Twitter, Interne Kommunikation, Internes Twitter, Projektkommunikation, Unternehmens-Twitter, Microblogging, Microblogging-Dienst

Twitter hat sich mittlerweile über die Grenzen von Nerdkreisen hinaus etabliert. Längst ist der Microblogging-Dienst zu einem Kommunikationskanal für Unternehmen geworden. Firmen nutzen Twitter als Verkaufskanal, für Werbung und PR oder zum Teilen von Wissen. Die Vorteile sind vielfältig, wie etwa Kundenbindung sowie eine einfache Vernetzung im Web. Doch inzwischen kommunizieren immer mehr Unternehmen nicht nur nach außen in Kurzform, sondern setzen Microblogs auch in der internen Kommunikation ein. Eine gute Idee?

Wozu ein interner Microblog?

Auch in ein Unternehmens-Microblog “zwitschern” Mitarbeiter Kurznachrichten, nur eben intern und hinter der Firewall. Ein interner Microblog hat vor allem zwei Ziele: Einerseits soll er als Plattform für Nachrichten dienen, die einen gewissen Informationsgehalt und eine vergleichsweise dauerhafte Relevanz haben. Andererseits hat ein Microblog das Potential, die berühmt-berüchtigten E-Mails @all ablösen.

Der Plattform-Charkater eignet sich für kurzfristige Projektneuigkeiten, die für mehrere Personen interessant sind, Ideen, die man kurz vorstellen und mit anderen diskutieren möchte oder aktuelle Statusmeldungen und Termine. Es kommt – so das Ziel – zu einem Austausch wie beim gemeinsamen Mittagessen oder dem kurzen Plausch beim Pausentee, bei dem auch immer geschäftliche Themen eine Rolle spielen: Projektdetails, Ideen und Feedback gehören in jedem Unternehmen zum Flurgespräch dazu. Diese Informationen und diesen Austausch kann man mithilfe eines Microblogs digitalisieren und zentral dokumentieren: In ausgereiften Microblogging-Systemen werden Nachrichten archiviert und sind durchsuchbar, Informationen sind also nicht flüchtig, sondern bleiben dauerhaft erhalten, das Flurgespräch und damit ein wichtiger Teil der Projektkommunikation wird transparent gemacht.

Das E-Mail-Ersatz-Potential steigt mit der Mitarbeiteranzahl. In kleinen Startups mit drei, vier Leuten ist dieses Problem noch nicht so akut, wachst das Unternehmen aber auf zehn, 20 oder noch mehr Mitarbeiter werden An-alle-Nachrichten, die im Endeffekt gar nicht alle etwas angehen, schnell lästig und hinderlich.

Dadurch, dass ein Microblog ein Pull-Medium ist – Nutzer müssen Informationen aktiv holen und bekommen sie nicht unverlangt zugeschickt –, ist ein Microblog deutlich weniger aufdringlich und durch gute Filtermöglichkeiten auch wesentlich effizienter und strukturierter als E-Mails und Telefonate zu nur vermeintlich wichtigen Inhalten. Die Option, einen bestimmten Kollegen auf eine wichtige Information in einer Statusmeldung hinzuweisen, besteht durch eine @-Erwähnung analog zu Twitter weiterhin.

Microblogging im Unternehmen – konkrete Anwendungsfälle

Wie kann ein Microblog nun im Tagesgeschäft zur Anwendung kommen? Ein paar konkrete Beispiele:

  • Statusmeldungen über die eigene Verfügbarkeit: “Ich bin heute den ganzen Tag auf einem Workshop.”
  • Inhalte von An-alle-E-Mails: “Wir bestellen heute beim Italiener. Bitte schreibt hier bis 12:00 Uhr rein, ob und was Ihr essen wollt!”, “Spaß der Woche: Dieses virale Video ist wirklich toll!”
  • Tagegeschäftsinformationen: “Hier hat gerade ein Herr Maier von Firma X angerufen und wünscht Beratung zum Thema Y. Traut sich das jemand von Euch zu und kann hier einen Workshop abhalten?”
  • Interessante und geschäftlich relevante Web-Links: “Seht mal, unser Konkurrent hat ein Projekt abgeschlossen.”, “Das ist ein sehr interessantes Online-Tool, das könnten wir doch mal für uns evaluieren, oder?”
  • Ideensammlung und Austausch: “Wie wär’s eigentlich, wenn wir diese Funktion in unsere Software einbauen? Wäre das nicht ein Mehrwert?”
  • Bessere und “nähere” Kommunikation in virtuellen, räumlich verteilten Teams
  • Optimierung von Qualitätssicherungsprozessen durch Viele-Augen-Prinzip: “Leute, die Funktion AB ist im Beta-Stadium. Neben den systematischen Software-Tests wäre es toll, wenn Ihr als normale Nutzer Euch das ansehen könntet!”
  • Schnell Expertentipps erhalten: “Womit erstelle ich nun am besten das PDF für die Detailansicht, liebe Entwicklerkollegen? Feedback willkommen!”

Warum ist ein Microblog gerade für Startups interessant?

Zunächst ist ein Microblog eine moderne, dynamische, innovative Kommunikationsplattform, die zu modernen, dynamischen, innovativen Unternehmen passt. Doch dass etwas “hip” ist, ist natürlich noch kein Grund, es im Intranet einzusetzen. Das wichtigste Argument: Viele Startups setzen in besonderem Maße auf die Integration und Partizipation der Mitarbeiter und ein Microblog bringt wie ein Firmenwiki die Vorteile von Social Media ins Intranet, insbesondere Kollaboration, Effizienz und Informationstransparenz. Kein Unternehmen – und erst recht kein Startup, das besonders schnell und kurzfristig auf Entwicklungen reagieren muss – kann eigentlich auf ein Plus an Transparenz und Geschwindigkeit verzichten.

Zudem sind in den meisten jungen Unternehmen – gerade im Internet- und IT-Umfeld – die Mitarbeiter den Umgang mit Social Media gewohnt. Die Hürden einer Einführung, Etablierung und Mitarbeiteraktivierung sind also niedrig, sofern das Werkzeug gut integriert und angepasst ist; Stichwörter sind hier Corporate-Design-Anpassung und Single-sign-on

Kriterien an Microblogging-Software

Ausgereifte Microblogging-Systeme bieten zahlreiche interessante Funktionen, die über die reinen Kernfunktionalitäten hinausgehen. Wichtige Kriterien, nach denen man Software evaluieren sollte, sind natürlich Datensicherheit und die Einrichtung als geschlossenes Netzwerk, aber auch beispielsweise eine ausgereifte Suche, persönliche Nutzerprofile, Tagging-Möglichkeiten, eine API, E-Mail-, RSS- und Mobile-Integration, automatische Benachrichtigungen, geschlossene Gruppen, eine Active-Directory-Anbindung und eine gute Usability.

Für den professionellen Einsatz im Unternehmen interessant sind zum Beispiel die Systeme Status.Net, Communote oder Yammer.

Fazit: Effizienz und Produktivität kann durch internes Twitter steigen

Die Etablierung von Microblogging im Unternehmen ist eine kluge, weitsichtige Entscheidung, von der Zusammenarbeit, Qualitätsmanagement, Transparenz und letztlich auch Effizienz und Produktivität profitieren. Professionelle Microblogging-Tools bieten inzwischen zahlreiche erweiterte Funktionalitäten, die auf Unternehmensbedürfnisse abgestimmt sind. Und es dürfte in den wenigsten Fällen verkehrt sein, schnelle und innovative Kommunikationsmöglichkeiten, die sich im Web etabliert haben, auch für den Einsatz im Unternehmen zu evaluieren.