Erst am Freitag der letzten Woche berichtete Gründerszene über deutliche Entlassungen bei der Samwer’schen Zimmervermittlung Wimdu, nun wurde der Redaktion aus mehreren Quellen zugetragen, dass auch Konkurrent 9flats (www.9flats.com) Stellen abbauen musste. Die Frage liegt nahe, ob das Airbnb-Geschäftsmodell nicht nach einem Hype langsam auf dem Boden der Realität angelangt.
9Flats entlässt im Sourcing-Bereich
Gegenüber Gründerszene gab 9Flats-Gründer Stephan Uhrenbacher zu Protokoll, dass die Entlassungen von 9Flats “nicht in der Dimension” von Wimdu (www.wimdu.com) erfolgt seien – bei Heise heißt es, dass 18 Beschäftigte gehen mussten und nun noch rund 80 Mitarbeiter für 9Flats tätig sind. Bedenkt man, dass Wimdu 25 Mitarbeiter am deutschen Standort entließ (und weitere 20 international), hat sich auch 9Flats in ähnlichem Maße reduziert.
Ursache dieser Entlassungen sollen vor allem Learnings beim Geschäftsmodell gewesen sein. Glaubt man 9Flats-Gründer Uhrenbacher, wurden weniger Mitarbeiter beim Sourcing der Objekte (also der Akquise von Wohnungen für den eigenen Marktplatz) benötigt, weil das organische Wachstum besser gelingt, als gedacht. Die Demand-Seite – also die Wohnungsnachfrage der Nutzer – sei hingegen kritischer, weshalb der Mitarbeiterfokus in den Supply-Bereich verschoben wurde.
Wie auch Konkurrent Wimdu, ist 9Flats ebenfalls schnell gewachsen, sodass es nicht überrascht, das Phasen der qualitativen Selektion und entsprechende Lernprozesse einsetzen. Auf Sympathien treffen solche Maßnahmen in der öffentlichen Wahrnehmung dennoch nie und schnell steht die Frage im Raum, ob das gesamte Airbnb-Modell nicht doch zu sehr gehyped ist.
Sind Airbnb & Co. zu sehr gehyped?
Nachdem mit 9Flats nun der zweite deutsche Player Stellen streichen musste, liegt die Vermutung also nahe, dass sich das Zimmervermittlungsmodell in Deutschland beginnt zu konsolidieren. Die aggressive Expansion von Vorbild Airbnb (www.airbnb.de) könnte hier ebenso eine Rolle spielen, wie der Kostensenkungsbedarf aller Player, nachdem im Segment intensiv in Onlinemarketing investiert wurde. Auch Stephan Uhrenbacher meint gegenüber Gründerszene, dass sich das Segment etwas beruhigt, von Konkurrent Airbnb sei in der Praxis aber nichts zu spüren.
Inzwischen soll der Geldhahn in Sachen Onlinemarketing etwas weniger weit geöffnet sein und gerade Wimdu soll seine Marketing-Ausgaben gesenkt haben, heißt es in der Szene. Vermutlich konvertiert das Zimmervermittlungsmodell nicht so gut wie etwa ein Groupon CityDeal (www.groupon.de), sodass einige der Akteure ihre Strukturen umstellen. Als Indiz hierfür darf auch gelten, dass keiner der Anbieter aussagekräftige Zahlen herausgibt. Während von den deutschen Copycats ohnehin noch keine Aussagen getroffen wurden, gibt auch Airbnb seine Performance stets nur in vermittelten Nächten an.
Interessant ist vor allem eine Information, die Gründerszene dieser Tage aus den Wimdu-Reihen zugetragen wurde: Im Juni 2011 – also genau zu jener Zeit, als Airbnb mit einem Newsletter gegen Konkurrent Wimdu wetterte – soll Airbnb-CEO Brian Chesky gemeinsam mit einem VC die Büros von Wimdu besucht haben. Bisher ließ sich dieser Hinweis aus anderer Quelle nicht bestätigen, aber Verschwörungsfans dürfen hier natürlich dennoch spekulieren, ob es nicht unlängst eine Kooperation zwischen Airbnb und Wimdu gibt, die nun gemeinsam einen öffentlichkeitswirksamen Wettstreit anfachen…


Wow, der letzte Absatz ist ja der Hammer! Solid journalism – ganz kurz vor der BZ! Ich frage mich immer mehr, ob es hier um gründernahe Themen geht oder sensationsgeiles Gewäsch für 16-jährige BWL Studis?
Es wundert mich nicht wirklich. Dieses Geschäftsmodell ist zwar interessant, aber es werden nur Umsätze auf niedrigem Niveau gemacht. Mann kann recht schnell die Anzahl der vermietbaren Wohnungen in Deutschland einsehen. Die meisten Wohnungen wurden bisher nur einmal gebucht, dann kommt noch der geringe Durchschnittspreis hinzu und fertig sind kleine Umsätze. Selbst wenn die Hälfte der Wohnungen für großzügige 2 Nächte verbucht wurden, Preis Euro 50,- die Nacht und 30% der Zimmer 3mal vermietet wurden, komme ich nur auf einen Umsatz von Euro 15.000,- für 6 Monate. Hochgerechnet mit den anderen Ländern kann sich der Jahresumsatz dann auf nur Euro 200.000,- belaufen. Hier habe ich aber schon optimistisch gerechnet. Diese Summe wird aber pro 3 Wochen benötigt.
@Stiglitz: Ganz klar um sensationsgeiles Gewäsch für 16-jährige BWL-Studis – wir finden deren Stehkragenhemden so toll!
@Stiglitz:
Was soll denn dieser unqualifizierte Kommentar? Wenn du etwas kritisieren möchtest, dann bleib doch bei den Fakten. Beschwere dich nicht, wenn du selber nicht einmal Bild Niveau erreichst.
@Joel: Gutes Thema! Es wäre natürlich interessant noch konkretere Zahlen zu bekommen, aber es ist bestimmt schwer dort ranzukommen. Die Aufschlüsselung von “Vermieter” find ich ganz interessant. Vielleicht kann man so zumindest analysieren, auf welche Zahlen Wimdu und 9flats kommen müssen, um profitabel zu sein.
Vor allem 16-jährige Studis…
Vielleicht auch Vorschul-Dachdecker oder Kindergarten-Frisöre !
Man weiß es nicht…
Der Kommentar ist jedenfalls nicht viel besser als der letzte Absatz @Stiglitz…
ich verstehe noch immer nicht so ganz, was der unterschied zwischen normalen ferienwohnungen bzw. appartments und den Unterkünften bei Airbnb und Co sein soll..
Ich denke nicht, dass das Thema zwangsläufig “gehyped” sein muss und das Geschäftsmodell durchaus funktionieren kann.
Dass sich Wimdu und 9flats gerade von einer Menge Mitarbeiter trennen, mag ja auch zeigen, dass sie einfach viel zu viele Mitarbeiter von Beginn an eingestellt haben und jetzt feststellen müssen, dass sie mit der ganzen Manpower auch nicht schneller wachsen können.
Ich habe selber zu Studiumszeiten ein ähnliches Portal mit etwas anderem Fokus gestartet. Der Schlüssel zur Gewinnung neuer Nutzer (sowohl auf Mieter- als auch auf Vermieterseite) lag dabei im Abschluss von Kooperationen!
Wimbu, 9flats und auch Airbnb sollten einfach mal darüber nachdenken, Kunden welcher anderer Unternehmen/Branchen/Dienstleister/etc. ihren Service wirklich brauchen können. Wenn man jenen Firmen dann einen vernünftigen Mehrwert bietet, vermitteln diese ihre Kunden gerne sogar freiwillig an den eigenen Service.
Dann lässt sich ein solches Modell auch profitabel betreiben – und das mit 5 Personen!
Ein bisschen Hype ist meiner Meinung nach schon dabei. Schließlich haben wir es hier momentan mit einer neuen Gattung Gast und Vermieter zu tun. Die Zukunft wird zeigen, ob die Akzeptanz solcher recht privat vermieteten Unterkünfte(Teilweise gemeinsames Bad mit dem Vermieter, Schlüsselübergabe nach Termin, manchmal das Besucherritzengefühl zu haben) steigen wird.
Problem 2 ist die Gradwanderung bei der Legalität der Vermietangebote. Rechtlich dürfen nur in Mischgebieten Wohnungen gewerblich angeboten werden. In reinen Wohngebieten ist dies nicht erlaubt, dazu gab es gerade in Schleswig-Holstein interessante Zeitungsberichte.
Alles in Allem ist dies leider ein zu kleiner Markt gegenüber den klassischen Reiseportalen. Potential ist vorhanden, nur würde ich meine Wohnungen derzeit nicht über die neuen Portale anbieten. Das Preis/Leistungsverhältnis ist nicht Marktfähig.
Die Demand-Seite – also die Wohnungsnachfrage der Nutzer – sei hingegen kritischer, weshalb der Mitarbeiterfokus in den Supply-Bereich verschoben wurde.
macht total Sinn…
Der letzte Absatz von “Vermieter” ist das entscheidende… Airbnb & Co. erreichen sicher einige neue Mieter und Vermieter, erstmal. Letzlich ist’s aber dann doch nur ein Option unter vielen, die es schon lange gibt und schon gut eingespielt und etabliert sind und die teilweise deutlich niedrigere Vermittlermargen haben.
Wenn ich eine Wohnung extra für die Vermietung habe, dann wähle ich mir als Vermieter ein Portal aus, welches mir zu eine guten Preis viele Gäste vermittelt. Dies gelingt mittlerweile aber nur solchen Portalen, die eine gewisse Markttiefe erreicht haben. Der Gast ist es leid sich durch etliche Portal zu quälen welche jeweils nur wenig Anbieter gelistet haben.
Beispiel Sylt: Sylt hat über 65.000 Betten in der Vermietung und Airbnb und 9flats haben jeweils nur 3 Angebote und in diesem Sommer keine einzige Nacht davon vermietet. Wimdu ist garnicht auf Sylt vertreten. Der Hauptanteil(>90%) der 65.000 Betten sind Privatunterkünfte. Diese können jedoch wunderbar Ihre 7 Mio. Übernachtungen im Jahr gut Ohne 9flats und Co vermieten.
Da ist schon ein Riesenpotential vorhanden, aber der Onlinemarkt hat sich auch in über 10 Jahren entwickelt und kann nicht mal eben schnell neu verteilt werden.
[...] überrascht, das Phasen der qualitativen Selektion und entsprechende Lernprozesse einsetzen.» Auch 9Flats mit Entlassungen Xing Xing freut sich über fünf Millionen Mitglieder im deutschsprachigen Raum.Die Anzahl [...]
@Vermieter: Das airbnb Modell zielt primär ja gar nicht auf die bereits vorhandenen und vermittelten Privatzimmer, sondern auf den (bisher) komplett ungenutzten Bestand an normalen Wohnungen/Häusern von Privatleuten (und nicht speziell Ferienimmobilien).
Ich denke bei Ferienimmobilien ist der Markt bereits verteilt und der Airbnb-Ansatz ist da nicht disruptiv genug, als dass neue Anbieter unbedingt switchen.
Das Airbnb-Modell ist ok – in Deutschland dürfte ein einstelliges bis max. zweistelliges Mio. Business draus werden. Mrd. Bewertungen sind aber höchst lächerlich und Zeichen für völlig überzogene Unternehmensbewertungen.
@Maxe: Kann ich alles unterschreiben… aber, wieviel neuen Bestand gibt es in den Städten ?
Das airbnb Modell finde ich durchaus interessant und sehe auch gewaltiges Potential, aber bei den Kosten(für den Vermieter) mit der Tür ins Haus zu fallen, finde ich für ein Konzept welches auf Masse aufgebaut ist(muss) für mich als Vermieter erstmal zu teuer. Daher werden die professionellen Vermieter(>1 Wohnung) da so schnell nicht mitmachen.
Hinter den Entlassungen bei 9flats könnte auch eine Strategieanpassung stehen. Mit geändertem Anforderungsprofil sucht 9flats inzwischen wieder Leute (die Richtigen, diesmal).
Zeugt von Flexibilität und der Fähigkeit, schnell (und hoffentlich richtig) auf Marktinformationen zu reagieren.
Deutschen Start-ups ala 9flats kann man nur viel Erfolg im globalen Kampf wünschen…
[...] schade, wenn Menschen unverschuldet ihre Arbeit verlieren. Zuletzt sorgten die Startups Wimdu und 9Flats beim Wettkampf um die Gunst des Marktes für negative Schlagzeilen. Den zusammen rund 50 in [...]