Was ist der Net Promoter Score (NPS)?
Im Kern ist der Net Promoter Score eine Kennzahl, die mittelbar die Kundenzufriedenheit und unmittelbar die Bereitschaft zur Weiterempfehlung quantifiziert. Das Konzept des Net Promoter Score ist aber viel mehr als eine Analyse zur Ermittlung der Kundenzufriedenheit. Der Net Promoter Score hat zusätzlich eine strategische Komponente. Unternehmensweit sollte jede Entscheidung langfristig zu einer Steigerung des Net Promoter Score führen. Der Net Promoter Score wird somit zur Zielgröße “Kundenzufriedenheit”, die allgemein anerkannt und von der Unternehmensleitung, ebenso wie Umsatz, Gewinn oder Wachstum kontrolliert werden sollte.
Wie wird der NPS berechnet?
Berechnet wird der Net Promoter Score, indem man zunächst die Befragten in drei Gruppen einteilt. Die erste Gruppe bilden die Fürsprecher (Englisch: Promoter). Diese Kunden haben die Frage „Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie Unternehmen/Marke X einem Freund oder Kollegen weiterempfehlen werden?“ mit 9 oder 10 beantwortet, das heißt es ist höchst wahrscheinlich, dass sie zufrieden sind und eine Weiterempfehlung aussprechen werden.
Die zweite Gruppe bilden die Unentschiedenen (Englisch: Passives). Zu dieser Gruppe zählen Kunden, die die erste Frage mit 7 oder 8 beantworten. Zur dritten Gruppe gehören alle Kunden, die eine 0 bis 6 vergeben. Alle diese Teilnehmer gehören den Kritikern (Englisch: Detractors) an.
Nun wird der relative Anteil von Fürsprechern und Kritikern anhand folgender Formel errechnet:
Anzahl der Fürsprecher bzw. Kritiker/ Anzahl der Befragten * 100
Zu guter Letzt ergibt sich der Net Promoter Score, der in Prozent angegeben wird, aus der Differenz der relativen Anteile von Fürsprechern und Kritikern. Hat ein Unternehmen mehr Kritiker als Fürsprecher ist der Net Promoter Score negativ – im schlimmsten Fall – 100 Prozent!

Warum sollte ein StartUp den Net Promoter Score (NPS) einsetzen?
Kundenfokusierung, Kundenorientierung, Kundenzufriedenheit – Kunden hier, Kunden da. Am Anfang kann man wohl auf vieles verzichten, aber nicht auf glückliche Kunden. Das Feedback ist besonders in der Gründungsphase extrem hilfreich, um das Angebot zu optimieren bzw. die nächsten Schritte einzuleiten. Hat man ein, zwei Sachen richtig gemacht und es kommen immer mehr Kunden, ist erstmals Freude angesagt. Doch ab einer gewissen Kundenanzahl braucht es ein Sytem, um dem mehrstimmigen Kundenkonzert zu folgen und die wichtigen Melodien herauszuhören. Hier empfehle ich das Konzept des NPS.
Es gibt 100 verschiedene Konzepte zur Kundenzufriedenheitsmessung, warum ausgerechnet den NPS verwenden?
Weil es einfach ist und weil es völlig ausreicht, um das Kundenfeedback einzufangen. Man muss kein Marktforscher sein, kein Statistikheld und man braucht keine großartigen IT-Kapazitäten um es einzuführen bzw. anzuwenden. Natürlich installiert es sich nicht von selbst, aber die Effizienz und Effektivität sind anderen Konzepten überlegen. Auch der Kunde wird es danken, wenn er statt 25 Fragen und mehr nur wenige Fragen beantworten muss.
Beweise gefällig: Der American Customer Satisfaction Index (ACSI), ein Konkurrenzkonzept, kommt immer wieder zu ähnlich Rankings und der Forrester’s Customer Experience Index kam 2008 zu einem Ranking, welches auch mit dem NPS nicht viel anders ausgesehen hätte.

Über den Autor.
Tobias Ebert ist Diplom Kaufmann, geboren 1979 in Berlin, studierte Volks- und Betriebswirtschaft in München, New York und Leipzig.
Den Net Promoter Score führte er 2007 bei Spreadshirt ein und sein Spezialgebiet liegt im Bereich der Marktforschung.
Auf der Webseite www.net-promoter.de hat er seine Erfahrungen, Erkenntnisse und wertvollen Tipps zusammengefasst.

Klingt interessant. Gibt es Erfahrungswerte / Empfehlungen, wann, wo und auf welche Weise man seine User mit der Befragung “belästigen” soll?
Matthias
Hallo Matthias,
gab es eine Transaktion, dann so zeitnah wie möglich. Im Onlinebereich am besten mit Onlinefragebogen. Bei ansonsten sind Befragungen per Telefon auch geeignet. Ziel sollte eine möglichst hohe Rücklaufquote (% der Befragten, die auch antworten) sein.
Onsite-Befragungen als Popup oder Banner sind aus Gründen der Repräsentativität nicht geeignet… jedenfalls kann man die Daten, dann nicht in vollem Umfang benutzen.
Hoffe das hilft etwas.
klingt erstmal recht einfach. du beschreibst, dass die befragten in drei gruppen eingeteilt werden. in der berechnung des nps werden die passives aber nicht berücksichtigt, wieso? inwiefern sind deren aussagen denn relevant/irrelevant für den nps?
danke, stefanie
gute frage. leider nicht ganz einfach zu beantworten. ich versuch’s mal so: Die Meinungen Passiven (kreuzen 7 und 8 an) sind nicht irrelevant oder zu vernachlässigen. Bei der NPS Berechnung wird der Anteil allerdings, wie du richtig erwähnt hast weggelassen. Warum? Man könnte den Anteil ja auch mit 0,5 multiplizieren und dann noch addieren oder mit -0,42 oder, oder, oder.
Im Grunde haben die “Erfinder” sehr viel ausprobiert und festgestellt, dass das Model/ die Gleichung so am besten das Wachstum des Unternehmens voraussagt. Also NPS= Promoter-Kritiker= X*Wachstum. Wobei X Branchen und unternehmensabhängig ist. Deswegen ist der NPS jetzt so definiert.
Alle Klarheiten beseitigt?
Servus Tobias,
darfst du verraten an welcher Stelle sich Spreadshirt in der obigen Tabelle ungefähr befindet?
Mich würde außerdem noch folgendes interessieren: der Vergleich mit dem Forrester Rank überzeugt mich, dass der NPS ein guter Maßstab für Kundenzufriedenheit ist. Aber gibt es auch Vergleiche mit Metriken für allgemeinen Unternehmenserfolg, die nahelegen dass der NPS auch dafür ein guter Maßstab ist? Die “strategische Komponente” des NPS scheint mir genau das vorauszusetzen. Oder baut man da einfach auf die Intuition, die sagt, dass jedes Unternehmen erfolgreich ist, wenn es glückliche Kunden hat?
Hallo Tobias,
muss sagen, hört sich wirklich einleuchtend an. Gibt es bereits größere deutsche Unternehmen (DAX bzw. M-DAX Unternehmen), die mit dem NPS arbeiten? Veröffentlichen diese Unternehmen “Ihren NPS-Wert” auf Ihrer Webseite oder im Jahresabschluss?
Vielen Dank im Voraus für Deine Antwort.
Viele Grüße
Lars
Hallo Oliver,
Spreadshirt veröffentlicht seinen NPS im Firemenblog. Der liegt immer so um die 40%- 45% und damit deutlich im oberen Viertel aller NPS Anwender.
Schau her: http://blog.spreadshirt.net/de/?s=NPS
Zu deiner 2. Frage: Die Erfinder (=Reichheld/Satmetrix)konnten mit Hilfe von Regressionsanalysen (R² bis zu 0,8!)einen signifikanten Zusammenhang zwischen NPS und Unternehmenserfolg (=Wachstum) ausweisen. Von einer anderen Studien (Konkurrenzverein zu NPS) wurde dieser wieder widerlegt. Für den Fall Spreadshirt kann ich sagen, dass ein Zusammenhang zwischen Wachstum und NPS existiert. Über die Stärke möchte ich aber hier keine Aussage treffen, sorry.
Hi Lars,
in Deutschland halten sich die Großkonzerne sowohl mit der Nutzung als auch, wenn sie ihn nutzen, mit der Veröffentlichung zurück.
Die Allianz ist ein Anwender der ersten Stunde.https://www.allianz.com/de/presse/news/unternehmensnews/standpunkte/news8.html
Sie veröffentlichen nicht so gerne, weil der Wert nicht so hoch ist…
Die Telekom hat (meiner Meinung nach) aus diesem Grund das Konzept wieder verworfen. Feiglinge.
Ansonsten gibt es noch einige KMU die dabei sind. Eine unvollständige Liste gibts auf netpromoter.com (Anmeldung erforderlich). Im Jahresabschluss habe ich den NPS noch nie gesehen. Dauert aber hoffentlich nicht mehr lang.
Beste Grüße
Hallo zusammen,
ich habe eine Frage zur Beschriftung der Pole bei der NPS-Frage.
Ich finde da einige ganz unterschiedliche “Versionen” vor allem für den Negativ-Pol:
z.B. “äußerst unwahrscheinlich”, “sehr unwahrscheinlich”, “unwahrscheinlich”…
Im Englischen habe ich auch schon verschiedenes gesehen “not at all likely”, “unlikely”…
Welches ist eigentlich die offiziell richtige Version?
Beste Grüße,
Raphael
Hallo Raphael,
auch bei der Übersetzung in andere Sprachen kommt es immer wieder zu “Ungenauigkeiten”.
Aber hier die gute Nachricht- es ist völlig egal was an den Polen genau steht. Das wird vom Teilnehmer abstrahiert. Genauso ist der exakte Wortlaut der NPS Frage- ich habe verschiedene Versionen gegeneinander getestet. Ergebnis: Kleine Unterschiede werden nicht wahrgenommen.
Beste Grüße