Auf diversen Events hier im Valley habe ich die unterschiedlichsten Theorien und Statistiken zur Erfolgswahrscheinlichkeit und den Quellen des Risikos von Start-ups zu hören bekommen. Die meistzitierte Erfolgsregel für Start-ups beruht auf langjährigen VC-Erfahrungen und besagt, dass nur 1-2 von 10 Start-ups wirklich abheben und das investierte Geld mindestens verzehnfachen. 1-4 von 10 Investments müssen dagegen regelmäßig komplett oder teilweise abgeschrieben werden. Der Rest der Investments bringt Renditen dazwischen. Für VCs machen derartige Daumenregeln natürlich viel Sinn. Aus Gründersicht sind diese jedoch mit Vorsicht zu interpretieren, wenn die Chancen die ein Start-up mitbringt mit alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten verglichen werden. Es macht beispielsweise keinen Sinn, von der VC-Regel darauf zu schließen, dass 8-9 der finanzierten Start-ups nicht erfolgreich wären, weil sie eben nicht die vom VC angepeilte Verzehnfachung des Wetteinsatzes erzielen. Eine Verfünffachung der VC-Bewertung ist zwar kein Homerun mehr, bringt aber für die Gründer finanziell und vom Lern- und Spaßfaktor wohl mehr als ein Angestelltenverhältnis und auch der VC freut sich noch über eine überdurchschnittliche Rendite.

Statistisch gesehen sind jedoch nur die wenigsten Start-ups VC-finanziert und die oben zitierte Daumenregel daher so nicht immer hilfreich. Wenn man aus der für VC-Portfolio-Start-ups geschätzen Erfolgswahrscheinlichkeit eine Erfolgswahrscheinlichkeit für nicht VC-finanzierte Start-ups ableiten wollte, müßte man noch die Verzerrungen berücksichtigen, die dadurch entstehen, dass nur ein sehr kleiner Teil der Start-ups überhaupt eine VC-Finanzierung erhält. Ein Teil der Start-ups erhält (oder braucht) keine VC-Finanzierung, weil die Wachstumschancen nicht groß genug sind. (Häufige Schwelle: Exitpotential >= 50 Mio nach 5 Jahren.) Ein anderer Teil erhält trotz Bedarf keine VC-Finanzierung weil die Idee oder das Team nicht adäquat sind oder der Kapital bzw. Talentmarkt zu intransparent ist. Im Fall des Start-ups, welches allein deshalb nicht VC-finanziert ist, weil es eine “zu kleine” Geschäftsmöglichkeit verfolgt, spricht einiges dafür, dass das Geschäftsrisiko – c.p. – geringer ist. Höhere Wachstumschancen sind mit einem höheren Risiko verbunden, nicht nur weil die Konkurrenz größer ist, sondern weil häufig der Innovationsgrad auch höher ist und der Weg zur Monetarisierung weiter. Ist die Geschäftsmöglichkeit jedoch groß und wachstumsträchtig genug, und trotzdem kommt keine Finanzierung zu Stande, so ist das eines Risiko des Misserfolgs ungleich höher als bei einem VC-finanzierten Start-up, das eine Idee der gleichen Größe verfolgt. Zum einen haben das Team bzw. die Idee nicht den (Kapital)markttest überstanden und sind daher tendenziell schlechter geeignet. Weiteres Risiko entsteht durch das Fehlen der VC-Ressourcen, welche die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen.

Überlegungen zur allgemeinen Erfolgswahrscheinlichkeit von Start-ups sind sicherlich sinnvoll, für jeden der vor der Frage steht ob er gründen soll, oder nicht. Ist die Gründungsentscheidung jedoch bereits getroffen, ist es viel interessanter zu hinterfragen, wie man das Risiko des eigenen Start-ups gezielt minimieren kann bzw. die Chancen in ein gutes Verhältnis zum Risiko bringt.

Einige Start-ups weisen schon aufgrund der zu Grunde liegenden Struktur Ihres Zielmarktes ein systematisch deutlich höheres Risiko als anders struktuturierte Gründungen auf. Wenn man sich die derzeit “heißen” Gründungsthemen auf den deutschen oder auch dem amerikanischen Markt anschaut, scheint dies jedoch nicht allen Unternehmern bewußt zu sein. Um das Risiko schon bei der Ideenauswahl gezielt senken bzw. optimieren zu können, sollte sich zunächst über die unterschiedlichen Risikoarten im Klaren sein, die zum Misserfolg von Start-ups führen können.
In meinen Augen läßt sich für die meisten Internet-Start-ups (vor allem) zwischen 5 Risikofaktoren unterscheiden:

1. Markteintrittsbarrierenrisiko
2. Ressourcenrisiko (insbesondere Finanzmittel, Reichweite)
3. Ideenrisiko
4. Konkurrenzrisiko
5. Teamrisiko

Insbesondere bei Web2.0-Gründungen stellen unterschätzte Markteintrittsbarrieren einen der häufigsten Gründe für den Misserfolg dar. Eine besonders wichtige Stellung unter den Markteintrittsbarrieren nehmen im Internet Netzwerkeffekte ein. So sind beispielsweise viele in den letzten Jahren gestartete Social Networks die – eine gewiße Mindestteilnehmerzahl vorrausgesetzt – durchaus einen Kundennutzen hätten, an der Unterschätzung der Netzwerkeffekte bzw. der nötigen kritischen Teilnehmerzahl gescheitert.

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