Online-Marketing-trends, Facebook, Google, Twitter, Apple

Nachdem Google und Facebook das Online-Marketing-Geschehen 2011 klar dominierten – was bringt 2012 für Trends im Online-Marketing?

Anzeigenschlacht: Google versus Facebook

Auf den ersten Blick sind in der Google-Facebook-Schlacht um Anzeigeneinnahmen und Social-Media-Dominanz noch einige Rechnungen offen: Wann überarbeitet Facebook seine Seiten, um optisch und funktional mit den Unternehmensseiten bei Google+ mithalten zu können? Wie wird der öffentliche Launch der neuen Timeline für Facebook-Profile die Nutzung des sozialen Netzwerks beeinflussen? Wird es Google+ schaffen, die zahlreichen angemeldeten Nutzer auch zu aktivieren und für mehr Bewegung auf der Plattform zu sorgen? Und, last but not least eine Frage, die alle Suchmaschinenoptimierer brennend interessiert: Wie stark werden die sozialen Einflüsse auf den Google-Algorithmus in 2012 werden – führt bei der Suchmaschinenoptimierung bald kein Weg mehr an Google+ Unternehmensseiten und +1 Buttons vorbei?

Während Google also vor allem vor der Herausforderung steht, sein Netzwerk mit Leben zu füllen und in die Gesamtstrategie zu integrieren, muss Facebook mit Features und technischen Details nachlegen. Die Datenschutzbeauftragten in verschiedenen Ländern und vor allem auch in Deutschland sitzen Facebook im Nacken, die Benutzer- und Rechteverwaltung transparenter und einfacher zu gestalten. Viele Nutzer sind von der Vielzahl der Einstellungsmöglichkeiten schlichtweg überfordert und nutzen die Standardeinstellungen, die nach wie vor häufig eher mehr preisgeben als einem vielleicht lieb ist.

Wer hat das bessere System?

Auch im Anzeigenbereich hat sich bei Facebook 2011 zwar viel getan, dennoch mutet das ganze System gelegentlich wie ein sehr groß angelegter Beta-Test an. Das fängt bei den sehr eingeschränkten Zahlungsmöglichkeiten an, setzt sich bei den nur täglich erhältlichen Rechnungen fort (die schon halbe Buchhaltungsabteilungen in den Wahnsinn getrieben haben) und endet in der sehr restriktiven Herausgabe der Facebook-Anzeigen-API, was dazu führt, dass nur sehr wenige Drittanbieter-Tools dafür zu finden sind. Kampagnen- und Bidmanagement von großen Facebook-Kampagnen ist somit mühsam und zeitaufwändig und dürfte viele Anzeigenkunden ein Stück weit abschrecken.

Parallel dazu entwickelt Google sein Adwords-System und auch das Display-Netzwerk momentan in rasantem Tempo weiter, was sich auch 2012 so fortsetzen dürfte. Im Bereich der Suchanzeigen geht der Trend ganz klar in Richtung integriertes Bid-Management und Automatisierung. Das ermöglicht zum einen zunehmend das Management von großen und komplexen Kampagnen ohne den Einsatz von Drittanbieter-Tools, was dieses Marktsegment sicherlich ein wenig in Bedrängnis bringen wird. Zum anderen ermöglicht zum Beispiel Adwords Express das schnelle Aufsetzen von kleinen Kampagnen durch völlig unerfahrene Nutzer, die damit zum Beispiel ihren Friseursalon oder ihr Restaurant bewerben wollen. Auch diese Zielgruppe wird Google 2012 sicherlich weiter umwerben, wobei auch der lokale bzw. regionale Kontext eine große Rolle spielen dürfte.

Kampagnen-Tracking ist enorm wichtig

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Im Display Bereich werden die Targeting-Möglichkeiten immer weiter verfeinert, was zum einen den klassischen Online Vermarktern und Media-Agenturen Budgets abgräbt, zum anderen aber auch neue Zielgruppen für Bannerkampagnen erschließt – viele performance-orientierte Adwords-Nutzer ergänzen mittlerweile ihre Kampagnen um Display-Elemente oder kombinieren diese mit Remarketing. Bei den “klassischen” Online-Branding-Budgets großer Marken und Firmen hingegen wird auch 2012 die Abrechnung auf Klickpreis-Basis bei Google häufig noch als Neuigkeit gelten, wenn man sich die fantastischen TKPs ansieht, die viele Vermarkter nach wie vor einnehmen. Der Google Adplanner (ehemals Doubleclick) wird weiterhin erweitert und optimiert und entwickelt sich immer mehr zum vollwertigen Planungs- und Umsetzungstool für Display-Kampagnen. Hier ist Google 2011 schon einen großen Schritt vorangekommen und setzt diesen Kurs 2012 ganz klar fort.

Ein Dauerbrenner-Thema der Online-Branche ist das Tracking von Kampagnen und Besuchern und die Perfomance-Messung. Gerade im Bereich Affiliate Marketing setzt sich diese Diskussion unvermindert fort, wobei nach wie vor keine wirklich übergreifenden Lösungsansätze zu erkennen sind. Auch hier hat wiederum Google mit Analytics den Fuß in der Tür, da die Features des kostenlosen Tools immer weiter aufgestockt werden und mittlerweile mit kanalübergreifender Umsatzanalyse und Echtzeit-Tracking aufwarten können. Für den ambitionierten Nutzer sind damit heute schon sehr detaillierte Analysen möglich.

Schicksalsjahr für Social Networks?

Um noch einmal den Schwenk zu den Social-Media-Themen zu machen: 2012 dürfte für eine Reihe von sozialen Netzwerken ein Schicksalsjahr werden: Können die VZ-Netzwerke mit dem kürzlich erfolgten Relaunch die erdrutschartige Abwanderung der Nutzer zu Facebook stoppen? Wird sich bei den Business-Netzwerken Xing gegen den international starken Konkurrenten LinkedIn behaupten können oder Marktanteile abgeben müssen, wenn dieser weiter in den deutschen Markt eindringt? Auch Twitter sollten wir im Auge behalten: Während 2011 zum größten Teil nur der Status Quo verwaltet wurde und in Deutschland die Nutzerzahlen eher schrumpften, stehen mit den kürzlich eingeführten Twitter-Anzeigen und dem neuen Twitter-Profil, das derzeit im Beta-Test ist, die Zeichen auf ein echtes Geschäftsmodell.

Damit könnte Twitter sich wieder einen klar definierten Platz in der Social-Media-Landschaft schaffen und sich von anderen Netzwerken abgrenzen – oder endgültig an Bedeutung verlieren, wenn das nicht gelingt.

Mobile-Marketing-Hype

Zum spannenden Thema dürfte sich 2012 auch das Mobile-Marketing entwickeln. In Zusammenspiel mit Location-Based-Services und dem Dauerbrenner Gutscheine ist zu erwarten, dass im kommenden Jahr die Nutzungszahlen deutlich ansteigen. Obwohl das Thema Mobile seit Jahren heraufbeschworen wird, ist es für viele Themen in der Marketing-Praxis nach wie vor nicht annähernd von gleicher Bedeutung wie andere Kanäle. Das hängt zum einen mit der deutschen Skepsis gegenüber Internetdiensten zusammen, die zum Beispiel in den USA bereits auf breite Akzeptanz stoßen, zum anderen auch mit den technischen Voraussetzungen. Erst jetzt erreicht die Smartphone-Dichte eine Größenordung, bei der viele Geschäftsmodelle funktionieren können. Da auch Facebook und Google immer aktiver im Bereich Location-Based-Services werden – häufig in Kombination mit Gutschein-Modellen – dürfte dies die Entwicklung 2012 weiter vorantreiben.

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Gutscheinanbieter, allen voran Groupon, müssen im kommenden Jahr beweisen, dass ihr Geschäftsmodell tatsächlich nachhaltig und nicht nur ein Strohfeuer ist. Werden die Nutzer auch 2012 in großem Stil Gutscheine kaufen und können Unternehmen es sich leisten, diese dauerhaft als Werbemittel einzusetzen? Es ist damit zu rechnen, dass die Modelle etwas verfeinert werden, um das doch recht simple Grundprinzip abwechslungsreicher zu gestalten. Dennoch stellt sich grundsätzlich die Frage – ebenso im Affiliate Marketing – nach der Bewertung von Gutscheinen als Online-Marketing-Methode.

Insgesamt erwarten wir auch 2012 wieder ein spannendes Online-Marketing-Jahr mit einer ähnlichen Innovationsgeschwindigkeit wie 2011. Die großen Player haben genügend Mittel, um dieses Tempo weiter durchzuhalten, und kleine, innovative Anbieter finden derzeit ohne größere Probleme das nötige Kapital, um ihre Ideen voranzubringen.

Bild: mattbuchanan on Flickr