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Wird Google+ zum Facebook-Killer?

Welchen Einfluss haben soziale Netzwerke auf SEO? Wie wirken sich Social-Media-Signale auf die SERPs aus? Welche Rolle spielt hierbei die Aktivitätsrate? Und wer hat überhaupt mehr, und vor allem: die aktiveren Nutzer – Facebook oder Google+?

Im Zuge der zunehmenden Verschränkung von Social Media und Web-Suche kommt es teilweise zu Interessenüberschneidungen auf Unternehmensebene. Der Kampf lautet zwar nicht explizit: Facebook vs. Google. Denn beide Konzerne dominieren je einen Markt. Doch das Konfliktpotenzial liegt in der Übereinstimmung derselben Nutzerschnittmenge. Und im Kampf um diese Nutzer – genauer: deren Daten – verfolgen beide Unternehmen eigene Strategien.

Graph Search und Social

Facebook startete ins Jahr 2013 mit der Graph Search – mithilfe derer die Informationen des internen Social Graph aggregiert werden können – aber eben auch nur die. Für die Websuche startete man eine Kooperation mit Bing, deren Nutzen für das Netzwerk von Gründer Mark Zuckerberg jedoch fragwürdig ist, weil die Suchmachine von Googles Erzfeind Microsoft lediglich in den USA ansehnlich performt, Facebook jedoch ein weltweit erfolgreiches Unternehmen ist.

Einen Schritt weiter ist Google. Der Konzern hat seinen Suchmaschinenalgorithmus auf ein extrem hohes Niveau gebracht und bessert durch immer kürzer aufeinanderfolgende Updates ständig nach. War SEO früher reine Keywordoptimierung, geht der Trend (unter anderem) immer weiter Richtung „Brand“, „qualitativem Content/Produkte“ und relevante Verlinkung.

Diese Faktoren sind im Social-Media-Bereich tief verankert. Und genau diesen kann Google bisher „nur“ über das Nutzerverhalten messen und analysiert deshalb umso intensiver. Google hat Daten ohne Ende. Und Google hat Produkte ohne Ende. Was Google jedoch fehlt(e), ist der Social Graph.

Festzuhalten bleibt, dass es beiden Konzernen um die Nutzer – vielmehr um deren Daten geht. Google möchte genausowenig ein Social Network sein wie Facebook eine Web-Suchmaschine.

Google+ und Facebook im Fakten-Vergleich

Googles „neues“ soziales Netzwerk Google+ scheint ganz schön Fahrt aufgenommen zu haben. Doch Google hat ein Problem: Woher die User nehmen, wenn nicht stehlen? Facebook hat schließlich die kritische Masse längst überschritten und die Nutzer haben kaum einen Grund für eine Registrierung, geschweige denn einen Wechsel.

Dennoch ist das Phänomen zu beobachten, dass Google+ tatsächlich zu wachsen scheint. Und zwar rasant, was die Anzahl der registrierten Nutzer betrifft, die sich – laut Google selbst – von Anfang Januar 2012 von 90 Millionen auf angeblich nunmehr 500 Millionen Nutzer in Jahresfrist verfünffacht hat. Zum Vergleich: Facebook hat für die gleiche Entwicklung fast sechs Jahre gebraucht.

Wie groß und einflussreich ist Google+?

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Kann das mit „rechten Dingen“ zugehen? Im Netz jedenfalls herrscht Uneinigkeit. Dass Facebook riesig ist und es vor Aktivität nur so wimmelt – darüber ist sich nahezu die gesamte Netzcommunity einig. Doch an Google+ scheiden sich die Geister. Ist Google+ nun eine Rakete oder doch eine Wüste aus toten Profilen? Täglich gibt es neue und immer wieder utopisch anmutende Zahlen.

Die Kontroverse zu den Aktivitäten bei den sozialen Netzwerken Facebook und Google+ wurde von Searchmetrics untersucht. Der Hauptfokus hierbei lag auf der tatsächlichen Aktivität innerhalb der Netzwerke. Hierzu wurden zwei Fragen gestellt:

1. Wie hoch ist die absolute Zahl an Shares und Likes von Facebook im Verhältnis zu den PlusOnes von Google+?
2. Wie entwickelt sich das Wachstum der Netzwerke?

Grundlage der Analyse ist die von Searchmetrics aggregierte Datenbank von Social Links. In den vergangenen Jahren wurden hierbei insgesamt neun Billionen Social-Links auf aktuell fünf Milliarden verschiedenen URLs gemessen. Da die Daten auch historisch gespeichert werden, war es möglich, das Wachstum von Facebook und Google+ deutschlandweit und auch international zu messen.

Facebook 7,5 mal mehr aktive Nutzer als Google+

Zunächst einmal zu den Fakten, welche die Unternehmen über sich selbst preisgeben. Facebook konstatierte (bereits im September 2012) eine Milliarde aktive Nutzer. Google behauptete Anfang Dezember 2012, es seien bereits 500 Millionen Nutzer upgegradet, davon seien 135 Millionen bei Google+ aktiv. Nähme man die Aktivitäten innerhalb der Google-Produkte Gmail, Maps, Google Play etcetera hinzu, wären es wohl 235 Millionen. Alles in allem sind die Aussagen von Google über die Aktivität und vor allem deren Messbarkeit doch sehr schwammig.

Bleibt also festzuhalten, dass auf Grundlage der Unternehmenszahlen selbst Facebook 7,5 mal mehr aktive Nutzer hat als Google+. Legt man diesem Vergleich die Zahl von circa 2,5 Milliarden Internetnutzern weltweit zugrunde, sind davon circa 40 Prozent aktive Nutzer von Facebook und circa fünf Prozent aktive Nutzer von Google+.

Bleibt die Frage: Wie schnell wächst Google denn nun wirklich und wie aktiv sind diese „aktiven Nutzer“ überhaupt? Und kann man den Zahlen, die Google veröffentlicht, auch nachvollziehen?

Google+: Wachstum von Aktivität und Nutzerzahlen?

Auf Basis der Daten zur prozentualen Entwicklung der Shares und Likes im Vergleich zu den PlusOnes im Jahresverlauf 2012 zeigt sich ein beeindruckendes Wachstum des Neulings. Im Vergleich zum Januar 2012 stieg die Anzahl der PlusOnes im Dezember auf imposante 500 Prozent.

Das ist unerwartet viel! Google+ scheint wirklich einen Raketenstart hinzulegen. Ist das wirklich so?

Abhilfe schafft ein Blick auf die absoluten Zahlen der Shares, Likes und PlusOnes im Monat Dezember 2012 in Deutschland. Nun wird deutlich, wer hier die Social-Media-Hosen anhat – nämlich Facebook. In dem Monat also, in dem Google+ binnen Jahresfrist auf 500 Prozent Aktivität gewachsen ist, gab es rund 400 Millionen PlusOnes, die laut Datenbank in ganz Deutschland gemessen wurden. Hört sich viel an. Doch dem gegenüber stehen rund 32,5 Milliarden Shares und Likes auf Facebook im selben Zeitraum. Das sind im Verhältnis 81 mal mehr Shares und Likes als PlusOnes. Wenn geteilt wird, dann primär über Facebook.

Eine Frage bleibt: Wie viele Nutzer sind denn nun tatsächlich aktiv – und vor allem: Wie aktiv sind sie? Hierzu hat Searchmetrics über die Google+-API eine repräsentative Gruppe von 100.000 zufällig ausgewählten Nutzerprofilen gecrawlt und diese nach Aktivität ausgewertet. Als aktiv gelten Nutzer mit mindestens einem Post auf dem Profil. Zur Analyse wurde sogar das Datum der letzten Aktivität außer Acht gelassen!

Ergebnis: Nur 24,39 Prozent der Nutzer von Google+ hatten überhaupt irgendeine Aktivität auf ihrem Profil in Form eines Posts. Kurz: Nur jeder vierte Nutzer von Google+ hat überhaupt jemals etwas mit seinem Profil gemacht. Der Rest besteht aus toten Profilen.

Traffic auf Facebook, Wüste bei Google+?

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Diese Zahl deckt sich übrigens erstaunlich genau mit den Zahlen, die das Unternehmen selbst veröffentlich hat. 500 Millionen registrierte Nutzer / 135 Millionen aktive Nutzer = 27 Prozent aktive Nutzer. Doch nicht nur die Tatsache, dass nur ein Viertel der User lediglich aktiv ist, sondern obendrein die Erkenntnis, dass diese User vergleichsweise inaktiv sind, überrascht dann doch. Nimmt man bei Facebook hingegen eine Zahl von 1,5 Milliarden registrierten Nutzern an – was schon sehr hoch ist – so beträgt der Anteil der aktiven Nutzer daran immer noch 67 Prozent.

Warum ist das so? Klar ist: Um bei Facebook ein Profil zu erhalten, surft man zu facebook.com und legt ein Profil an. Die Registrierung erfolgt aktiv.

Doch bei Google+ scheint das anders zu sein. Nur eine recht geringe Anzahl an Usern scheint sich aus eigenem Antrieb heraus zu registrieren. Also muss Google handeln. Und Google handelt. Zumindest lässt die hohe Anzahl der Wüstenprofile im Zusammenhang mit anderen Faktoren den Schluss zu, dass viele Internetnutzer zu Google+ „gegangen werden“.

Google: künstliches Wachstum, Facebook: Aktivität

Facebook ist in allen absoluten Zahlen gesehen weiterhin uneinholbarer Social-Media-Marktführer. Google+ dagegen ist zwar wirklich auf einem erstaunlich guten Weg (vor allem in Relation zum Release-Datum) – im prozentualen Wachstumsbereich ist die Entwicklung beeindruckend. Dass diese Tendenz jedoch mit Vorsicht zu genießen ist, zeigen Searchmetrics-Analysen. Was die Aktivität angeht, liegt Google+ Welten hinter Facebook.

Was die Leute jedoch in Googles Netzwerk zieht, sind die Verknüpfungen zu anderen Google-Produkten (die nahezu jeder irgendwie nutzt) – Google macht es einem einfach leicht. Beziehungsweise andersherum gesehen: Google macht es den Nutzern nahezu unmöglich, seine Dienste nicht in Anspruch zu nehmen.

Während Google+ also mehr oder weniger künstlich wächst, ist der Traffic absolut bei Facebook. Google versucht die Allgemeinheit durch immer höhere Nutzerzahlen eher zu blenden.

Was heißt das für SEO?

Dass Social-Media-Signale in Googles Ranking einfließen, hat schon diese Studie zu den Rankingfaktoren im vergangenen Jahr gezeigt. Auch wurde mehrfach bewiesen, dass Google PlusOnes auswertet, um isolierte Inhalte zu indexieren und auffindbar zu machen. Und dass Google eigene Produkte bevorzugt, ist erstens nachvollziehbar und zweitens nachweisbar der Fall (gewesen). Auch der Authorrank, der künftig einen hohen Einfluss auf das Content-Ranking haben könnte, ist Grund genug für viele Marketer, SEOs und Autoren, einen Google+-Account anzulegen und diesen mit ihrem Content oder/und ihrer Website zu verbinden.

Das alles führt dazu, dass Netzaktive den Google+-Kanal nicht nur überhaupt nutzen, sondern diesen auch noch stärker penetrieren. Das erklärt, warum Google+ so beachtlich wächst, aber im Vergleich zu Facebook nur eine geringe Menge an aktiven Nutzern hat.

Für SEO sollte man die Analyse von User- und Social-Signalen sowieso in sein Pflichtprogramm aufnehmen. Da Google seinem Netzwerk Google+ auch weiterhin viel Beachtung schenken wird und die zunehmende Menge an sinnvollen Signalen für guten Content auch als noch stärkerer Rankingfaktor gewertet werden dürfte, bleibt am Ende wie immer nur die Empfehlung, guten Content sowie gute Produkte anzubieten und Social Networks auch als Indikator zu der Frage heranzuziehen, wie relevant Content ist.

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