Reputation-Management: Warum Reputation wichtig für Existenzgründer ist
Gerade in der extrem schnelllebigen Internet- und Gründerszene lohnt es sich, ab und zu auch mal ein paar längerfristige Gedanken zur Ausschöpfung des eigenen Erfolgspotenzials als Unternehmer aufzuwerfen. StartUps benötigen bis zum (erfolgreichen oder unfreiwilligen) Exit nur wenige Jahre. Was aber langfristig bleibt und zählt sind die Unternehmer dahinter – das Stichwort: Reputation-Management.

Ihr zukünftiges Erfolgspotential hängt in höchstem Maße davon ab, welche Reputation sie heute und gestern durch ihr Verhalten aufgebaut haben. Eine hohe Reputation ermöglicht die Zusammenarbeit mit talentierten Mitgründern und Mitarbeitern, hilft in Investorengesprächen und erleichtert das Eingehen von anderen zwischenmenschlichen und -betrieblichen Kooperationen. Soweit gilt dies selbstverständlich für jegliche Branchen und Wirtschaftsbereiche.
Es gibt jedoch einige Gründe warum Reputation-Management insbesondere für Gründer im Internet-Business (und anderen dynamischen und vernetzten Branchen) besonders wichtig ist und in Zukunft noch deutlich wichtiger werden wird. Der Aufbau von Reputation sollte daher für jeden Gründer höchste Priorität haben. Bevor ich hierauf zurückkomme, folgen einige grundlegende Überlegungen zu Reputation und Reputation-Management.
Was ist Reputation?
Reputation ist kein Konstrukt des Internetzeitalters und auch keine Erfindung der Gründerszene, sondern blickt unter den Bezeichnungen “Ruf” oder “Ehre” in verwandten Bedeutungen auf eine lange Vergangenheit zurück. Während der “gute Ruf” oder die “Ehre” aber zu nicht unbedeutenden Teilen von unbeeinflussbaren Faktoren wie der Familienherkunft etc. abhängen, ist Reputation etwas, das man sich vor allem selbst erarbeiten kann (und muss). Reputation-Management passt daher ziemlich gut zum Konzept des Unternehmertums. Reputation kann sowohl auf einzelne Personen oder Unternehmen bzw. Marken bezogen werden. Zu Markenreputation ist schon viel geschrieben worden – hier interessiert vor allem die persönliche Reputation des Unternehmers. Aus meiner Sicht speist sich Reputation vor allem aus zwei grundsätzlichen Quellen: Vertrauenswürdigkeit und Kompetenz.
Eine hohe Vertrauenswürdigkeit erwirbt man sich als Unternehmer durch Fairness bzw. dadurch, dass man auf die Realisierung kurzfristiger eigener Vorteile zum Schaden seiner Partner verzichtet und Wort hält. Eine hohe Reputation im Hinblick auf die eigene Kompetenz erwirbt man sich durch Erfolge und die Erfüllung von Erwartungen. Die Vertrauenswürdigkeit eines Gründers ist eher eine allgemeine Frage der Geschäftseinstellung und Persönlichkeit und lässt sich daher leichter von einem Sachverhalt auf einen anderen übertragen. Kompetenzen sind stärker mit einem bestimmten Fachgebiet oder spezifischen Persönlichkeitsmerkmalen verknüpft.
Um die Reputation potentieller Partner zu screenen, kann zum Beispiel auf Google oder gemeinsame Kontakte zurückgegriffen werden. Anders als “persönliches Vertrauen” kann Reputation daher auch dann genutzt werden, wenn noch keine direkten Beziehungen bestehen. Reputation kann in neue Beziehungen transferiert werden und ermöglicht dann einen schnelleren Vertrauensaufbau. Innerhalb sich entwickelnder Beziehungen wird die allgemeine Reputation zunehmend durch persönliches Vertrauen ersetzt. Ähnlich wie soziale Kontakte oder Wissen stellt Reputation eine “weiche” Form von Kapital dar, die zum Beispiel durch eine erfolgreiche Gründung monetarisiert werden kann.
Wie wirkt Reputation?
Es stellt sich die Frage, wie Reputation wirkt und warum sie für die Netzwirtschaft und Gründer so wichtig ist. Reputation ist ein Mechanismus, der Erfahrungen aus der Vergangenheit in die Zukunft extrapoliert. Jemand, der sich regelmäßig als kompetent und vertrauenswürdig erwiesen hat, genießt Reputation und damit für die Zukunft einen Vertrauensvorschuss. Eine hohe Reputation signalisiert Vertrauenswürdigkeit und Kompetenz und reduziert die Unsicherheit potentieller Partner.
Durch die Unsicherheitsreduktion werden Geschäfte möglich, die bei Unkenntnis der Reputation des Vertragspartners unterbleiben müssten. Die schwer zu erwerbende Information über die tatsächlichen Eigenschaften eines potentiellen Partners (Vertrauenswürdigkeit? Kompetenz?) kann somit durch die Heuristik Reputation ersetzt werden. Reputation substituiert daher bis zu einem gewissen Grad “echte” Informationen über die Zukunft. Innerhalb von Geschäftsbeziehungen wirkt Reputation als stabilisierender Faktor. Mit Vertragspartnern, denen eine hohe Vertrauenswürdigkeit und Kompetenz zugerechnet werden kann, müssen weniger detaillierte Verträge abgeschlossen werden. Hierdurch können Kosten und Zeit gespart werden.
Warum hohe Reputation für Gründer wichtig ist
Reputation ist daher branchenübergreifend ein wichtiger Mechanismus jeder Wirtschaft. Es gibt jedoch einige Gründe dafür, weshalb der Wert von Reputation gerade für Gründer in der Netzwirtschaft von außergewöhnlich hoher Bedeutung ist und jeder Gründer sich Gedanken über seine eigene Reputation machen sollte:
Gründer-Reputation ersetzt die fehlende Reputation neuer StartUps
Angestellte großer und etablierter Unternehmen beziehen ihre Reputation und Glaubwürdigkeit aus dem Markennamen. Dieser bürgt für die Qualität der geleisteten Arbeit. Gründer von StartUps können nicht auf diese externe Quelle von Reputation zurückgreifen. Im Gegenteil: Die persönliche Reputation muss auf das StartUp transferiert werden, um diesem Glaubwürdigkeit und Kompetenz zu verschaffen.
Weltweite Transaktionen mit zuvor unbekannten Vertragspartnern nehmen in der Netzwirtschaft zu
Während auf lokaler Ebene häufig langjährige Geschäftsbeziehungen bestehen, fehlt das hierdurch aufgebaute persönliche Vertrauen bei weltweiten Transaktionen. Reputation kann hier an die Stelle von persönlichem Vertrauen treten, wenn es gelingt, den Transaktionspartnern weltweit die eigene (hohe) Reputation zu vermitteln. Hierzu ist vor allem das Internet in der Lage.
Das Internet ermöglicht das weltweite Screening und Signalling von Reputation
Während offline die Vertrauenswürdigkeit und Kompetenz neuer Partner insbesondere dann schwer eingeschätzt werden kann, wenn diese räumlich weit entfernt liegen, erlaubt das Internet ein weltweites Screening (und Signalling) der Reputation. Aufgrund der hohen Vernetzung der Gründerszene kann via Business-Netzwerke wie Xing oder via Google zu fast jeder Person innerhalb der Szene schnell und effizient ein Eindruck beschafft werden.
Kooperationen sind für StartUps besonders wichtig
StartUps müssen viel stärker als etablierte Unternehmen die eigene Ressourcenknappheit ausgleichen. Kooperationen sind daher innerhalb der Gründerszene ein sehr wichtiges Mittel, um Zugriff auf fremde Ressourcen zu erlangen. Reputation erleichtert Gründern das Finden starker Kooperationspartner, weil diese naturgemäß ebenfalls nur mit kompetenten und vertrauenswürdigen Partnern zusammen arbeiten möchten.
Reputation ist in dynamischen Umgebungen ein effizienteres Stabilisierungsinstrument als komplexe Verträge
Nicht nur das Finden von Kooperationspartnern wird durch Reputation erleichtert. Auch die eigentliche Kooperation kann effizienter vereinbart und abgewickelt werden, wenn beide Partner sich eine Reputation als fairer und kompetenter Partner aufgebaut haben. In diesem Fall müssen Verträge und Kontrollen nicht so intensiv durchgeführt werden, da ein geringeres Risiko besteht, enttäuscht zu werden. Dies ist für StartUps vor allem deshalb wichtig, weil hierdurch schneller agiert werden kann, was in dynamischen Branchen einen zentralen Wettbewerbsvorteil darstellt.
Medien neigen zunehmend zu personalisierter Berichterstattung
Bedingt durch die Zuschauerinteressen berichten Medien lieber über Persönlichkeiten als über reine Sachthemen. StartUps mit renommierten Gründern genießen daher mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit.
Reputation wirkt als Hebel für das eigene Netzwerk
Gemäß Dunbars Nummer begrenzt die Kapazität des Gehirns die Anzahl der zwischenmenschlichen Beziehungen einer Person auf etwa 150. Diese Zahl lässt sich dank Xing und Co. zwar deutlich steigern, findet aber trotzdem irgendwo seine Grenzen. Das eigene direkte Netzwerk reicht daher nicht immer aus, um Zugriff auf benötigte Ressourcen zu erreichen. Reputation kann hier als Hebel wirken, der es erlaubt die eigene Reichweite deutlich zu erhöhen. Gründern mit einer guten Reputation gelingt es im Bedarfsfall leichter, über das eigene Netzwerk hinaus Kontakte zu knüpfen. Zum einen kann leichter auf die Empfehlungen und Intros der eigenen Kontakte zurückgegriffen werden. Zum anderen steigt mit der eigenen Reputation auch die Möglichkeit direkt in Kontakt zu potentiellen Partnern zu treten.
Fazit: Reputation-Management ist auch für StartUps wichtig
Der Wert von Reputation kann aus Gründersicht nicht hoch genug eingeschätzt werden. Vor diesem Hintergrund sollte das eigene Verhalten immer auf Vertrauenswürdigkeit und Kompetenz beruhen und diese auch ausstrahlen. Fairness und das stufenweise Erzielen kleinerer Erfolge lassen die eigene Reputation wachsen und sind damit die beste Basis um langfristig das eigene unternehmerische Erfolgspotenzial voll auszuschöpfen. Darüber hinaus lassen sich gezielt weitere Maßnahmen ergreifen, um den eigenen Reputationsaufbau zu beschleunigen.
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Reputation. Danke, Jan, für diesen gescheiten Artikel. Allen für 2008 ins Gebetbuch.
Hätte man heute nicht lieber einen Artikel über ‘Timing’ schreiben sollen? :-) Fröhliche Grüße vom Herrn Kückelmann
Hallo Jan, vielen Dank für diesen schönen Artikel. Wir freuen uns sehr, dass das Thema Reputation und “der gute Ruf” seit geraumer Zeit intensiver diskutiert wird und langsam aber sicher in den Mittelpunkt des Interesses vieler Onliner rücken wird. Wir bei myON-ID haben uns das Thema seit 2007 auf die Fahnen geschrieben und denken mit unserem Service auch für viele Gründer einenn wertvollen Beitrag leisten können. In jedem Fall freuen wir uns auf die weitere Diskussion zu diesem Thema http://blog.myonid.de/
Danke Jan, für diese feine Zusammenfassung. Die sollten sich einige mal durchlesen und auch mal dranhalten. Viele gehen mit Ellenbogen und ohne Skrupel vor ohne dabei an die Folgen zu denken.
komisch – irgendwo hab ich ziemlich genau diesen text schon mal in englisch gelesen. wo war das nur?
Anregender Artikel.
Ist jedoch nicht gerade in Deutschland Reputation die schöne Schwester von Vetternwirtschaft? So werden doch eine Unmenge von Verträgen über Empfehlungen und somit Reputation vergeben, die sich aber lediglich als angebliche Reputation herausstellt. Weil oft nicht der beste bzw. kompetenteste Anbieter den Zuschlag erhält, sondern der Empfohlene.
Was man so von der anderen Seite des Teiches hört, von VCs und dergleichen, scheint oft auf ein intuitives Gefühl der Investoren zu sein, welches sie zumeist aus direkten und persönlichen Gesprächen mit den Start-Ups ziehen. Hier zählt tatsächlicher Eindruck, Überzeugungskraft und Team-Konstellation weit mehr als Reputation.
Habe das gerade mit Interesse gelesen. Volle zustimmung.
Ich finde, dass jede erfolgreiche Person zu einer Marke wird (oder gemacht werden kann) mit einem ganz bestimmten Markenversprechen.
So steht zB Porsche für Erfolg und Sportlichkeit und ThinkPad für Zuverlässigkeit, Langlebigkeit, Business-Support, Qualität.
Heidi Klum verkörpert Perfektion, Schönheit, Luxus..
Ein Gründer kann dann eben für Kompetenz, Vertrauenswürdigkeit, Zuverlässigkeit, Professionalität stehen. Oder für Kreativität, Perfektion, unkonventionelle Ideen, Fairness, Verhandlungsstärke…
Einige Markenattribute sind unabdingbar (siehe Reputation), andere wiederum persönlichkeitsabhängig. Und ich denke einiges lässt sich auch durch gezieltes Personenmarketing aneignen.
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