“Sind sie langsam genug, um in Social Media Erfolg zu haben?” Der Titel eines Blogposts von Jay Baer wirkt auf den ersten Blick verstörend. Social-Media? Da geht es doch zu einem großen Teil um Echtzeit, Schnelligkeit und unmittelbare Reaktion, könnte man entgegen. Gemeint war allerdings der Faktor Geduld und die Zeit, die man dem Beisteuern, Lesen bzw. Zuhören und Beantworten in Social-Media widmet.

Social-Media und der Faktor Zeit

Dabei kommt man bekanntlich mit Eile und Ungeduld nicht allzu weit. Kurzfristige Erfolge sind die Ausnahme. Seth Godin setzte hierzu den schönen, überzogene Erwartungen relativierenden und viel zitierten Satz in die Welt: “Social Media ist ein Prozess, kein Event”. Und während jegliche Aktivität in Social-Media keinesfalls umsonst ist (sondern Wirkung zeigt), ist sie andererseits trotz oftmals kostenloser Services auch nicht umsonst (kostet Geld).

Warum? Weil Zeit Geld ist. In diesem Fall: Die Kosten für Mitarbeiter bzw. deren Arbeitszeit. Oder auch die eigenen Opportunitätskosten, wenn man keine Mitarbeiter hat (Opportunitätskosten: “Ich tue Sache A, deshalb kann ich Sache B nicht tun, die eventuell mehr bringen könnte”). Es gilt also, sich gleichzeitig effektiv (“Die richtigen Dinge tun”) und effizient (“Die Dinge richtig tun”) aufzustellen.

Anders gesagt: Das beste Resultat (“Effektivität”) mit möglichst optimalem Mitteleinsatz (“Effizienz”) zu erreichen. Bedeutet: Eine operative Arbeitsumgebung und zeitliche Struktur für die Tätigkeit in Social-Media zu schaffen, die eine qualitative Teilnahme ermöglicht und eine quantitative Vereinnahmung verhindert.

Hierbei kommen aus meiner Sicht vier notwendige Faktoren zur Geltung:

  • Ein klares Jobdesign inklusive inhaltlich und zeitlich aufgeschlüsselter Definition des Workload für Social-Media;
  • ein vereinbartes Rahmenkontingent an Gesamtzeit zur Verwendung für Aufgaben im Zusammenhang mit Social-Media;
  • ein Konzept zur Aufteilung bzw. Verteilung des Zeitkontingentes bzw. der definierten Aufgaben über den Tag bzw. die Woche und, last but not least,
  • eine gute Portion Selbstbeherrschung. Denn: Die Gefahr der Prokrastination (“Aufschieberitis”) und die vielfältigen Möglichkeiten der Ablenkung (“Social Media Lesen ist die neue Zigarettenpause”) sind allgegenwärtig.

Sie sind zwar bis zu einem gewissen Grad ein natürlicher Bestandteil der Social-Media-Sphäre (denn wo echte Menschen miteinander kommunizieren, sind Unregelmäßigkeit, Zufall und mangelnde Planbarkeit glücklicherweise an der Tagesordnung), lassen sich allerdings durch die sinnvolle Verwendung von unterstützenden Tools zumindest ein Stück weit eindämmen. Das Ziel: Social-Media statt einem vereinnahmenden Zeit- und Groschengrab zu einem bereichernden und vor allem zu bewältigenden Bestandteil unserer täglichen Kommunikation zu machen. Denn nur dann haben wir die Möglichkeit, trotz unserer limitierten Zeit “langsam” genug in Social-Media zu agieren und den Fokus darauf zu richten, was Social-Media letztlich so interessant macht und was uns kein noch so interessantes Tool abnehmen kann: Zwischenmenschlichkeit.

Nützliche Tools zur Produktivitätssteigerung bei Social-Media

Einige Tools, die sich aus meiner Erfahrung zur Gewinnung von mehr Zeit und Produktivität in Social-Media bewährt haben:

  • Netvibes ist eine leistungsstarke Dashboard-Lösung, welche als internes One-Stop-Cockpit für die operative Tätigkeit und das Monitoring sowie extern als kompletter Social-Media-Newsroom genutzt werden kann.
  • Hootsuite ist mittlerweile ein fast vollwertiges und mehrere Services abdeckendes Redaktionssystem für Social-Media inklusive der Möglichkeit, Updates zeitlich vorzusteuern und im Team einzustellen bzw. Beantwortungen kollaborativ abzuarbeiten.
  • Mite ist ein schlanker Zeiterfassungsservice für Freiberufler und Teams, der sowohl für die eigene Zeitkontrolle (gefühlte Zeitverwendung und tatsächliche Zeitverwendung klaffen oftmals auseinander) als auch die Berechnung gegenüber dem Kunden äußerst nützlich ist und sogar Spaß (!) macht.
  • Freedom: Das Tool deaktiviert den Netzwerkadapter auf Mac-Rechnern für einen festgelegten Zeitraum.
  • Pomodore Technique und Focus Booster App bilden zusammen eine gute Methode und ein Tool, um extrem produktive Arbeitsfenster strukturiert mit Pausen-Intervallen zu kombinieren.
  • 1Password ist ein mit nützlichen Funktionen überhäufter Passwort-Manager für den Mac, der das Eintippen von Nutzernnamen und Passworten zwecks enormem Zeitersparnis zur Vergangenheit macht.
  • NutShellMail liefert die neuesten, individuell relevanten Inhalte aus Facebook und Twitter in einem sinnvoll und lesbar gestalteten HTML-Newsletter zu auswählbaren Zeiten in die E-Mail-Inbox.

Über den Autor Jan-Hendrik Senf:

Jan-Hendrik Senf leitet den Twittwoch-Praxisworkshop “Social Media Dashboard und Monitoring einrichten” (aktuell in Berlin und München angeboten). In der neuen Twittwoch-Workshop-Reihe des Twittwoch e.V. (Veranstaltung zu Social-Media in Unternehmen) lernen die Teilnehmer, wie sie mit kostenloser Software und kostenlosen Diensten eine One-Stop-Lösung für die tägliche operative Arbeit, das Tracking und Monitoring sowie die öffentlich sichtbare Aggregation aller eigenen Aktivitäten in einem Newsroom erstellen können. Jan-Hendrik twittert natürlich auch selbst fleißig.

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