Die Proteste zeigen Wirkung. Nach der langen Ruhe um das umstrittene ACTA-Abkommen gegen Raubkopien und Produktpiraterie kommt nun Bewegung auf. Aufgrund der umfassenden Proteste setzte erst Polen die Ratifizierung aus, nun folgen Tschechien und die Slowakei. Die Regierungschefs wollen zunächst prüfen, welche Auswirkungen das Abkommen auf die Bevölkerung habe. Verhindert wurde ACTA damit jedoch noch nicht. Für den 11. Februar kündigen Kritiker Demonstrationen an.
ACTA noch lange nicht gekippt
Das Handelsabkommen zur Abwehr von Fälschungen (ACTA, Anti-Counterfeiting Trade Agreement) wurde im Januar in Tokio von der EU-Kommission und Vertretern von 22 Mitgliedsstaaten unterzeichnet. Nach der Unterzeichnung muss das Abkommen noch vom Europaparlament und den nationalen Parlamenten gebilligt werden. Nach umfassenden Protesten ratifizierten die Regierungen von Polen, Tschechien und der Slowakei das Abkommen zunächst nicht.
Polen hatte die Ratifizierung des umstrittenenen Internetgesetzes nach anhaltenden Protesten und Demonstrationen als erstes Land ausgesetzt. Polens Premier Donald Tusk entschuldigte sich für die mangelnde Transparenz in der bisherigen Diskussion rund um ACTA. “Wir sind der Routine zum Opfer gefallen”, sagte er. “Mit ein bisschen Zeit und gutem Willen hätte ich mich mit den Nutzern des Internets (schon vorher) treffen können.” In Polen hatten Kritiker für Tage die Webseiten der Regierung blockiert, tausende Menschen gingen gegen ACTA auf die Straße. Nachdem auch Datenschützer Bedenken geäußert hatten, beauftragte Staatspräsident Bronislaw Komorowski eine Überprüfung des Gesetzes. Gleichzeitig betonte Tusk, die polnische Regierung werde ihre Unterschrift unter das ACTA-Abkommen nicht zurückziehen, “bloß weil eine Gruppe das fordert. Eine solche Regierung kann gleich zurücktreten”, sagte er. Es gelte, die westliche Kultur vor Internet-Piraterie zu schützen.
Auch in der Slowakei stoppt die Regierung vorerst die Ratifizierung des Abkommens. Wirtschaftsminister Juraj Miškov sagte zu dieser Entscheidung in einer Stellungnahme, er fordere eine breite öffentliche Debatte, bevor man die Acta-Vereinbarungen annehme. Er werde keinen Vertrag unterstützen, der Freiheitsrechte einschränke.
Fesselt ACTA das Internet?
ACTA – so betonen Kritiker immer wieder – könnte das Internet fesseln. Internet-Anbieter befürchten, dass sie durch ACTA zur Überwachung ihrer Netze gezwungen werden könnten. Mit dem internationalen Handelsabkommen wollen die großen Industriestaaten den Schutz geistigen Eigentums sicherstellen und ihre Standards weltweit verbindlich machen. Dazu gehören Regelungen, nach denen das Fälschen von Markenware unter Strafe steht und Urheberrechtsverletzungen im Internet verfolgt werden sollen. Die geheimen Verhandlungen laufen bereits seit 2008. Die teilnehmenden Parteien sind die Schweiz, die USA, die EU, Kanada, Japan, Korea, Singapur, Australien, Neuseeland, Mexiko, Jordanien, Marokko und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Kritiker fürchten, mit ACTA werde die Freiheit im Internet zugunsten der Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen eingeschränkt. ACTA sieht unter anderem vor, dass Internet-Anbieter für Urheberrechtsverletzungen von Kunden haftbar gemacht werden können. Zum einen sei zu befürchten, dass Druck auf Internetanbieter ausgeübt wird, Urheberrechtsverletzungen zu verfolgen oder allenfalls dafür zu haften. Das würde eine flächendeckende Überwachung und Zensurmaßnahmen durch die Provider erzwingen. Darüber hinaus würden die Strafverfolgungsbehörden bei der Verfolgung von möglichen Urheberrechtsverletzungen, zum Beispiel bei Tauschbörsen, zur Durchsetzung von wirtschaftlichen Interessen der Industrie zur Seite gestellt und somit tausende Bürger kriminalisiert werden. Das Abkommen wird deshalb häufig als “großer Bruder” der US-Gesetzesvorlage SOPA bezeichnet.
Gegner des Acta-Abkommens rufen am kommenden Samstag (11. Februar) zu Protesten in vielen deutschen Städten auf.


Rettet jetzt der Osten den Westen vor dem Abbau der Bürgerrechte?
für alle die nicht wissen was das ist :
http://www.youtube.com/watch?v=yWqta3S9vcc&feature=youtu.be
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,813571,00.html
Wir müssen uns über das Thema Urheberrechte unterhalten. Aber die Verteidigung von Monopolen kann wohl kaum die richtige Antwort sein.
Hey Jan,
interessanter Artikel! Was schlagt Ihr von Spiegel-Online vor um die Debatte weiter anzustoßen?
Nora
Ich finde gut, dass wenigstens Gründerszene über dieses Thema berichtet. ACTA ist irgenwie immer noch nicht in den wirklich großen Medien angekommen. Auch wenn hier und da mal darüber berichtet wird, einen richtigen Aufschreib erlebt man noch nicht. Nur die Filehoster und Streamingportale machen Mobil und informieren ihre Nutzer. Man nehme nur kinox.to als Beispiel.
Am Besten man unterstützt Initiativen wie:
http://www.antiacta.de
http://www.stopacta.de
http://www.stopp-acta.info
Viele Grüße
Gibts hier auch Zensur? warum wird mein Artikel nicht veröffentlicht?
Hallo Antiacta,
wir zensieren nicht. Wir schalten Kommentare allerdings erst nach Prüfung auf Werbung, Beleidigungen, usw. frei. Unabhängig davon konnte ich allerdings kein Kommentar von dir auffinden.
@ Antiacta: Da so viele Links in Deinem Kommentar waren, landete dieser im Spam-Ordner.
Hallo Nora und Georg,
der Kommentar war auch nicht böse gemeint. Hatte mich nur gewundert. Trotzdem danke für die Veröffentlichung.
Viele Grüße
@Nora-Vanessa Wohlert
Hättest du was dagegen wenn ich deinen Artikel bei mir auf der Arbeit teile (natürlich nach vorheriger Absprache mit dem Chef)
Mir geht es einfach nicht in den Kopf rein, wie viele Menschen über das Acta Abkommen uninformiert bleiben und nicht wissen was auf sie zu kommt oder nicht mal die chance haben sich ne Meinung drüber zu bilden, weil in den Medien so gut wie gar nichts an die breite Öffentlichkeit gelangt. Bin zur Zeit nur noch am Aufklären und ich finde deinen Artikel perfekt fürs “schwarze Brett” =)
Die Polen haben bereits gezeigt wie es geht, die wissen noch aus SOLIDARNOSCH-Zeiten das es Freiheit nicht gratis gibt, mit dieser kollektiven Erinnerung haben sie uns etwas voraus.
Deutschland spielt jetzt bis zur EM auf Zeit – ein äußerst durchsichtiges Manöver. ACTA ist doch nur die Spitze des Eisbergs und deshalb geht es morgen auf die Straße!
hier noch eine weitere Petition gegen ACTA:
https://www.accessnow.org/page/s/just-say-no-to-acta-ger
ACTA und Freiheit? Wie siehts aus mit dem Grundgesetz? Seit 50 Jahren wird die Freiheit immer weiter eingeschränkt. Endlich hat man ein vergleichsweise freies Medium Internet gefunden. Nun will man das letzte Refugium auch noch überwachen. Was soll das ganze?