Im engen Zusammenhang zum Markteintrittsrisiko steht das Ressourcenrisiko. Eine solide Finanzierung hilft, Durststrecken zu überwinden und dem Start-up die nötige Zeit zu geben sich zu entwickeln. Je weniger Spielraum man bei der eigenen Finanzplanung eingeplant hat, desto mehr Finanzrisiko holt man sich ins Boot. Start-ups, die zum Beispiel über Kooperationspartner auf Medienreichweite zurückgreifen können, senken Ihr Risiko ebenfalls stark und erhöhen die Chance die bestehenden Markteintrittsbarrieren zu überwinden.

Ideenrisiko ist klassisches unternehmerisches Risiko. “Echtes” Unternehmertum im Schumpeter`schen Sinne erfordert es neue Wege in Bezug auf das Endprodukt, den wirtschaftlichen oder technischen Herstellungsprozess oder den anvisierten räumlich/sachlichen Markt zu beschreiten. Die Konsequenzen hiervon lassen sich nur begrenzt abschätzen – daher bringt jegliches Unternehmertum immer ein gewisses Ideenrisiko mit sich. Je innovativer die Idee ist, d.h., in je mehr Dimensionen ein Start-up neue Wege begeht, desto höher ist das Risiko. Innovation in der Technologie verursacht beispielsweise zusätzliches technologieinduziertes Risiko im Vergleich zu Start-ups deren Idee marktgetrieben ist und sich mit bewährten Technologien umsetzen läßt. Ebenso erhöht sich das Ideenrisiko wenn die beschrittenen Wege, besonders weit von den erprobten Pfaden abweichen. Die besten Geschäftsideen sind daher häufig diejenigen, die mit nur geringfügigen Änderungen im Business Modell gegenüber erprobten Konzepten auskommen und trotzdem einen hohen (neuen) Kundennutzen erzielen.

Ein beliebter Weg das Ideenrisiko zu minimieren sind Copycats von erfolgreichen StartUps aus vergleichbaren räumlichen oder sachlichen Märkten. Nationale Copycats greifen auf vollständig erprobte Konzepte zurück – lediglich der räumliche Anwendungsbereich ist “innovativ”. Sofern die Vorraussetzungen international vergleichbar sind, kann somit das Ideenrisiko stark minimiert werden. Gewissermassen stellt die Gründung von Copycats daher ein Arbitrage-Geschäft dar. Wie es von einem Arbitragegeschäft zu erwarten ist, (dessen Natur temporär ist) hat die Attraktivität dieses naheliegenden Schrittes hat jedoch in letzter Zeit in meinen Augen schon etwas nachgelassen. Der Grund dafür liegt darin, dass die interessanten Konzepte in immer kürzerer Zeit immer mehr Wettbewerber angezogen haben. Während Facebook beispielsweise noch deutlich mehr als ein Jahr brauchte um im StudiVZ sein Spiegelbild zu finden, brauchen viele andere Konzepte mittlerweile nur noch 3-6 Monate für den Weg über den Teich.

Unter dem Konkurrenzrisiko verstehe ich das Risiko, das ein Start-up aufgrund (zu) starker Konkurrenz trotz funktionierender Idee scheitert oder zumindest schlecht läuft. Konkurrenzrisiko besteht natürlich grundsätzlich auch bei kreativeren, innovativeren Geschäftsideen. Jedoch ist das Konkurrenzrisiko deutlich geringer, je weniger die Idee einem vorhanden, (erfolgreichen und leicht zu kopierendem) Konzept gleicht. Das gesenkte Ideenrisiko wird deshalb bei Copycats mit einem erhöhten Konkurrenzrisiko erkauft.

Von der Konkurrenz ausgehendes Risiko ist dann besonders bedrohlich, wenn starke Netzwerkeffekte und damit the-winner-takes-it-all Tendenzen auf dem Markt vorliegen. Das Risiko einer totalen Unternehmenspleite ist deshalb auf Märkten mit starken Netzwerkeffekten deutlich höher als auf anders strukturierten Märkten. Beispielsweise wird ein gutes Team in der nötigen Zeit (fast) immer in der Lage sein einen klassischen E-Commerce-Shop zu mittelmäßigem oder guten Erfolg zu führen. Im Netzwerklastigen Bereich der Social Networks oder Kommunikationstechnologien kann oder konnte man jedoch viele gute Teams sehen, die es sehr schwer haben Fuß zu fassen oder schon zu anderen Geschäftsmodellen gewechselt. Sofern das Konkurrenzrisiko hoch ist, kommt deshalb der Ressourcenausstatung (Team, Geld, Reichweite, Reputation…) eine besonders hohe Bedeutung zu. Neben dem professionelleren Scouting kann dies auch als einer der Gründe gesehen werden, warum viele derzeit erfolgreiche Copycats von Serial Entrepreneurs wie Lukasz (z.B. Brands4friends.de), Daniel Grözinger und Sven Schmidt (Verwandt.de) oder den Samwers (Betreut.de) initiert wurden. Zum einen sind diese Serial Entrepreneurs in der Lage den Start-ups die nötigen Ressourcen schnell und unbürokratisch mit auf den Weg zu geben. Zum anderen wirkt die oft rudelartige Präsenz der üblich verdächtigen Investoren mit gutem Track Record auch abschreckend auf potentielle weitere Konkurrenten.

Nicht zuletzt ist auch das Team eine wichtiger (Risiko)-Faktor. Während ein großartiges Team, auch bei hohem Risiko der anderen Faktoren meistens in der Lage ist, gute Ergebnisse zu erzielen, gilt bei einem nicht geeigneten Team das Gegenteil. Hohes Team-Risiko entsteht einerseits wenn einzelnen Team-Mitglieder nicht qualifziert genug für die Aufgabe sind. Andererseits besteht auch die Gefahr, dass ein von den einzelnen Personen her gutes Team einfach nicht miteinander harmoniert oder sich in den Kompetenzen nicht sinnvoll ergänzt.

Je nach Geschäftsmodell sollte man auch rechtliche Risiken und volks- oder weltwirtschaftliche Risiken im Auge behalten…

Zu guter Letzt könnte man noch verleitet sein ein “Ausführungssrisiko” bzw. Exekutionsrisiko mit aufführen zu wollen. Die Qualität der Ausführung hängt jedoch letztlich am Team und daran, wie gut das Team mit den vorhandenen Ressourcen die Geschäftsidee gegenüber der Konkurrenz umsetzen kann.

Fazit:

Es sollte klar geworden sein, dass das Risiko von Start-ups durch die Wahl der Geschäftsidee und die Gründungsstruktur maßgeblich beeinflusst werden kann. Die genaue Kenntnis und Analyse der einzelnen Faktoren des Start-up-Risikos ermöglicht deshalb die gezielte Senkung des Risikos der eigenen unternehmerischen Tätigkeit schon bei der Auswahl der Geschäftsidee. In meinem nächsten Beitrag werde ich deshalb konkrete Vorschläge dazu liefern, wie man das Risiko des eigenen Start-ups schon im Vorfeld durch die richtige Ideenauswahl und Gründungsstruktur senken kann.