Artaxo, Jochen Maaß, SEM, SEO, StartUps, suchmaschinenmarketing, Suchmaschinenoptimierung

Mit dem Satz “Ich investiere nur noch in Web-Gründungen, die mindestens einen SEO im Team haben”, brachte ein bekannter Berliner Business Angel jüngst eine in Investorenkreisen immer häufiger geführte Diskussion auf den Punkt. Nur sehr wenige Web-Unternehmen funktionieren noch gänzlich ohne Traffic von Google und Co. Stattdessen ist für die meisten Suchmaschinenoptimierung neben SEM die primäre Traffic-Quelle und im Gegensatz zu den gekauften Textanzeigen bietet SEO – richtig gemacht – häufig noch immer die Möglichkeit, für minimalen Ressourceneinsatz einen gigantischen Output zu erhalten.

Es ist also kein Wunder, dass SEO-Kompetenz ein zunehmend gefragter Bestandteil vieler Gründerteams geworden ist. Die wichtigsten Aspekte einer Suchmaschinenoptimierung möchte ich im Rahmen einiger Gastpostings hier auf Gruenderszene.de erläutern. Gedacht sind diese Beiträge also in erster Linie für angehende SEOs und all diejenigen, die sich – freiwillig oder nicht – nun stärker mit dem Thema SEO beschäftigen müssen.

Die Beiträge sind natürlich zugeschnitten auf den Blickwinkel eines typischen Gründers, der in der Regel auf kein großes SEO-Budget zurückgreifen, sich keine teuren Tools leisten und keine externen SEO-Agentur-Profis beschäftigen kann. Ich bemühe mich, das Fachchinesisch so gut es geht außen vor zu lassen. Trotzdem wird es an einigen Stellen vermutlich den ein oder anderen Fachbegriff regnen, über den ihr in den Kommentaren auch gerne Fragen stellen könnt, wenn sich welche ergeben.

On- und Off-page-Optimierung

Grundsätzlich lässt sich die Arbeit im Rahmen der Suchmaschinenoptimierung in zwei große Baustellen unterteilen: Die “On-Page-Optimierung” und die “Off-Page-Optimierung”. Erstgenannte umfasst alle Maßnahmen, die unmittelbar an der eigenen Homepage durchgeführt werden, also beispielsweise Änderungen im Quelltext. Letztgenannte meint dementsprechend die Maßnahmen außerhalb der virtuellen eigenen vier Wände. In der Praxis lässt sich Off-Page-Optimierung meist mit der Beschaffung einer guten externen Verlinkungsstruktur (so genanntes Linkbuilding) gleichsetzen.

Ein guter SEO sollte stets beide Teilbereiche im Auge behalten. Denn auch wenn häufig – zu Recht – geschrieben wird, dass das Linkbuilding derzeit den größten Hebel für ein gutes Ranking in Google darstellt, so müssen bei der Struktur der eigenen Homepage zumindest die gröbsten Fehler vermieden werden, um eine reelle Chance auf ein gutes Ranking nicht wieder zunichte zu machen. Nachfolgend daher ein paar Grundregeln für On-Page-Optimierung und Linkbuilding in Form von Checklisten.

Checkliste für die On-Page-Optimierung

  1. Sind ausreichend viele Inhalte (Content) vorhanden? Vor allem Textinhalte? Inhalte sollten auch für Suchmaschinen lesbar angeboten werden, was gleichermaßen für Text- und Nicht-Text-Inhalte (Videos, Bilder usw.) gilt.
  2. Es ist wichtig, einzigartigen Inhalt, so genannten “Unique Content” zu präsentieren. Daher Vorsicht mit Content-Syndication: Nicht- einzigartiger Inhalt  (egal ob interne oder externe Dubletten) sollte  möglichst vermieden werden. Dies gilt nicht nur für ganze Seiten, sondern auch für kurze Textabschnitte von einigen Sätzen Länge.
  3. (Unter-)Seiten mit klassischen HTML-Überschriften sollten von H1 bis H6 strukturiert werden. Die wichtigsten Begrifflichkeiten (Keywords) jeder Unterseite sollten in Überschriften und/oder Seitentitel vorkommen. Bilder mit so genannten “Alt-Attributen” versehen.
  4. Passende Meta-Informationen für jede einzelne Unterseite im Quelltext hinterlegen. Hierbei ist eine gute Seitenbeschreibung wichtiger als das Hinterlegen von Keywords.
  5. Frühzeitig “Themenwelten” als Landingpages schaffen und überlegen, welche Seite mit welchen Keywords später auffindbar sein soll.
  6. URL-Strukturen von Anfang an durchdacht aufsetzen und dann nie mehr ändern. Dynamische URLs sind meist problematisch. Achtung: Ruby on Rails erzeugt automatisch suchmaschinenfreundliche URLs – aber eben noch keine suchmaschinenoptimierten.
  7. Interne Linkstruktur so aufsetzen, dass jede (wichtige) Unterseite mit möglichst wenigen Klicks erreichbar ist, damit die Suchmaschinen schnell ans Ziel kommen. Seiten-Umblätter- sowie Listen-Sortier-Funktionen produzieren gern mal versehentlich doppelte (oder hundertfache) Inhalte und machen den einzigartigen Inhalt dadurch weit weniger einzigartig.

Checkliste Linkbuilding

  1. Sieht die Struktur meiner Links natürlich aus? Sinnvoll ist das Sammeln vieler Links mit niedrigem Page Rank, weniger mit hohem Page Rank (Pyramiden-Prinzip). Für üblich kommen Links von Start- und Unterseiten anderer Domains und zeigen auf Startseite und Unterseiten der eigenen Domain, die Linkgeber-Seiten sind überwiegend aus demselben Sprachraum wie die eigene Domain
  2. Versucht kostenlose (oder günstige) Quellen für Links, die nicht per Weiterleitungen oder “nofollow” entwertet wurden, ausfindig zu machen. Beispiele: Die “Klassiker” wie Einträge in Webkataloge, Artikelverzeichnisse, Kommentare in Blogs, Beiträge in Foren, Über-mich-Seiten in Communities oder noch besser: Stellenangebote in Jobbörsen, Gastbeiträge in passenden Blogs, Pressemitteilungen mit URLs versehen, günstige Events sponsorn, mit einem eigenem Blog arbeiten und dort Trackbacks und Linkbaits verwenden, anderen Inhalte als Testimonial zur Verfügung stellen usw. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Einmal entdeckte Quellen sollte man vor allem nicht an die große Glocke hängen, da sie sonst rasch inflationär verwendet und von Suchmaschinen als Linkgeber entwertet werden.
  3. Ihr solltet Linkbuilding als Dauerprojekt verstehen. Denkt daran, dass Links auch immer wieder einmal von alleine “verschwinden” und der Wettbewerb ggf. auch gerade dabei ist, sich aktiv um Verlinkung zu bemühen. Der alte Satz “Stillstand ist Rückschritt” ist hier wörtlich zu nehmen.
  4. Links sollten über einen gewissen Zeitraum “entstehen” und nicht alle auf einmal. Die eingangs erwähnte Linkstruktur also auch im Hinblick auf die Zeitlinie beachten.
  5. Übertreibt es bitte vor allem nicht mit Blogkommentaren usw. Im Zweifelsfall lieber ein bisschen zu wenig als ein bisschen zu viel schreiben. Nicht bei jedem Beitrag in bekannten Blogs mit “Herzlichen Glückwunsch…” kommentieren. Viele Links von derselben Domain haben ohnehin einen sehr stark abnehmenden Grenznutzen. Es ist in diesem Fall sicher nicht lohnend, den anderen Lesern wegen einiger zusätzlicher Links von derselben Domain als Blog-Spammer immer wieder negativ aufzufallen.
  6. Linktexte, mit denen die eigene Homepage verlinkt wird, sollten variieren und nicht immer nur kommerziell interessante Keywords enthalten.
  7. Links lassen sich mit etwas Verhandlungsgeschick auch außerhalb der bekannten Linkbörsen günstig kaufen bzw. mieten.
  8. Wer schneller voran kommen möchte und deshalb Links kauft oder mietet, sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass Linkkauf mit dem primären Zweck der Suchmaschinenoptimierung von den Suchmaschinenbetreibern nicht gern gesehen wird und die Risiken mit dem möglichen Nutzen gründlich abwägen. Bei Links, die nur mit Hilfe von Geld zustande gekommen sind, ist eine möglichst gute Tarnung wichtig. Links, die ganz offensichtlich gekauft aussehen, laufen schneller Gefahr, von Suchmaschinen entwertet zu werden.
  9. Links von thematisch passenden Seiten fallen weniger auf und viele Suchmaschinenoptimierer vermuten, dass diese zukünftig auch stärker gewichtet werden. Im Zweifelsfall also lieber heute schon primär von solchen Seiten verlinken lassen, auf denen die eigenen Keywords auch ohnehin schon auftauchen.

Auf einzelne Stichpunkte der beiden Checklisten werde ich in den folgenden Postings dann noch detaillierter eingehen.

Über den Autor:

Jochen MaaßJochen Maaß zählt zu den “alten Hasen” unter den Suchmaschinenoptimierern. Bereits im Jahr 2000 gründete er die artaxo AG, eine auf professionelle Suchmaschinenoptimierung spezialisierte Agentur mit Sitz in Hamburg.

Das Unternehmen bietet zudem mit SEOlytics eine führende Softwarelösung für Suchmaschinenoptimierer an.

Der Diplom-Wirtschaftsinformatiker ist der deutschsprachigen StartUp-Szene durch mehrere private Investments als Business Angel ganz besonders verbunden.

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