Teil I: Vom E-Commerce zum Social Commerce:

Das Mitmachweb 2.0 ist ja derzeit in aller Munde. Everbody goes Social. Social Web, Social Software, Social Community und jetzt auch noch Social Commerce? Was verbirgt sich hinter diesem Begriff. Wie kam es dazu. Wer sind die Akteure in diesem Bereich. Welche Geschäftsmodelle sind heiß. Wie positioniert sich die deutsche Social Commerce Szene auf internationaler Ebene. Was sind die Trends und Erfolgsfaktoren für die Zukunft und und und. Fragen über Fragen die mit Sicherheit nicht alle hier beantwortet werden können. Dennoch möchte ich mit dieser kleinen Analyse einen Einblick in die meiner Meinung nach wahnsinnig spannende Welt des „New“ Commerce geben. Den nicht nur Experten auf diesem Gebiet sind sich einig. Wer heute im E-Commerce die soziale Komponente links liegen lässt hat es in Zukunft schwer gegenüber der rasant wachsende Zahl von Social Commerce Startups einen glaubhaften Mehrwert gegenüber seinen Kunden zu kommunizieren. Denn die wollen laut einer Studie des Schweizer Gottlieb Duttweiler Instituts (GDI) eines besonders. Mitmachen. Deshalb suchen immer mehr Nutzer Rat bei anderen Kunden. Die Aufgabe der Social Commerce Geschäftsmodelle sollte es von daher sein, ihnen diesen Austausch auch zu ermöglichen. Ein Blick in die deutsche Szene beweist. Deutschland muss sich nicht verstecken und sitzt in einigen Bereichen sogar in der ersten Reihe.

E-Commerce in der New-Economy:

Ebay (gegründet 1995), Amazon (gegründet 1994) und Co. sind typische E-Commerce Unternehmen die in Zeiten der New Economy groß geworden sind. Schaut man sich deren Geschäftsmodelle an gab es unter anderem folgende Vorteile für den Kunden:

– Riesige Auswahl

– Flexibilität (24h Einkaufsmöglichkeit vom PC)

– Schnelle und unkomplizierte Lieferung ins Haus

– Produkte oft günstiger durch Kostenersparnissen der Unternehmen (Verkauf über das Internet)

Für den Kunden war das zu dieser Zeit ein nie dagewesener Mehrwert und er schlüpfte in die Rolle des passiven Konsumenten der die gewonnene Freiheit genoss, um sich in der bunten Online-Shopping Welt durch eine steigende Auswahl von Produkten zu klicken. Nach dem Zusammenbruch der New Economy setzte sich der Trend zum Online Shopping fort. Das Motto war allerdings „read&buy only“. Das sollte sich aber in den folgenden Jahren ändern.

Social Commerce im Web 2.0:

Wenn man die Entwicklung hin zum Social Commerce erläutern möchte kommt man um das Schlagwort Web 2.0 nicht herum. Denn erst die mit diesem Schlagwort betitelte Bewegung hat die Entstehung von Geschäftsmodellen in diesem Bereich überhaupt möglich gemacht. Definitionen zum Web 2.0 möchte ich euch an dieser Stelle ersparen. Dennoch ist die Nennung der Erfolgsfaktoren entscheidend und eine wichtige Grundlage für die Herausarbeitung der Merkmale von Social Commerce. Im großen und ganzen ist Web 2.0 eine Begriff der von O´Reilly geprägt wurde und eine ganze Reihe von Entwicklungen nach dem platzen der dotcom Blase beschreibt. Der Mensch ist von seiner Natur her ein soziales Wesen und von gegenseitigem Austausch, Kommunikation- und Mitteilungsbedürfnis geprägt. Dies war auch schon so in der Ära vor Web 2.0 und demnach nicht neu. Was sich in der neuen Ära allerdings verändert hatte waren die Rahmenbedingungen und die gestiegenen Ansprüche der Internetnutzer. Die Preise für Flatrate Verbindungen sanken und die Verbreitung von DSL-Anschlüssen stieg allein in den Jahren 2004-2007 um 167% und es wird bis 2010 ein weiteres Wachstum um 50% erwartet. Der Internetuser ist somit aus dem Dornröschenschlaf erwacht und bereit aktiv am Web mitzuwirken.

Mit dieser Entwicklung ging auch eine Veränderung des E-Commerce einher. Was in den USA schon brodelte, schwappte in der zweiten Hälfte des Jahres 2006 auch nach Deutschland über. Diese Verzögerung zur Web 2.0 Bewegung sei auch normal sagt Jochen Krisch vom Exciting Commerce Blog, der als Experte und Vorreiter für die neue Art zu shoppen gilt und sich wünscht, dass die Langeweile im E-Commerce durch mehr aktionsorientierte Komponenten und einem hohen Spassfaktor ersetzt wird.

Schon im Mai 2006 zeigte die Presse Interesse an diesem Thema und so berichtete die FAZ mit der Headline „Aus E-Commerce wird Social Commerce“ und profezeite das Ende der Monotomie durch große Anbieter. Ganz nach Web 2.0 hatten die Menschen einfach heraus gefunden, dass sie sich untereinander besser helfen können als Verkäufer es tun und begaben sich spielerisch auf Entdeckungsreise wie der Focus in einem Artikel Anfang des Jahres schrieb. Ebay, Amazon und Co. sind nicht für jeden Zweck gut geeignet, da ihr Angebot inzwischen derartig vielfältig und unübersichtlich geworden ist, dass es dem User immer schwerer fällt die für ihn relevanten Sachen zu finden. Die Suche nach Alternativen für Kunden und Händler bietet reichlich Nährboden und Nischen für neue Geschäftsmodelle. Sprach die FAZ im Mai noch von einer fehlenden Bereitschaft zum Wandel im Bereich E-Commerce spricht Jochen Krisch gegen Anfang diesen Jahres rückblickend auf das Jahr 2006 in seinem Blog von einer gewaltigen Innovationskraft im deutschen E-Commerce.

„Einkaufen mit Gemeinschaftsgefühl“, „Tupperparty im Netz“, „Mitmachshopping“ oder wie auch immer man Social Commerce beschreiben möchte. Eines ist Fakt. Der Trend ist heiß und eröffnet seinen Teilnehmern neue Perspektiven, Erfolgserlebnisse und bringt jede Menge Spass.. Der aktuellste Beitrag zu diesem Thema aus der Wirtschaftswoche vergleicht die Lage zu recht mit dem Treiben auf einem Wochenmarkt, auf dem jeder jede Rolle einnehmen kann. Mal Kunde, mal Berater, mal Verkäufer. Die neue Welt machts möglich und Platformen der Startups bieten die notwendigen Rahmenbedingungen. Der Kunde erledigt den Großteil der Arbeit von selbst. Sei es beim Empfehlen von Produkten (Edelight), suchen von Preisen (Dealjäger), gestalten von T-Shirts (Spreadshirt) oder verkaufen von Selbstgemachtem (Dawanda). Egal. Der Drang sich mitzuteilen, auszutauschen oder durch augeklügelte Provisonsmolle mitzuverdienen genügt um die notwendigen Communities um die Geschäftsmodelle entstehen, wachsen und aktiv werden zu lassen.

Die Anzahl der gegründeten Startups mit den unterschiedlichsten Ansätzen in Deutschland ist groß. Da tummeln sich Namen wie Dawanda, Dealjäger, Edelight, Spreadshirt, Hitflip, Schutzgeld, Yieeha, Shoppero, Tradoria, La Fraise usw. Einige sollen in den nächsten Teilen näher beleuchtet werden

Schlagwörter die man kennen sollte:

Social Commerce, Me-Commerce, Live-Shopping/ Woot, Long Tail, Crowdsourcing

Empfehlenswerte Quellen zum Thema Social Commerce:

Blogs:

Exciting Commerce Blog von Jochen Krisch

Gründerszene.de (ganz bescheiden, ab jetzt ;))

Bücher:

The Long Tail – von Chris Anderson

Die Neue Renaissance – von Douglas Rushkoff

Artikel:

FAZ – Mai 2006
Focus – Februar 2007
WiWo – Juni 2007

[Marko]