Nachdem im Artikel zu Erfolgsfaktoren guter Öffentlichkeitsarbeit allgemeine (und von allen Experten ähnlich beurteilte) Erfolgsfaktoren der Medienpräsenz von StartUps vorgestellt wurden folgen nun noch ein paar konkrete Tipps und persönliche Präferenzen der einzelnen Experten.
Alexander Hüsing von Deutsche Startups rät für eine gelungene Öffentlichkeitsarbeit:
- Journalisten freuen sich, wenn sie auf zeitsparende Fact-Sheets zu den jeweiligen StartUps zurückgreifen können. Das macht vieles einfacher und je niedriger die Einstiegshürden zu Informationen sind, desto höher ist auch die Warscheinlichkeit einer Veröffentlichung.
- Bei der Gestaltung einer Pressemitteilung sollte darauf geachtet werden, dass sie auch von Außenstehenden innerhalb kurzer Zeit verstanden werden kann. Hat man täglich mit einem Themenfeld zu tun, ist es man es gewohnt bestimmte Fachbegriffe und gewisse Fachinformationen als natürlich vorauszusetzen. Deshalb ist es wichtig, in der eigenen Öffentlichkeitsarbeit viele Dinge stark zu vereinfachen.
Jochen Krisch von Exciting Commerce empfiehlt für eine gute Pressearbeit:
- Gib es eine größere Neuerung auf der eigenen Webseite oder innerhalb des Unternehmens, sollten StartUps den relevanten Bloggern schon frühzeitig – noch vor dem Launch – Vorabinformationen liefern, damit diese vorbereitet sind. Es nimmt viel Zeitdruck, wenn eine gewisse Vorlaufzeit zu einer Neuigkeit besteht. Und die verlässlichen Journalisten halten sich auch an Sperrfristen.
- Gute Öffentlichkeitsarbeit bedeutet auch Fingerspitzengefühl: Exklusivinformationen erhöhen stets das Interesse seitens des Bloggers, da er so ein gewisses Maß an Exklusivität für sein Medium in Anspruch nehmen kann und seiner Konkurrenz etwas voraus hat. So lässt sich sicherstellen, dass gewisse Inhalte zu einer Veröffentlichung kommen und der betreffende Blogger einem für die Zukunft auch noch wohlgestimmt ist.
- Individuelle Informationen und eine persönliche Ansprache der Blogger sind praktisch ein Muss! Gerade die deutsche Internetszene lässt sich sehr gut überblicken, weshalb es umso wichtiger ist, einen direkten Draht zu deren Meinungsmachern zu pflegen.
Erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit meint für Manuel Weisbrod von Spickmich:
- Nicht jede Gründungsidee ist auch für die Presse interessant. Bei weniger relevanten Themen sollte man entweder die Mühe einer aktiven Pressearbeit sparen, oder um die Ecke denken, um PR-Themen zu setzen. Ist das eigene Produkt nicht foto- oder kameragen genug, müssen andere Themen gefunden werden, die für eine Veröffentlichung interessant sind. Viral-Marketing ist hier ein Stichwort.
- Die Grundidee des StartUps sollte auf einen Satz verdichtet werden können. Bei Spickmich hieß es zum Beispiel “Benote Deine Lehrer” – das ist leicht verständlich und leuchtet sowohl Lesern als auch Journalisten schnell ein. Wie bei einem Elevator-Pitch geht es darum, einen guten Oneliner zu finden, der die Idee beschreibt und verdeutlicht, was daran interessant und einzigartig ist.
- Erreichbarkeit ist ebenfalls ein wichtiges Thema. Die eigene Handynummer zur Verfügung zu stellen ist als Service für Journalisten ein hilfreicher Dienst, falls diese einmal Fragen haben oder nur schnell ein paar Details in Erfahrung bringen möchten.
Marvin D. Andrä von Bagpax rät für eine gelungene Pressesarbeit:
- Anstatt vom eigenen Kenntnisstand und den eigenen Interessen auszugehen, sollte man sich als Gründer lieber fragen, welcher Content von den Journalisten gebraucht werden kann. Es ist nicht immer leicht, sich in einen Medienmacher hineinzuversetzen, aber je bunter, ungewöhnlicher und interessanter ein Inhalt ist, desto höher ist auch seine Chance, Berücksichtigung zu finden.
- Neben dem eigenen Produkt sind Gründer-Wettbewerbe zumeist eine gute Gelegenheit, um in die Presse zu kommen. Hier wird dem zeitknappen Geschäftsführer viel von der Öffentlichkeitsarbeit durch die jeweiligen Veranstalter schon abgenommen.
Max Wittrock von Mymuesli rät für eine gelungene Öffentlichkeitsarbeit:
- Lokalzeitungen, Blogs und andere “kleine Medien” sollten nicht außen vor gelassen werden. Oftmals sind diese der Auslöser für die weitere Berichterstattung von größeren Medien. Schließlich müssen ja auch Journalisten ihre Informationen irgendwo finden. Und wenn es ein Thema bereits zu einer Veröffentlichung geschafft hat, ist die Hemmschwelle, es noch einmal aufzugreifen natürlich umso niedriger.
- Nach den ersten Medienerfolgen ist es wichtig, den Kontakt zu den jeweiligen Journalisten zu halten und diese regelmäßig mit neuen Stories zu versorgen. Wichtig hierbei ist es, die Sichtweise der Journalisten einzunehmen und sich zu fragen, was aus deren Sicht interessant sein könnte.
Erfolgreiche Pressearbeit meint für Peter Turi von Turi2:
- Existenzgründer sollten keine unrealistisch hohen Besucherzuströme durch Blogbeiträge erwarten. Blogs sind Mikromedien, die auf Mitarbeiter, Kooperationspartner und Medien wirken, aber keine Massenmedien. Mit dieser Funktionalität können sie in der eigenen Öffentlichkeitsarbeit dennoch gezielt eingesetzt werden, zum Beispiel um sich als interessanter Arbeitgeber zu empfehlen.
- Enstpannt, freundlich und menschlich in der Kommunikation zu bleiben, ist eine der Grundpflichten, wenn man sich mit Journalisten und Bloggern austauscht. Nichts ist für einen Medienmacher anstrengender als unentspannte Anrufer oder E-Mail-Schreiber, die auf eine Veröffentlichung drängen – da wird ganz schnell dicht gemacht.
Robert Basic von Basic Thinking empfiehlt für die eigene Öffentlichkeitsarbeit:
- Blogs sind in der Regel nicht zur Massenansprache geeignet, haben aber wichtigen Einfluss auf die (StartUp-)Szene als Ganzes und können beim Mitarbeiter-Recruiting eine wichtige Rolle spielen. Darüber hinaus sollten sie eher als Ratgeber und Feedback-Kanal gesehen und schon frühzeitig in die Produktentwicklung eingebunden werden.
- Anstatt anonymer Massenanschreiben an zig Blogger ist es daher für StartUps sinnvoll, lieber die eigenen Stichwörter in Technorati einzugeben und zu schauen, wer wirklich regelmäßig zum eigenen Thema bloggt. Wenn diese Blogger dann individuell kontaktiert werden, stehen die Chancen für eine Berichterstattung gut.
Sämtliche dargestellten Tipps sind von Gründerszene lediglich sinngemäß wiedergegeben worden. Vielen Dank nochmals an alle befragten Experten!
Artikel zum Thema Social-Media:
- Erfolgsfaktoren guter Öffentlichkeitsarbeit: Als StartUp in Blogs und andere Medien kommen
- Twitter kompetent nutzen – in sieben Schritten
- Die wichtigsten Tipps zu Corporate-Blogs
- Reputation-Management: Warum Reputation wichtig für Existenzgründer ist
- Acht Beispiele, wie man auf Twitter Geld verdienen kann


[...] Gründerszene.de gibt es eine zweiteilige Serie unter dem Thema “Wie kommt man als Start-up in Blogs und andere Medien?“. Im zweiten Teil gibt es ein paar kurze Tipps von “Experten” zu diesem Thema, [...]
Und wenn man auf iBusiness.de landen will (wir berichten gerne über Startups), dann kann man folgendes tun
* man schickt uns eine Pressemitteilung (redaktion at ibusiness deh-eh)
* man vereinbart einen Besuchstermin in der Redaktion
* man beantworte aber bitte vorab die Frage: “Warum zur Hölle ist dieses Startup interessant?”
Interessant, das kann sein:
– “wichtig” (großer strategischer Eigner will Markt X übernehmen),
– “neu” (setzt neue Technik ein, geht wirklich neuen Markt an),
– “innovativ” (hat ein System, das sich von allen anderen unterscheidet)
– “businessrelevant” (mit dem System können die professionellen iBusiness-Nutzer Geld verdienen)
– oder “bekannt” (hat Gründer, die wirklich jeder kennt).
KO-Kriterien sind “gibts schon seit nem Jahr”, “ist nicht interessant”, “ist nur nen US-Klon oder ein Mee-too”.
Ich freue mich ansonsten über jede Kontaktaufnahme ….
StartUps sollten vor allem ein wirkich gutes, nachhaltiges Geschäftsmodell haben! Innovativ sein reicht nicht, das Geschäftsvorhaben muss vor allem Sinn machen und dem zukünftigen Kunden einen Mehrwert bringen! Entertainment kann dabei schon ein Mehrwert sein.
Danach kann man auch gerne BloggerInnen kontaktieren und sich PR-Plattformen suchen.
Im Übrigen hilft schon mal eine ehrliche PR- & Kommunikationsstrategie. Allein diese Aufgabe sollte schon mal dringend erledigt sein, bevor man an die Öffentlichkeit geht.
Gruß Jens
Was meint Herr Krisch mit “den relevanten Bloggern”?
Ich berichte auch regelmäßig über neue Projekte & Trends aus allen möglichen Bereichen. Wer gerne hier erscheinen möchte kann gerne unter der Rubrik “Neue Trends melden” seinen Beitrag inkl. 1 Attachment an mich schicken. Was interessant ist & relativ neuwertig hat gute Chancen aufgenommen zu werden.
Für Personen die regelmäßig über neue Projekte / Trends berichten bzw. damit zu tun haben:
Gerne kann ich auch einen eigenen Zugang für dich einrichten. Es gibt kein Geld dafür, aber du kannst pro Beitrag 1 eigenen Link auf dein eigenes Projekt, etc. setzen wie es dir beliebt.
Schöne Grüße
Simon von http://www.trendsderzukunft.de
[...] in (prominent) blogs again is one of the big impact factors for successful viral marketing. Gruenderszene has asked several hotshots from the internet scene how startups can increase their chances to be [...]
Relevant soll heißen, nur die Blogger anzusprechen, die auch über das eigene Thema zu schreiben. Jochen Krisch schreibt beispielsweise über E-Commerce. Ihn mit Infos über ein Social Network zu kontaktieren wäre für beide Seiten Zeitverschwendung.
Der beste Tipp um in Blogs zu kommen ist der Start eines eigenen Corporate Blogs mit interessanten News und Interaktion mit der Blogosphäre.
Das stimmt allerdings Malte. Nur scheuen die meisten KMUs die Zeit und Mühen, den sie in die Pflege des neuen Sprachohrs investieren müssten. Doch die Chance, die sich für das bloggende Unternehmen dabei auftut, ist für die meisten (leider) noch nicht einschätzbar. Aber wir sind auf dem richtigen Weg.
Grüße aus Berlin
Sebastian, Du hast recht, dass die meisten KMUs die Mühen scheuen, aber nicht in erster Linie mit dem neuen Sprachrohr, sondern mit dem neuen Stethoskop! Beispiele von one-way-Kommunikation a la “Pressemitteilung mit Kommentarfunktion und RSS” gibts viele, echte Interaktion selten. Dabei gäbe es viel zu hören. Die Kunden wissen nämlich recht genau, was sie wollen und reagieren angenehm überrascht, wenn man das aufgreift.