seo-relaunch

Es liegt in der Natur der Sache, dass StartUps zu den relaunch-freudigsten Akteuren im Internet gehören. Gerade bei jungen Webgründungen ändern sich Businesspläne, Anforderungen der Gesellschafter und Kunden häufig in sehr kurzen Intervallen. Nicht selten geht damit auch die Umstellung des kompletten Geschäftsmodells oder zumindest eine Neuausrichtung auf andere Zielgruppen einher.

Aber auch ohne so dramatische Änderungen der äußeren Umstände führt ein hoher Wettbewerbs- und Innovationsdruck sowie eine rasche Lernkurve der Gründer fast unvermeidlich zu permanentem Modifikationsbedarf der Webseite. Von daher verwundert es nicht, dass bei den Internetauftritten vieler StartUps ein Relaunch den anderen jagt.

Aus SEO-Sicht bedeutet ein Relaunch immer auch die Chance, aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Viel häufiger ist jedoch das Gegenteil der Fall. Die gerade mühsam erlangten Rankings bei Google fallen dem Relaunch zum Opfer und die neue Webseite ist zwar schicker als die alte, wird aber von deutlich weniger Surfern gefunden.

Selbstverständlich lassen sich nicht sämtliche Fehlerquellen im Zusammenhang mit einem Relaunch ausschließen. Zehn besonders „beliebte“ Fehler bzw. Problembereiche habe ich in nachfolgender Checkliste zusammen getragen in der Hoffnung, dass sie dem einen oder anderen StartUp den plötzlichen Besucherschwund nach erfolgtem Relaunch ersparen mögen.

1. Guter alter Content wird vor den Suchmaschinen versteckt

Bislang waren die Seiten sehr textlastig und dröge. Nun dominiert ein schickes Design, die Inhalte sind hübsch auf verschiedene „Tabs“ innerhalb der Seiten-Subnavigation verteilt oder erscheinen nach einem Klick dort, wo sie hingehören. So die Sicht des Benutzers. Aus den Augen der Suchmaschine sieht dieselbe Situation häufig aber eher so aus: Die sehr informativen Texte der Seite, die es leicht machten, das Dokument einem Thema zuzuordnen und seine Bedeutung in diesem Kontext zu erkennen sind verschwunden. Außer viel wildem Code ist nichts geblieben. Entsprechend wird die Seite zu den Schlüsselbegriffen nicht mehr ganz vorn in den Trefferlisten angezeigt.

2. Die statischen URLs mit sprechenden Namen gehen verloren Die Überschrift sagt eigentlich schon alles. Für das Ranking in den Suchmaschinen ist das doppelt ärgerlich. Erstens sind die Keywords aus den URLs verschwunden und zweitens tun sich dynamische URLs nach wie vor schwerer, dauerhaft in den Ergebnislisten der Suchmaschinen zu triumphieren.

3. Links zeigen ins Leere

Jede Änderung der URL-Struktur sollte durch entsprechend mühsame Einrichtung von 301er-Weiterleitungen begleitet werden. Ansonsten zeigen womöglich Links auf nicht mehr vorhandene Unterseiten. Dies gilt für interne Links, noch viel mehr aber natürlich für solche, die von dritten Seiten stammen.

4. Seiten gehen verloren

Die Beschaffung von Content war mühsam und/oder teuer. Umso ärgerlicher, wenn einige Unterseiten einfach beim Relaunch vergessen werden. Auch wenn es trivial klingt, kommt es doch häufiger vor, als man vermuten würde. Wer den Überblick über die verschiedenen Altlasten der eigenen Domain schon etwas verloren hat, der kann mit Hilfe der „site:“-Abfrage bei Google noch eine ganze Menge „vergessener“ Seiten vor dem Daten-Nirwana retten oder sie zumindest per 301er-Weiterleitung auf andere Seiten umleiten.

5. Seiten werden vergessen

Auch den umgekehrten Fall zu dem oben geschilderten findet man häufiger. Die wesentlichen Webseiten liegen alle in einem CMS und werden automatisch mit aktualisiert. Daneben gab es aber aus irgendwelchen Gründen noch parallel händisch angelegte statische Landingpages. Diese tragen dann auch nach dem Relaunch noch das alte Design, sorgen aber oftmals vor allem für unnötigen „Duplicate Content“ mit allen Problemen, die dies nach sich zieht.

Auch hier ist eine „site:“-Abfrage häufig der leichteste Weg zum Aufspüren solch vergessener Altlasten. Insbesondere in Kombination mit dem Suchoperator „filetype:“ lassen sich gezielt solche Unterseiten suchen, die einem bestimmten Dokumententyp (zum Beispiel PDF oder PHP) entsprechen.

6. Das Tracking funktioniert nicht mehr

Zu den Klassikern beim Relaunch gehört auch der vergessene Trackingcode. Entweder dieser ist in der neuen Seite einfach nicht mehr vorhanden oder er hätte den neuen Strukturen angepasst werden müssen. Bevor der Gründer am Tag nach dem Relaunch beim Blick in seinen Tracking-Account beinahe einen Herzinfarkt erleidet, sollte vor dem Live-Schalten der neuen Webseite immer auch eine Prüfung unter diesem Aspekt erfolgen.

7. Robots.txt

Die robots.txt Datei müsste eigentlich gleich zwei Mal auf der Liste stehen. Zunächst einmal als eine der Möglichkeiten, um die auf dem Produktivserver zu testende Homepage in der neuen Version den Suchmaschinen noch so lange vor zu enthalten, wie sie noch in einem Test-Unterordner liegt.

Vor allem aber kommt es auch immer wieder vor, dass der erfolgte Ausschluss aller Suchmaschinen dann im Relaunch-Trubel vergessen wird und es mit bis in die Live-Version schafft. Auch erfahrene Webentwickler scheinen vor diesem selbstverschuldeten Fall von Ranking-Vernichtung nicht ganz gefeit zu sein. Nichts ist ärgerlicher, als der Suchmaschine versehentlich den Eintritt zu verwehren und dadurch die wertvollsten Trafficströme abzuschneiden. Neben der entsprechenden Anweisung in der robots.txt Datei kann auch ein „noindex“ in den Meta-Tags diese verheerende Wirkung auf die Rankings haben.

8. Affiliate, AdWords und andere externe Links

Zwar beugt die Umleitung per 301er-Redirect dem Verlust von Traffic recht gut vor, doch ist dies gerade bei häufigeren Änderungen an der Struktur natürlich eine sehr unschöne Lösung, vergleichbar mit einem Nachsendeantrag an eine Adresse für die schon wieder ein Nachsendeantrag gestellt werden soll.

Alle wichtigen Links aus Affiliateprogrammen, AdWords-Kampagnen und natürlich auch die im Rahmen der SEO-Strategie erhaltenen statischen Links sollten soweit möglich auf die neuen Ziel-URLs hin geupdated werden. Dies ist natürlich gerade bei den statischen Links auf Drittseiten unter Umständen sehr aufwendig, teilweise gar unmöglich.

9. Sitemaps updaten

Natürlich darf auch das Updaten der Sitemaps nicht vergessen werden. Dies gilt sowohl für interne HTML-Sitemaps als auch für diejenigen XML-Dokumente, die gezielt für die Suchmaschinen im Sitemaps Format erstellt wurden.

10. Ansprechende 404er Fehlermeldung ausgeben

Im Idealfall sollte es dank guter Vorbereitung des Relaunches keine „Not Found“-Fehlermeldungen für die Besucher geben. Da der Idealfall aber selten ist, sollten die 404er-Seiten wenigstens so nützlich wie möglich gestaltet werden.

Ein Link zur Hauptseite, ein Suchfeld, Feedbackformular oder eine freundliche, sachlich formulierte Nachricht können die Userexperience deutlich verbessern. Auch Meldungen mit einem wohl dosierten „Augenzwinkern“ stimmen manchen Besucher, der sich in eine Sackgasse manövriert hat, doch wieder milde.

Wichtig ist dabei, dass auch tatsächlich der Statuscode 404 übermittelt wird, da die Suchmaschinen sonst den Inhalt dieser Seiten so normal wie den Inhalt der anderen Dokumente auch behandeln würden. Und Seiten, deren einziger Inhalt eine redundante Fehlermeldung ist, werden ganz sicher nicht die erhofften Positionen in den Suchmaschinen erreichen oder halten können.

Abschließend gilt bei jedem Relaunch wieder die alte Regel „Testen, testen, testen“. Der Fehlerteufel lauert bei umfangreichen Umbaumaßnahmen der Internetpräsenz wirklich überall. Bevor eine neue ggf. erst halbfertige Version unter Zeitdruck online geht und die guten Rankings in den Suchmaschinen langfristig ins Wanken bringt, sollte lieber ausreichend Zeit für gründliche, intensive Tests einkalkuliert werden.

Über den Autor:

Jochen MaaßJochen Maaß zählt zu den “alten Hasen” unter den Suchmaschinenoptimierern. Bereits im Jahr 2000 gründete er die artaxo AG, eine auf professionelle Suchmaschinenoptimierung spezialisierte Agentur mit Sitz in Hamburg.

Das Unternehmen bietet zudem mit SEOlytics eine führende Softwarelösung für Suchmaschinenoptimierer an.

Der Diplom-Wirtschaftsinformatiker ist der deutschsprachigen StartUp-Szene durch mehrere private Investments als Business Angel ganz besonders verbunden.

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