Social-Media-Experte, Social-Media, Social-Media-Marketing

Fähige Mitarbeiter, die selbstverantwortlich das Social-Media-Marketing eines Unternehmens übernehmen können, sind derzeit heiß begehrte Ware. Eine Suche auf Monster.de unter dem Stichwort „Social Media“ etwa spuckt aktuell 282 ausgeschriebene Stellenanzeigen aus. Rund ein Viertel dieser Social-Media-Stellen sind von großen, namhaften Unternehmen ausgeschrieben. Wenn das Thema Social-Media selbst bei den großen schon auf der Agenda steht, was gibt es dann für StartUps zu beachten, wenn eine Social-Media-Stelle besetzt werden soll?

Grundlegendes zur Suche nach Social-Media-Experten

Speziell kleinere und eher unbekannte Unternehmen haben es schwer, in Konkurrenz zu großen namhaften Brands Talente für ihr Unternehmen zu finden und zu begeistern. Bietet ein Coca-Cola eine vergleichbare Stellenausschreibung, hat es ein StartUp eher schwer, potentielle Kandidaten davon zu überzeugen, dass Social-Media-Marketing bei ihnen eine attraktive Aufgabe darstellt – speziell wenn größere Unternehmen mehr bezahlen.

Vor allem sind kompetente Social-Media-Experten äußerst rar gesäht! Ein wirklicher Experte in Sachen Facebook, Twitter & Co., dem es auch nicht am notwendigen Intellekt fehlt, wird allzu oft die Selbstständigkeit als Social-Media-Berater vorziehen. Nicht nur, dass Social-Media-Experten also schwer zu finden sind, streben sie häufig auch keine Vollzeit-Anstellung an.

Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Social-Media ist keine Raketenwissenschaft! Es ist nicht sonderlich schwer, bei den eigenen Mitarbeitern eine gewisse Social-Media-Kompetenz aufzubauen, die noch dazu Corporate-Identity-konform ist. Natürlich unter der Voraussetzung, dass der dafür neu eingestellte Mitarbeiter auch die entsprechenden Fähigkeiten mitbringt, die dafür notwendig sind.

Sechs Einstellungskriterien für Social-Media-Experten

Wer einen Social-Media-Experten für sein Unternehmen sucht, der nachhaltig die eigenen Online-Geschicke voranbringt, tut sicherlich nicht schlecht daran, folgenden Background-Check seinem Bewerbungsgespräch bzw. der Stellenausschreibung vorauszuschicken. Anhand dieser sechs Kriterien sollte es möglich sein, einen guten Social-Media-Experten zu identifizieren.

1) Umgang mit Social-Media-Kanälen

Stichwort Facebook-Marketing:

  • Benutzt der Social-Media-Experte Facebook, um seinen privaten Kaffeekranz in die Welt zu tragen oder setzt er Facebook ein, um eine digitale Identität zu entwickeln, die bei Bewerbung und Karriere nicht hinderlich ist? Letzteres unterstreicht einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem Medium, Weitblick und die Fähigkeit, Informationen auf deren Social-Media-Tauglichkeit einzuschätzen.
  • Von welchen Seiten ist er Fan? Wie bei Privatmenschen auch, lässt dies einige Rückschlüsse auf seine Persönlichkeit und Interessen zu.
  • Grundsätzlich sollte auch auf die „Qualität“ seiner Facebook-Seite geachtet werden: Wie ist die Qualität der Beiträge, der Fotos, der Links, der Freunde? Auch dies gibt einem Profil Qualität.

Stichwort Twitter-Marketing:

  • Im Bereich von Twitter ist es spannend zu beobachten, ob der Social-Media-Experte eher ein „Tweeter“ ist (jemand, der selbst aktiv Beiträge generiert) oder ein „Re-Tweeter“ (jemand, der Twitter als Nachrichtenkanal nutzt und für ihn relevante Beiträge an seine Follower weiterleitet). Ein Tweeter ist einem Re-Tweeter vorzuziehen, weil er sich die Mühe macht, selbst Beiträge – im besten Fall mit Mehrwert – zu verfassen und es vermag, auf 140 Zeichen relevante Nachrichten zu teilen.
  • Wieviele Follower hat der Social-Media-Experte? Eine hohe Anzahl von Followern bei Privatpersonen kann für eine hohe Qualität seiner Twitter-Beiträge stehen. Vielleicht aber auch nur auf einen großen Freundeskreis oder Twitter-Steroide hinweisen, indem einfach wahllos Leute gefollowed wurden, um zurück gefollowed zu werden – machen Sie sich davon ein Bild.
  • Wie für Facebook gilt auch hier: Achten Sie auf die Qualität der Twitter-Nachrichten des Social-Media-Experten ihrer Wahl.

Social-Media-Kanäle eines Social-Media-Experten

Generell gilt: Ist ein Social-Media-Experte auf Facebook, Twitter oder Xing nicht existent, ist dies aus ihrer beruflichen Perspektive unverzeihbar, da ein Social-Media-Experte zumindest für das Erlernen der Funktionsweisen und Praktiken entsprechende Präsenzen pflegen sollte. Obwohl es verboten werden soll/wurde, bei Facebook einen Background-Check vorzunehmen, ist es legitim, einen vermeintlichen Social-Media-Experten anhand dieser Kanäle zu überprüfen. Seine Aktivitäten dort lassen ähnliche Schlüsse zu, wie seine Referenzen und Arbeitszeugnisse.

2) Knowhow in Sachen Social-Media

Anhand der Lesezeichen eines Social-Media-Experten lässt sich ebenfalls einiges ablesen. Sind Webseiten wie Gründerszene, Internet World Business, Wired, Socialnomics, TechCrunch, Mashable, Somain.org oder Web2null.de als Lesezeichen abgespeichert oder abonniert, darf ein nachhaltiges Interesse an den entsprechenden Social-Media-Thematiken vermutet werden.

Wer es noch etwas weiter treiben will, kann sich auch über die Personensuchmaschine Yasni einen Eindruck der Amazon-Wunschlisten des potentiellen Social-Media-Experten machen. Amazon-Wunschlisten vermitteln einen Eindruck, wie tief das Social-Media-Interesse eines Bewerbers wirklich geht, sollten allerdings auch nicht überbewertet werden.

Ein guter Social-Media-Experte sollte auch über die Fähigkeit verfügen, die Entwicklungsprozesse der verschiedenen Social-Media-Kanäle, entsprechende Gründergeschichten usw. einordnen zu können. Besonders wenn es darum geht, für das eigene Unternehmen eine Social-Media-Roadmap zu entwickeln, ist ein nachhaltiges Verständnis der verschiedenen Social-Media-Kanäle von großem Vorteil.

3) Social-Media-Awareness

Befragen Sie ihren angehenden Social-Media-Experten ruhig auch zu seiner Meinung und seinem Knowhow zu Themen wie „Social-Media-Policy“, „Social-Media und Arbeitsrechtfragen“ oder Beispielen für „Social-Media-Fehler“ durch Unternehmen und Personen. Wenn ihm Stichworte wie Dell, Nestlé, Jack Wolfskin, Vodafone UK usw. auf Anhieb etwas sagen, dürfte er ein gutes Grundverständnis der entsprechenden Vorgänge haben.

Es ist wichtig, dass sich ein Social-Media-Experte auch der Tragweite seiner Taten unter Ihrer Arbeitgebermarke bewusst ist und welche Folgen dies für Ihre Unternehmensreputation haben könnte. Je mehr der Social-Media-Experte zu diesen Themen erzählen kann, desto intensiver hat er sich kritisch mit der Kehrseite von Social-Media auseinandergesetzt – ein wichtiger erster Schritt zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Facebook & Co. und unter Umständen ein echter Mehrgewinn für Ihr Unternehmen!

Hierzu ein hilfreicher Tipp: Lassen Sie jeden Bewerber eine kurze Social-Media-Guideline erstellen. Dies gibt Ihnen einen Einblick in die Denkweise des Social-Media-Experten und zeigt, ob er sich in eine im Unternehmensauftrag handelnde Person verwandeln kann.

4) Social-Media-Openness

Eine konsequente Offenheit für die verschiedenen Social-Media-Kanäle, egal wie der Social-Media-Experte persönlich dazu steht, ist sehr wichtig. Ein Social-Media-Experte, der aufgrund der eigenen persönlichen Abneigung das Potenzial und die vielleicht wichtige Zielgruppe eines Kanals übersieht, bringt Sie und Ihr Unternehmen nicht weiter.

5) Privatsphäre und Monitoring

Eine einfache Frage zu den Privatsphäre-Einstellungen auf Facebook kann bereits viel über die Monitoring-Kenntnisse eines Social-Media-Experten verraten. Ein Social-Media-Experte muss wissen, wie sich verhindern lässt, bei Facebook auf Fotos vertaggt zu werden und wie diese Tags wieder zu entfernen sind. Erfragen Sie, wie auf Twitter sämtliche Beiträge zu einem Thema angezeigt werden können und lassen Sie sich in diesem Zusammenhang die Funktion eines Hashtags erklären. Ein Experte sollte für sein Montoring auch wissen, wie Google Alerts, Cotweet oder Technorati eingesetzt werden.

6) Dialog-Bereitschaft

Ein echter, passionierter Social-Media-Experte scheut sich nicht, auch am Wochende von Zeit zu Zeit zum Smartphone zu greifen und auf Beiträge zu Ihrem Unternehmen zu reagieren. Eine 24/7-Allzeit-Bereitschaft des Social-Media-Experte ist sicher wünschenswert, wenn auch keine Selbstverständlichkeit. Denn die nachhaltige Pflege Ihrer Social-Media-Kanäle gehört zu den Kernaufgaben des Social-Media-Experten und sollte nicht unter wochenendlicher Inaktivität leiden. Der Social-Media-Experte muss sich im hohen Grade mit Ihrem Unternehmen identifizieren können, um dies gewährleisten zu können, daher wird es auch wichtig zu prüfen sein, ob Ihr Unternehmen zum Social-Media-Experten passt.

Fazit: Social-Media auch selbst im Unternehmen leben

Ein Social-Media-Experte, wie Sie ihn gebrauchen können, weist eine hohe Flexibilität bei der Nutzung der verschiedenen Social-Media-Kanäle, eine gewisse Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Kanälen, die ständige Fortbildungs- und Lernbereitschaft, solides technisches Grundverständis sowie ein ganzheitliches Verständnis der Psychologie von Social-Media auf.

Bezeichnet sich jemand selbst als Social-Media-Experten, muss er eigentlich sämtliche der obigen Einstellungsvoraussetzungen erfüllen – ansonsten ist er ein Blender. Davon gibt es derzeit leider so einige. Daher: Seien Sie skeptisch und hinterfragen Sie. Wenn Sie einen Bewerber finden, der etwa die Hälfte der obigen Einstellungskriterien ausfüllt,  besteht eine gute Chance, dass der zu einem Social-Media-Experten heranwachsen kann. Tipp: Ich persönlich würde – wenn besagte Einstellungskriterien grundlegend abgedeckt sind – in die Ausbildung eines Absolventen investieren. In Verbindung mit ein wenig Leserecherche und eigenen Social-Media-Präsenzen, auf denen erste Erfahrungen gesammelt werden können, kann dies zu einer günstigen Alternative werden.

Wichtig: Wenn Social-Media nicht auch in Ihrem Unternehmen gelebt wird, können Sie den besten Social-Media-Experten der Welt einstellen und er verliert trotzdem die Motivation und Leidenschaft für seine Aufgabe. Kurze Entscheidungswege, Offenheit für Dialog und Feedback (egal ob positiv oder negativ) und eine klare Social-Media-Kompetenzverteilung sollten bei Ihnen gesichert sein. Sonst stehen die Chancen, einen Social-Media-Experten zu finden und längerfristig zu binden eher schlecht.