fernsehwerbung

Meine Tante Steffi hielt nie viel vom Internet. Ich erinnere mich gut an ihr abfälliges Gelächter, als mein Onkel uns vor einigen Jahren weismachen wollte, dass im Internet das Potential der Zukunft läge. Die beiden haben sich mittlerweile getrennt. Doch ihren neuen Lebensgefährten Hans, den hat Steffi im Internet gefunden – bei Neu.de. Wie sie das lächerliche Internet nun doch für sich entdeckte? Sie hatte da so einen Werbespot im Fernsehen gesehen…

Internet-Werbung ist zusehends auch im Fernsehen wiederzufinden, obwohl es Werbebanner im Web selbst gibt. Das liegt vor allem daran, dass Reichweite generiert werden soll, die auch auf die bisher nicht so internetaffine Zielgruppen zugreift. Vor allem junge Nutzer sind häufig auf dem neusten Stand, wenn es um angesagte Internetseiten geht. Diese Zielgruppe kann bestens über Werbebanner, social Networks usw. direkt im Internet erreicht werden. Jenseits dessen stellt aber auch die eher fernsehaffine Bevölkerungsschicht aus Sicht junger StartUps spannende neue Adressaten dar. Dies sind häufig ältere Menschen, die lieber gewohnheitsgemäß zur bekannten Fernbedienung greifen als sich an das Neue Medium zu wagen.

Der Online-Brillenanbieter Mister Spex (www.misterspex.de) schaltet seit zirka einem Jahr kontinuierlich bei Sendern wie RTL II, Sat.1, ProSieben oder Kabel 1 Werbung. Und auch wenn ein vierstelliger Betrag für einen 20-sekündigen Spot auf den ersten Blick teuer erscheint, rechnet es sich für Mister Spex. Das Unternehmen wird bekannter, das Vertrauen steigt, es gewinnt mehr Kunden. Und zwar ohne große Streuverluste, da Mister Spex eine breite Zielgruppe anspricht – alle Zuschauer, die (Sonnen-)Brillen oder Kontaktlinsen suchen. Die investitionsintensive Fernsehwerbung kann sich also über den Life-Time-Value eines Kunden in Verbindung mit guten CRM-Maßnahmen rechnen.

„Um im TV erfolgreich zu sein, muss man bestehende Märkte adressieren und ein Produkt haben, das die breite Masse anspricht. Außerdem sind Online-Marketing-Maßnahmen als Grundlage für erfolgreiche TV-Werbung aus unserer Sicht unerlässlich“, rät Mister-Spex-Marketing Leiter Björn Sykora. Eine große Anzahl von Zuschauern interessiert sich für Produktartikel wie Schuhe und Brillen oder will ganz einfach die Liebe ihres Lebens finden. Deshalb werben vor allem Partnerbörsen wie Neu.de, ElitePartner, eDarling und Ecommerce-Seiten wie Zalando, Sneaker-Loft, Myphotobook oder das Auktionshaus Ebay im Fernsehen.

Im Grunde verfolgen all diese Seiten die gleichen Ziele. Auf der einen Seite wollen sie sich mithilfe von TV-Werbung langfristig einen starken Namen machen, indem sie auf Branding setzen. Dabei wird viel Geld in Werbung investiert, von dem nicht erwartet wird, dass es sich unmittelbar zurückzahlt. Ziel ist es viel mehr, der Site ein Profil zu geben, sie generell bekannter zu machen und somit dauerhaft Kunden zu binden.

Auf der anderen Seite erhoffen sich vor allem noch eher unbekannte Seiten, sich von der Masse der StartUps abzuheben und schnell zu skalieren. Das in Fernseh-Spots investierte Geld soll hier möglichst nach dem Return-on-Investment-Prinzip durch neue User gleich wieder hereinkommen. Eine Methode zur Messung des Erfolgs von Fernsehkampagnen ist es, Internetadressen im Fernsehen auf “.tv” anstatt “.de” oder “.com” enden zu lassen. Somit können die Website-Betreiber einschätzen, wie viele Besucher durch das Fernsehen und wie viele durch andere Quellen auf ihre Seite aufmerksam geworden sind.

Fernsehwerbung gewinnt besonders seit Ende des Krisenjahres 2009 an Attraktivität. Weil den Sendern Werbekunden abspringen, stehen zu unterschiedlichen Zeiten günstige Restplätze zur Verfügung. Auch Mediadeals gehören bereits zum Standard. Dabei erhalten Fernsehsender Anteile an einem StartUp und vergeben dafür kostengünstig Werbeplätze. Auf dieser Basis wirbt etwa Pro Sieben für die Lokalisten oder RTL für Wer-kennt-wen.

Doch nicht nur das Internet leistet sich nun das alte Medium Fernsehen. Umgekehrt sind auch die „klassischen Medien“ immer stärker dabei, in die „neuen Medien“ vorzudringen. Die Möglichkeiten des Internet und die Mobilität des Handys werden nicht außer Acht gelassen und so gehören auch iPhone-Apps der Tagesschau oder der Süddeutschen zu der um sich greifenden Medienkonvergenz. Zu diesem Thema sind natürlich alle Gründerszene-Leser herzlich aufgerufen,  auch ein paar ansehnliche Beispiele für Internet-Fernsehwerbung via Kommentar zu posten.

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