SEO Tipps Jens Fauldrath

SEO-Tipps von Experte Jens Fauldraht

Fionn Kientzler: Willkommen zum ersten “SEO Hangout On Air”. Jens Fauldrath hat über mehrere Jahre hinweg den SEO-Bereich bei der Telekom maßgeblich entwickelt und erfolgreich gemacht und vergangenes Jahr gründete er dann sein eigenes Unternehmen Takevalue (www.takevalue.de). Was hat dich eigentlich dazu bewegt, jetzt dein eigenes Unternehmen zu gründen?

Jens Fauldrath: Ich habe sieben Jahre bei der Telekom gearbeitet und es war eine spannende Zeit. Wir waren sehr erfolgreich. Ich habe als Produktmanager Search angefangen und so wurde aus der Abteilung heraus das Thema SEO entdeckt und aufgebaut. Den halben Tag war ich Produktmanager Search und die andere Hälfte SEO. Am Ende waren es zwölf Mitarbeiter und wir haben aus eigener Initiative den SEO-Bereich aufgebaut ohne direkten Auftrag. Ein Stückchen weit sich das zu erkämpfen, war wirklich sehr spannend.

Die letzten eineinhalb Jahre lief das Ganze allerdings sehr ordentlich. Wir hatten Strukturen etabliert, gute Leute aufgebaut und da dachte ich, jetzt wäre es mal Zeit, sich einer neuen Herausforderung zu stellen und zu gucken, ob man das auch am Markt machen kann, was man in so einem Konzern macht, was ja doch ein bisschen ein anderes Umfeld ist. Jetzt ist die Frage, kann man das Ganze auch kaufmännisch und mit ertragbaren Kosten für den Kunden relevant und sinnvoll anbieten? Das ist eine andere Herausforderung.

Fionn Kientzler: Was macht eigentlich Takevalue?

Jens Fauldrath: Wir machen das, was wir eigentlich auch für die Telekom gemacht haben, das heißt, wir versuchen das Thema SEO in Konzerne zu tragen inklusive der ganzen Strukturen, die dazugehören – inklusive Strategieentwicklung, werthaltige Strategien, Prozess- und Reporting-Linien definieren und so weiter.

Fionn Kientzler: Was würdest du denn so einem frisch gegründeten E-Commerce-Startup im SEO-Bereich empfehlen für den Aufbau des SEOs?

Jens Fauldrath: Wenn es ein klassisches E-Commerce-Startup ist, das auch eine Shop-Applikation hat, ist natürlich elementar, dass man eine gute Informationsarchitektur aufsetzt, sodass die Produktseiten und Kategorien den Suchanfragen entsprechen, die es gibt. Das ist eine gute Grundlage. Dann braucht man eine extrem gute PR, um an Links zu kommen und ein gutes Partnering auszubauen. Da die heutzutage aber in der Regel inkubiert sind, haben die meistens auch ein gutes Netzwerk, welches man für die Verlinkung auch nutzen sollte.

Das Wichtige ist, dass man versucht, eine Strategie zu entwickeln, die sich durch die vorhandenen Ressourcen einfach hebeln lässt. Aber meistens machen die sowieso schon PR, meistens haben die schon ein Netzwerk, meistens treten die sogar bei der einen oder anderen Veranstaltung auf und dann kann man die bestehende Arbeit gleich nutzen, um SEO sozusagen zu machen.

Fionn Kientzler: Was sind denn so die schwerwiegendsten Fehler, die von blutigen SEO-Anfängern der Startup-Welt gemacht werden?

Jens Fauldrath: Zu sehr in seinem Produkt zu denken und zu wenig an den Markt. Die Frage sollte sein, wo finde ich eigentlich die Zielgruppe für meine Produkte, wenn die suchen? Das ist es, was wir mit einer Server-Analyse machen und zum Beispiel feststellen, dass es 500 oder 1.000 Suchbegriffe gibt, die das Themenumfeld des Startups umschreiben. Oft sind es ja neue Produktideen, die umgesetzt werden.

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  Aber es gibt immer irgendwelche Webseiten, die sich schon mit diesem Problem beschäftigen, zum Beispiel in Foren oder auf Technologieportalen, wo der Bedarf für das Produkt ausgedrückt wird. Wenn man die identifizieren kann, kann man überlegen, ob man sich auf den Seiten über Placement Targeting erstmal bei Google einbucht. Oder ob man die anruft und mit denen schnell mal einen Direktdeal macht. Da weiß man dann auch, dass dort Nutzer herauskommen, die direkt nach dem Problem suchen.

Also vielleicht ist es am Anfang gar nicht so wichtig, eine SEO-Kampagne aufzusetzen, die dann eh ein paar Monate Laufzeit hat, sondern eher, mit einem guten Advertorial auf den Seiten zu sein, wo die Nutzer sind, die gerade das Problem haben oder sich über das Thema austauschen. Wenn ich dann sehe, dass die Nutzer zu meiner Seite kommen und ich sie auch konvertieren kann, dann macht es Sinn, für mich später zu dem Thema zu ranken. So kann ich meine Ressourcen optimal nutzen.

Fionn Kientzler: Keywords sind ja absolut zentral für SEO. Und jetzt hast du gerade erwähnt, dass man sie erstmal vorher austesten sollte, bevor man sich auf eine Keywordstrategie festlegt, auch, weil da ziemlich viele Ressourcen dran hängen. Was sind denn so die Top-Methoden, um die richtigen Keywords zu finden?

Jens Fauldrath: Das Gehirn hilft weiter, würde ich sagen. Es ist vor allem ein gesunder Menschenverstand, Mitarbeit vom Kunden, dass er erklärt, was er tut und für wen er es tut. Wenn man das alles gemacht hat, geht man zum Adwords-Tool über und guckt sich noch ein bisschen Google Suggest an. Da haben wir schon schöne kleine eigene Tools, die da entsprechend den Graben erweitern.

Und dann sollte man sie klassifizieren, nach informationsorientierten und transaktionsorientierten Keywords, oder wie die Amerikaner so schön sagen,”do know go”. Also, ich will was tun, ich will wo hin, ich will was wissen. Das muss man dann in Kauf-Vorbereitung und Kauf-Nachbereitung aufschlüsseln. Eine saubere Struktur reinzubringen, ist das A und O, weil man da fast schon die Website-Struktur von dem Thema abgeleitet hat. Das basiert auf Informationswissenschaft, was ich und meine Mitarbeiter ja auch studiert haben.

Jonas Piela: Das heißt, du würdest Informationswissenschaftler für SEO-Aufgaben anstellen oder wie höre ich das raus?

Jens Fauldrath: Mache ich nur. Es ist das Hauptthema. Unser Studiengang kommt ja ein bisschen aus dem Bibliotheksbereich. Und da hat man das gleiche Problem: Jemand kommt, läuft wo rein, braucht ein Buch und muss wissen, wo es ist. Also ich habe Nachfrage und ich habe Informationsangebot und ich muss beides aufeinander mappen. Das ist Informationswissenschaft. Ich muss wissen, was ich im Angebotsbereich habe.

Da muss man seine Inhalte kennen, richtig erschließen, ob man es automatisch macht, ob man es intellektuell macht, und wenn man eine Seite aufsetzt, eine Struktur aufsetzt – Informationsarchitektur, das ist kein technisches Thema, das ist ein rein inhaltliches Thema -, dann ist das eben Nachdenken über eine sinnvolle Struktur, die mein Nutzer verstehen kann, wenn er auf die Website kommt. Dass er das findet, was er will. Darum geht’s und wenn man das gut macht und der Mensch es versteht, dann versteht es auch der dappische Google-Gott.

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