SEO, Suchmaschinenoptimierung, Linkbuilding

Nachdem Jochen Maaß im ersten Teil seiner Reihe zum Thema Suchmaschinenoptimierung für StartUps bereits wesentliche Elemente in Checklisten zu On-Page-Optimierung und Linkbuilding zusammengefasst hat und es im zweiten Teil dann um Content ging, steht nun im dritten Teil das Thema „Linkbuilding für StartUps“ im Mittelpunkt.

Linkbuilding für StartUps

Sobald die Hausaufgaben im Bereich Content, Quelltext und Seitenstruktur gemacht wurden, gibt es nur noch einen relevanten Hebel, um an den Wettbewerbern in den Suchmaschinen vorbeiziehen zu können: Links. Leider ist es nicht ganz so leicht, wie es sich anhört. Über gute Positionen entscheidet nämlich weder die reine Anzahl an Links, noch der Page Rank, den eine Seite durch die Verlinkung von anderen Seiten erhält. Dementsprechend lässt sich auch nicht trivial ausrechnen, wie viele Links noch nötig sind, um einen beliebigen Wettbewerber bei einem bestimmten Keyword hinter sich zu lassen. Wie wohl fast alles im Bereich der Suchmaschinenoptimierung ist auch der Ranking-Faktor „Links“ nicht sonderlich transparent. Nachfolgend möchte ich versuchen, zumindest ein wenig Licht in dieses Dunkel zu bringen.

Qualität von Links

Grundsätzlich gilt: Link ist nicht gleich Link. Erstens gibt es technische Maßnahmen, die verhindern, dass ein Link seine erhoffte Wirkung auf die Suchmaschinenplatzierungen entfaltet (beispielsweise no-follow-Attribute). Zweitens ist der Linktext extrem wichtig für gute Rankings in Google. Ein Linktext wie „mehr“, „Klicken Sie hier“, „zum Anbieter“ usw. bringt viel weniger als ein Linktext nach dem Schema „wichtiger Suchbegriff“. Und drittens kann das Standing der verlinkenden Seite aus Sicht der Suchmaschinen natürlich sehr unterschiedlich sein.

Die wichtigsten Kriterien, mit deren Hilfe man die Qualität einer Seite von der man einen Link erhalten möchte, aus Suchmaschinensicht überprüfen kann, habe ich hier aufgelistet, unterteilt nach

a) Kriterien bezüglich der verlinkenden Domain (Linkgeber) und ihrer eigenen Backlinks

  • Wie alt ist die Domain?
  • Von wie vielen anderen (unterschiedlichen) Domains wird die Domain selbst verlinkt?
  • Was für einen Page Rank hat die Domain?
  • Was für einen Page Rank haben die Links, die auf die Domain verweisen? Hier sollte es mehr niedrige als hohe Page Ranks geben. Der umgekehrte Fall sieht stark nach Manipulation aus.
  • Was für Linktexte haben die Links, die auf die Domain verweisen? Verweisen fast alle Links immer mit dem selben Linktext auf die Domain, sieht dies ebenfalls unnatürlich aus.
  • Stammen die Links von Domains, die alle auf der selben IP-Adresse liegen? Auch dies würde zu sehr nach Suchmaschinenoptimierung „riechen“.
  • Ist die Domain selbst gut in den Suchmaschinen gelistet? Rankt sie beispielsweise mit für mich spannenden Begriffen? Hat sie einen hohen SVR?
  • Wie viel Traffic hat die Domain?

b) Kriterien bezüglich der Platzierung meines Links

  • Was für einen Page Rank hat die (Unter-)Seite auf der mein Link stehen wird?
  • Wie viele Ebenen oder Klicks von der Startseite ist diese Seite ggf. entfernt?
  • Rankt genau diese Unterseite selbst bei interessanten Suchbegriffen?
  • Befindet sich eine nennenswerte Menge Text auf der URL? Ist der Text einzigartig im Web?
  • Wie viele Links befinden sich insgesamt auf der URL? Wie viele davon sind externe Links?
  • Steht mein Link im Fließtext oder getrennt vom sonstigen Inhalt?
  • Hat die URL, von der ich verlinkt werde, dieselbe Sprache wie meine Seite?
  • Passt mein Link inhaltlich zum Rest der Seite?
  • Steht mein Link im Quelltext eher am Anfang oder am Ende?
  • Kann man meinen Link ohne zu Scrollen sehen?
  • Hebt sich mein Link deutlich von der Hintergrundfarbe ab oder wirkt er, als hätte man versucht, ihn möglichst gut zu verstecken?

Natürliche Linkverteilung

Im ersten Teil der oben genannten Kriterien tauchte häufiger das Wort „natürlich“ auf. Das hat seinen guten Grund. Da die Suchmaschinenbetreiber ein erhebliches Interesse daran haben, Manipulationen an den Ergebnissen auf ein Minimum zu reduzieren, gibt es in allen größeren Suchmaschinen Filter, welche unnatürliche Link-Schemata erkennen und versuchen, ihre Wirkung zu neutralisieren.

So mag es in der Theorie besonders sinnvoll sein, sich ausschließlich mit dem Keyword „Urlaub“ verlinken zu lassen, um genau mit diesem Suchbegriff dann später auch gefunden zu werden. In der Praxis wird diese Strategie nicht aufgehen. Selbiges gilt, wenn Domains unnatürlich viele Links von bestimmten IPs, aus ungewöhnlichen Sprachräumen oder mit zu hohen durchschnittlichen PR-Werten erhalten. Auch das Timing der hinzukommenden Links ist leicht durch Filter auf Plausibilität hin überprüfbar.

Linkquellen für StartUps

Gerade Internet-StartUps sollten einen hohen Wert auf gute Beziehungen zur Blogosphäre und zur Presse legen. Und diese Form der Öffentlichkeitsarbeit lässt sich auch ganz hervorragend zum Generieren von Links mit verwenden. Dabei geht es weniger darum, durch das Kommentieren in anderen Blogs ein paar Links zu erhaschen, von denen die meisten ohnehin durch ein „nofollow“ entwertet worden sein dürften, sondern eher darum, andere so für sein StartUp und/oder sein Produkt zu begeistern, dass darüber geschrieben (und natürlich darauf verlinkt) wird.

Besonders groß wird der Hebel immer dann, wenn ein Thema eine gewisse Eigendynamik entwickelt und neben der kleinen Zielgruppe der wichtigsten Multiplikatoren auch andere mit auf den Zug aufspringen und in ihren Berichten die gewünschte URL referenzieren. Ein paar Beispiele, nach welchem Schema schon viele StartUps größere Mengen an Aufmerksamkeit und Links ergattern konnten:

  • Das StartUp wird abgemahnt oder verklagt. Am besten von einem möglichst großen und etablierten Unternehmen und im Idealfall mit einer zumindest für Laien ungerecht oder absurd wirkenden Klage.
  • Das StartUp verschenkt auf seiner Webseite irgendein spektakuläres (durchaus auch virtuelles) Produkt.
  • Es gibt etwas so neues / lustiges / niedliches / attraktives / provozierendes auf der Webseite, dass darüber ausgiebig auf anderen Seiten berichtet wird.

Auch Aprilscherze stellen immer wieder eine erstklassige Möglichkeit dar, Links zu generieren und selbst das gute alte Gewinnspiel sorgt – richtig verpackt, beispielsweise in eine Blogger-Schnitzeljagd – mit erstaunlicher Konstanz noch immer für viele frische Links. Insbesondere junge Internetunternehmen können sich bei dem Versuch, die Aufmerksamkeit ihrer im Internet schreibenden Mitmenschen zu erhalten, häufig deutlich mehr Mut in der Wahl ihrer Mittel erlauben als etablierte Unternehmen. Und davon sollten sie auch unbedingt Gebrauch machen.

Eine weitere Möglichkeit, mit ein bisschen Fleiß an viele gute Links zu kommen stellen Listen dar. Menschen lieben Listen. Und sie verlinken sehr häufig darauf. Egal ob es die Liste mit 100 Trainings-Tipps zum Bodybuilding ist, es die einflussreichsten sieben Persönlichkeiten der Web-Szene sind, es sich um die die Top Ten Tricks, um besser in Google zu ranken handelt oder um eine Liste, die mit den 25 größten Mythen der Neuzeit aufräumt: Listen ziehen Links magisch an.

Natürlich gilt auch unabhängig von der Listenform, dass ein Gründer mit fundiertem Fachwissen in einem Spezialbereich stets die Möglichkeit hat, so toll aufbereitete Anleitungen, Erklärungen, Interwiews, eBooks und ähnliches zu erstellen, dass andere gern darauf verlinken. Dies funktioniert aber nur, wenn die Informationen nicht zu speziell sind. Sie sollten zumindest verständlich formuliert sein, sodass sie nicht nur für ein paar wenige Experten der Materie einen Mehrwert darstellen. Was nicht von einer größeren Menge an Lesern verstanden wird, hat auch nur die Chance auf eine sehr überschaubare Anzahl an Links.

Ist eine Webseite noch neu und kann kaum Besucher aufweisen, kann es sich durchaus lohnen, auch PPC-Kampagnen für bestimmte linkträchtige Aktionen zu starten in der Hoffnung, dass dies als „Inizialzündung“ ausreicht und so viele Links generiert werden, dass später kontinuierlich weitere – auch ohne gekauften Traffic – hinzukommen.

Links aus FFA Quellen

So genannte „Free For All“-Linkquellen (FFA)  bezeichnen Webseiten, bei denen jeder mit wenig Aufwand einen Link hinterlassen kann. Zumeist werden solche Linklisten rasch von vielen Webmastern entdeckt und entsprechend viele Links kommen täglich hinzu. Nicht zuletzt durch automatisiertes Hinterlassen von Links per Software verlieren diese Linkquellen schnell jegliche Relevanz für die Suchmaschinenoptimierung. Besucher sind über solche Quellen ohnehin kaum zu erwarten.

Auch hier lassen sich ganz prima mit minimalem Aufwand Links erzeugen. Diese bringen in der Regel aber weder etwas für das Ranking in den Suchmaschinen noch einen einzigen Besucher. Ich rate daher dringend an, Abstand von automatisierten Eintragsdiensten und ähnlichen Angeboten zu nehmen.

Links kaufen / mieten / tauschen

Natürlich besteht die Möglichkeit, andere Webseitenbetreiber dafür zu bezahlen (sei es in Geld oder in Form eines Backlinks), einen Link auf die Homepage des eigenen StartUps zu setzen. Das künstliche Herbeiführen von Links stellt jedoch einen Verstoß gegen die Richtlinien der meisten Suchmaschinen dar. Alle zu offensichtlichen Aktionen zum Generieren von Links beinhalten also zumindest immer ein gewisses Restrisiko, dass sich die Platzierungen in den Suchmaschinen trotz neuer Links nicht verbessern oder gar verschlechtern.

Gerade für StartUps mit chronisch knappem Kontostand gibt es wie beschrieben eine Vielzahl an Möglichkeiten, auch kostenlos an Links heran zu kommen. Diese sollten auf jeden Fall ausgeschöpft werden, bevor kostbares Geld in die Hand genommen wird. In vielen Bereichen mit niedriger Wettbewerbsintensität kann ein Linkbuilding in Eigenregie ohne dicke Brieftasche aber mit viel Fleiß durchaus für durchschlagende Erfolge in Sachen Suchmaschinenoptimierung ausreichen.

Sollen Links getauscht werden, so ist anzuraten, rechtzeitig ein paar weitere Satelliten-Webseiten um das Kernthema herum aufzubauen, damit nicht immer von der eigenen Domain zurück verlinkt werden muss, was den Linktausch unnötig auffällig machen würde.

Artikel zum Thema:

Bildmaterial: ppdigital
GD Star Rating
loading...
Alle Bilder in diesem Artikel unterliegen der Creative-Commons-Lizenz (Namensnennung-Keine Bearbeitung, CC BY-ND; Link zum rechtsverbindlichen Lizenzvertrag). Ausgenommen sind anders gekennzeichnete Bilder unter anderem von Panthermedia, Fotolia, Pixelio, Morguefile sowie Pressefotos oder verlagseigenes Bildmaterial.