Krise! Na toll, gerade erst haben wir die Finanzkrise hinter uns gelassen, schon stecken wir in der nächsten – und dies nicht erst seit kurzem, sondern schon seit Jahren. Die Link-Liquidity-Crisis (LLC): Jeder braucht Backlinks, keiner will sie hergeben. Es sind zu wenige Links am Markt. Diese Krise, hervorgerufen durch online nicht skalierbares “Competitive-Thinking” aus der Offline-Wirtschaft, zusammen mit einem falschen Verständnis, wie Google und wie der User funktioniert, schadet dem eigenen Web-Business, sogar dem Marktsegment in dem man tätig ist und schlußendlich auch dem gesamten Internet. Ach ja, und macht uns alle noch abhängiger vom Traffic-Zulieferer-Monopol Google. Also bitte hört auf, euch Sorgen zu machen und verlinkt euren direkten Mitbewerber – es macht Sinn in jedem Szenario.

In der Suchmaschinenoptimierung (SEO), sind Backlinks (Links von anderen Webseiten zum eigenen Property) der mit weitem Vorsprung wichtigste Performancefaktor und damit die wichtigste Währung in der Google-Economy für den Erfolg der eigenen Webseite. Hat man die SEO-Basics seiner eignen Seite erst einmal gefixt, geht es im Grunde nur noch um einse: Backlinks, Backlinks, Backlinks. Und hier beginnt das Problem. Wertvolle kommerzielle Websites mit Millionen von wertvollen Pages sind nicht bereit, Backlinks zu geben. Sie machen es einfach nicht. Stattdessen ist man gezwungen, Bloggern (kleine Websites welche es über Jahre geschafft haben, sich einen gewissen Wert zu erarbeiten) Mails mit “verlinkt mich doch bla bla bla” zu schreiben. Diese Bettel-Mails nerven jeden, nicht nur die Empfänger, sondern auch die Firmen, welche sie in Auftrag geben müssen. Es gibt eine ganze Industrie von SEO/Marketing/PR-Agenturen welche sich auf diese Art von Linkbait (in wenig bis mehr kreativen Iterationen) spezialisiert hat. Sie sind die Nutznießer der Link-Liquidity-Crisis – Firmen und Blogger hingegen die Verlierer.

Irrungen zum PageRank und andere Gründe zur Link-Verweigerung

Die Antworten auf diese Frage fallen immer in drei Kategorien.

  • PageRank
  • Die Webseiten-Betreiber wollen die eigene Konkurrenz nicht stärken.
  • Die Webseiten-Betreiber wollen den User nicht verlieren.

Von PageRank und Linkwertigkeiten

Die schrecklichste Antwort ist PageRank. Viele, verdammt viele (von CEOs über CTOs zu SEOs) glauben, dass der PageRank ein wichtiger Rankingfaktor für Google ist, welche in Form eines grünen Balkens in der Google Toolbar an uns kommuniziert wird. Das ist falsch, der PageRank ist Gedankenkrebs! Es gibt zwei Arten von PageRank-Patienten: Die einen, die glauben, eine Webseite verliert an PageRank, wenn sie auf eine andere Seite verlinkt (etwas das nie jemand behauptet hat) und die anderen, die glauben, dass ein Teil des “PageRanks aus dem System genommen wird” (wobei “System” eine Meta-, ja beinahe schon esoterische Definition der eigenen Website ist), wenn eine Website eine andere verlinkt. Dieses Denken führt schlussendlich zu dem Rückschluss “wer linkt, verliert” – sinnvolle Partnerschaften, Kooperationen und Links werden damit verunmöglicht.

Google hat schon vor Jahren den PageRank aufgegeben, auch weil sie erkannt haben, dass dieses Denken schlußendlich dazu führen würde, dass niemand mehr auf irgendjemanden verlinken kann, weil er befürchten muss, zu verlieren. Ohne Links würde sich aber für Google die Möglichkeit, das Web zu erforschen und zu bewerten in virtuelle Luft auflösen. Deswegen: Jeder Link hat a-priori einen Wert. Ein Link verteilt nicht nur Wert, jeder Link hat einen Eigen-Wert, jeder Link erhöht den Wert des Netzwerkes, jeder Link erhöht den Wert des Internets. Dieser Link-Wert wird für die Beurteilung der Website von Google miteinbezogen. Links sind toll.

Google ist nicht dumm und hat das Jeder-Link-Prinzip etwas verfeinert. Nicht jeder Link hat einen Wert, aber jeder Link von dem Google annimmt, dass er Wert für den Nutzer hat, hat einen Wert. Wie Google bestimmt, welcher Link für den Nutzer sinnvoll ist oder nicht – only Google knows. Aber man sollte Google nie unterschätzen, Google kann zwischen Links für den User, und Links des Links wegen unterscheiden. In SEO-Kreisen wird dies oft “Good-Neighborhood”-Links genannt. Einfach zusammengefasst: Unspammy und sinnvolle Links sind toll, just do it!

“Wir wollen die Competition nicht stärken”

Die eigene Konkurrenz nicht stärken zu wollen, ist ein weit verbreiteter und gefährlicher Einwand. Einerseits ist der Mitbewerber-Begriff meist sehr weit gefasst (alle Anderen im Internet bzw. alle Anderen im gleichen Marktsegment), was sinnvolle Verlinkung verunmöglicht. Einem muss man sich bewusst sein: Der minikompetative Nachteil welcher eventuell durch einen Backlink auf die Landingpages eine Mitbewerbers entsteht, ist nichts im Vergleich zu dem generellen positiven Impact der Links…

  • …für das eigenen Webproperty,
  • …die eigenen User,
  • …das Marktsegment in den man tätig ist,
  • …und das Internet im ganzen.

Der Konkurrenz helfen? Na und, wer überall nur Feinde sieht hat keine Freunde. Und wer seiner Nische hilft, hilft sich selbst.

“Wir wollen den User nicht verlieren”

Ok, hier ist eine weitere Wahrheit die niemand hören will: In den meisten Fällen habt ihr den User schon verloren. Wie hoch ist euere Conversion-Rate? Zwei Prozent? Zwölf Prozent? Selbst bei einer Conversion-Rate von zwölf Prozent habt ihr die Nutzer zu 88 Prozent verloren. Es ist eine weit verbreitete und gefährliche Illusion zu glauben, dass man den User durch “nicht verlinken” länger halten kann. Die meisten Nutzer  hat man schon verloren. Aber man kann mitreden wohin man sie verliert.

Die Rückeroberung des Navigation-Layer

Jeder User ist nur einen Klick von Google entfernt. Immer. Über Google erreicht der Nutzer die Konkurrenz – oder noch schlimmer: verlässt das Marktsegment, springt in die nächste Nische. Damit hat nun endgültig jeder verloren, jeder außer Google. Google hat ein Monopol über den weltweiten Website-Traffic. Jede Webseite, die nicht mindestens 70 Prozent des Traffics über Google erhält, unterperformt – und die Wahrheit liegt meist bei 90 Prozent plus). Google ist die Navigation über das gesamte Internet und das mit Recht. Die meisten Webseiten sind einfach Einbahnstraßen für das was der User wirklich will. Jede kommerzielle Webseite hängt am Gängelband von Google und keine Änderung in Sicht. Und ich kenne keine Firma, die SEO kapiert hat, welche glücklich drüber ist. Jede Zuckung des Google-Traffics wird mit Sorge betrachtet.

Die Lösung: Umdenken. Jeder Webseitenbetreiber sollte mehr zu Seiten verlinken, welche den User wirklich Interessieren könnten (a.k.a. Mitbewerber) und es dem User-Traffic leichter machen, von einer Website zur nächsten zu gelangen, ohne eine neue Suche auf Google abzusetzen. Im Gegenzug bleibt der Nutzer länger im gleichen Marktsegment – mehr Möglichkeiten, dort sein Geld (oder worauf immer man es abgesehen hat) zu lassen.

Ein netter Nebeneffekt: Es sind nicht nur mehr glücklichere Nutzer unterwegs, sondern auch mehr Links am Markt. SEOler müssen so weniger Bloggern für einen simplen Link hinterherrennen und haben die Möglichkeit, mehr Ressourcen auf ihr Produkt zu fokussieren. Links sind toll und das Beste: Wir sitzen alle auf kleinen Link-Notenbanken, kleinen Link-Produktions-Maschinen, mit welchen wir gemeinsam die Link-Liquidity-Crisis hinter uns lassen können. Geben ist mutiger als nehmen! Es braucht mutige StartUps um die LLC hinter uns zu lassen.

Artikel zum Thema Suchmaschinenoptimierung (SEO):

Über den Autor Franz Enzenhofer:

Franz Enzenhofer ist seit kurzem der neue SEO Manager von Tupalo.com. Davor war er SEO-Experte bei, Venture-Capital-StartUp Factory i5invest, wo er 123people, Tripwolf, Dealhamster und andere Webunternehmen beriet. Weitere Stationen von Franz waren bwin, APA Austria Press Agency und zwischendurch verschiedene Agenturen und Projekte. Insgesamt ist er seit zwölf Jahren aktiv darin, das Internet (besonders den österreichischen Teil) zu verändern.

Bildmaterial: mconnors
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