereichen SEO, SEM und Affiliate Marketing. Zu den Referenzen gehören u.a. mymuesli, Käuferportal, Lumas und amiando.

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