Linkkauf, SEO, Linktausch

Jedes Startup, dass Traffic über Suchmaschinen bekommen möchte, stellt sich früher oder später die Frage: „Sollen wir Links kaufen?“ Die SEO-Experten Andreas Graap und Frank Doerr beleuchten die Vor- und Nachteile des Linkkaufs und weisen auf Risiken hin.

Sind gekaufte Links überhaupt notwendig?

In hoch kompetitiven Bereichen ist es fast nicht mehr möglich gute Suchmaschinen-Platzierung zu erreichen, ohne Links zu kaufen oder zu mieten. Unter anderem, weil ein Großteil der Konkurrenz auch Links kauft und mietet. Wie sagte Jim Boykin, der CEO von We Build Pages (www.webuildpages.com) bei der PubCon Las Vegas 2011: „Wenn du keine Links kaufst, hast du keine Chance beim Shorthead.“

In Geschäftsfeldern mit weniger Wettbewerb können Unternehmen allerdings durchaus auskommen, ohne Links zu kaufen. Ihnen stellt sich die Frage, wie schnell sie wachsen möchten. Beim Wachstum können gekaufte Links für einen Boost sorgen.

Was muss beim Linkkauf beachtet werden?

Der Linkkauf oder die Linkmiete zur Suchmaschinenoptimierung verstößt gegen die Richtlinien von Google, das heißt Untenehmen begeben sich auf dünnes Eis. Ohne erfahrene Hilfe sollte der Linkkauf nicht gewagt werden – sonst droht früher oder später der Einbruch.

Wesentlich ist die Linkpositionierung auf der Website. Die Links sollten nicht offensichtlich als gekaufte Links identifiziert werden können. Handelt es sich um Footerlinks oder Links aus Boxen in der Sidebar mit Überschriften wie „Linktipps“ oder „Surftipps“? Dann sind diese Links mit hoher Wahrscheinlichkeit gekaufte Links. Wenn diese Links auch noch zu thematisch unterschiedlichen Websites gehen: Finger  weg! Selbst mit einfachen technischen Mitteln ist es möglich, die Position und die verschiedenen Themen zu ermitteln. Google erkennt den Linkkauf.

Den optimalen Link kaufen

Der optimale Link kommt aus dem Fließtext eines neuen Artikels. Bei der Verlinkung gibt es einige Punkte zu beachten:

  1. Warum ein neuer Artikel? Ganz einfach: Wie wahrscheinlich ist es, dass auf einem Artikel, der schon mehrere Monate online ist, nachträglich noch ein Link auf einem Keyword eingefügt wird, ohne etwas am Text zu ändern? Genau, sehr unwahrscheinlich. Und damit ein klares Indiz für einen gekauften Link.
  2. Die Verlinkung sollte natürlich wirken. Das bedeutet, dass nicht immer nur das Haupt-Keyword, verlinkt werden sollte. Vielmehr sind viele Varianten des Keywords und thematisch passender Keywords, aber auch kurze Phrasen, die das Keyword enthalten, sinnvoll. Andernfalls kann es passieren, dass sehr schnell ein Google Filter zuschlägt, weil der Ankertext zu häufig verwendet wird.
  3. Thematisch sollte der Artikel sowohl zu der Website passen, auf der er veröffentlicht wird, als auch zum Thema der Website, auf die er verlinkt. So lässt sich ein Link auf fast jeder Website thematisch passend unterbringen. Es entsteht eine Crossrelevanz. Beispiel: Auf einer Reise-Website könnte der Link zu einer Auto-Website in einem Artikel untergebracht werden, der die schönsten Urlaubsziele auflistet, die per Auto zu erreichen sind.
  4. Damit der Artikel – und somit der darin enthaltene Link – möglichst natürlich wirkt, werden weitere Links eingefügt. Diese Links sollten sowohl zu internen Seiten, als auch zu externen, vertrauenswürdigen Ressourcen mit weiterführenden Informationen zeigen.

 

Wenn beim Schreiben des Artikels der Mehrwert für den Besucher zählt, handelt es sich um einen sehr guten gekauften Link, der schwierig zu identifizieren ist. Es ist sogar Ziel von Google, gute Artikel mit weiterführenden Links im Index zu haben.

Das Timing für den Linkaufbau ist wichtig

Nicht unbeachtet darf der Veröffentlichungszeitpunkt der Artikel bleiben. Es zählt der kontinuierliche Linkaufbau. 100 neue Links aus Artikeln innerhalb von wenigen Tagen sind meist kontraproduktiv. Besser:  Links auf einen gewissen Zeitraum verteilen. Über welchen Zeitraum, hängt von den weiteren Linkaufbau-Maßnahmen ab. Je weniger das Unternehmen macht, desto länger sollte der Zeitraum sein.

Wirklich hochwertige Linkplätze sind Unterseiten, die für den Kunden themenrelevant erstellt wurden. Diese werden Presellpages genannt und verlinken direkt von der Startseite oder Hauptnavigation.

Ähnlich zu betrachten sind Sponsored Blogposts, die allerdings meist in der Hierarchie nach unten wandern – je nach Postingfrequenz des jeweiligen Blogs. Sorgt der Verkäufer dafür, dass sie dennoch weiterhin direkt von der Startseite oder Navigation aus stark verlinkt bleiben, können die Blogposts als Presellpages bezeichnet werden.

Gute Domains erhöhen die Chancen beim Linkkauf

Wesentlich für die Qualität des Links ist auch die Domain, auf welcher der Artikel veröffentlicht wird. Erstes Bewertungskriterium sollte der gesunde Menschenverstand sein. Handelt es sich um eine optisch ansprechende, gepflegte Website? Oder sind auf den ersten Blick schon ein Standard-Layout mit zwei kurzen Texten, womöglich zu Themen wie Finanzen, Versicherungen und DSL zu sehen? In diesem Fall sollte Abstand von einem Linkkauf genommen werden. Weitere Qualitätsmerkmale beziehen sich auf Art und Umfang der Backlinks.

Hat die Domain einen PageRank? Wie viele Backlinks und von wie vielen verschiedenen Domains und IP-Adressen kommen die Backlinks? Sind es thematisch passende Backlinks, oder viele aus Social Bookmark Plattformen, Foren und Artikelverzeichnissen? Aus welchen Ländern kommen die Backlinks? Gibt es vertrauensvolle Websites, die auf die Domain verlinken? Das sind alles Fragen, die vorab geprüft werden sollten. Eine erste Schnellbewertung kann bei Angron (www.angron.de) durchgeführt werden.

Wo lassen sich Links kaufen?

In den vergangen Monaten drängten immer mehr Linkhändler auf den Markt, die Linkverkauf über den Einbau von Scripten anbieten. Klingt easy, ist aber leicht erkennbar. Deshalb die klare Empfehlung für Käufer und Verkäufer: Finger weg!

Es gibt einige öffentliche Plattformen und Foren in denen Links – meist zur Miete – angeboten werden. Gute Angebote gibts dort allerdings nicht. Da der Kauf von Links gegen die Webmaster Richtlinien von Google verstößt, operieren die meisten Anbieter weitgehend unter dem Radar – zum Interesse der eigenen Seiten und der Linkkäufer. Denn beide wollen nicht auffliegen. Viel läuft über persönliche Empfehlungen oder Agenturen, die die entsprechenden Kontakte haben. Für seriöse Interessenten haben die Autoren hier sicherlich einige Insider-Tipps parat.

Startups können aber auch selbst nach potentiell passenden Seiten recherchieren und diese anschreiben. Empfohlen werden individuelle E-Mails und keine Massenmails. Auch das Linkkauf-Interesse sollte nicht in der ersten Mail erwähnt werden.  Eine Gratwanderung, die diplomatisches Geschick verlangt: Einerseits möchte sich niemand gleich als Linkkäufer outen und so zum Beispiel der Konkurrenz einen stichhaltigen Beweis liefern, um bei Google „verpetzt“ zu werden.  Anderseits muss das Unternehmen deutlich machen, dass es Offerten jenseits von Linktausch offen gegenüber steht.

Was kostet Linkkauf?

Natürlich bestimmen auch beim Linkkauf Angebot und Nachfrage den Preis. Zum einen gibt es ein steigendes Angebot an Linkquellen. Zum anderen ist die Nachfrage aufgrund der Bedeutung von Backlinks und der Steuermöglichkeiten bei gekauften Links hoch. Zwischenfälle wie das Bloggergate haben aber gezeigt, dass der direkte Vertrieb über einzelne Blogger ein Risiko darstellen kann, so dass reine Blog-Vermittler oder kleine Blogger eher kritisch gesehen werden müssen. Die Preise werden, ebenso wie das Angebot, nicht öffentlich kommuniziert.

Beim Linkkauf wird ein einmaliger, höherer Betrag gezahlt, typisch vor allem bei sponsored Blogposts. Der Vorteil liegt in der sofortigen Abrechnung ohne weitere Verpflichtungen von Käuferseite. Linkmieten kosten hingegen weniger, müssen aber dauerhaft gezahlt werden. Der Vorteil liegt für den Käufer in besserem Service und höherer Flexibilität. So sind beispielsweise Umbuchungen möglich, wenn sich Linkziel oder Ankertext ändern. Beides rechnet sich gegenüber Investitionen in organischen Linkaufbau besonders für Startups mit schnellen Exit-Plänen, SEO-Agenturen und bei umkämpften Money-Keywords.

Presellpages auf guten Domains (Startseite mit natürlichem – nicht künstlich erzeugtem – PageRank vier oder fünf kosten rund 300 Euro einmalig oder 25 Euro monatlich. Sponsored Blogposts, die nach unten wandern, sind deutlich günstiger  – vor allem von Bloggern, die den Verkauf nicht professionell betreiben.

Fazit: Das Risiko beim Linkkauf kann minimiert werden

Der Linkkauf kann ein sehr effektives Mittel bei der Suchmaschinenoptimierung sein. Durch die richtigen Maßnahmen lässt sich das Risiko wesentlich minimieren, jedoch nicht ausschließen. In den USA gibt es einige prominente „Linkkauf-Opfer“ wie JC Penney (www.jcpenney.com). In Deutschland ist bisher noch kein Fall so prominent geworden. JC Penney machte viele Fehler, die jeder, der diesen Artikel gelesen hat, vermeiden kann (extrem schneller Aufbau über viele Links mit schlechter Qualität).

Co-Autor:

SEO, Linkkauf, Linktausch, Frank DoerrFrank Doerr aka Loewenherz gilt als einer der bekanntesten Suchmaschinenoptimierer im deutschsprachigen Raum und betreibt mit www.seo-scene.de einen renommierten Blog. Er trifft sich regelmäßig mit anderen Köpfen der Szene und organisiert zusammen mit Jens Fauldraht, Head of SEO der Deutschen Telekom, Fortbildungstreffen für SEOs im Rhein-Main-Gebiet. Dazu zeichnet er sich für die Dokumentation der SISTRIX-Tools verantwortlich, den führenden SEO Analyse Tools in Deutschland, und hält Fachvorträge in Unternehmernetzwerken wie auch auf SEO-Veranstaltungen wie der SEO Campixx in Berlin. Aktuell in Arbeit ist die Gründung einer neuen SEO-Agentur im Bereich Linkbildung mit neuen SEO-Tools, welche es in dieser Form noch nicht auf dem Markt gibt.

Bildmaterial: Ppdigital