Springstar, Airbnb, Klaus Hommels, Oliver Jung

Nachdem 2010 das Groupon-Thema die deutsche Internetszene beherrschte, gibt es dieser Tage kein heißeres Thema als den Wettstreit der verschiedenen Zimmervermittlungen. Und nachdem sich der US-Anbieter Airbnb (www.airbnb.de) schon seit Anfang des Jahres ein Wettrennen mit Wimdu (www.wimdu.com) und 9flats (www.9flats.com) liefert, wurde Gründerszene nun zugetragen, dass Airbnb fortan seine Internationalisierung in die Hände von Klaus Hommels und Oliver Jung legen will, die mit Springstar für diesen Zweck einen Inkubator in Berlin gegründet haben.

Wimdu konnte Airbnb bisher nicht einschüchtern

Es ist das altbekannte Problem erfolgreicher US-Webseiten: Ist es erst einmal gelungen, in den USA eine kritische Masse an Nutzern zu gewinnen und so einen Beleg für das Funktionieren des eigenen Geschäftsmodells zu entwickeln, steht eigentlich die Internationalisierung auf der To-Do-Liste. Dumm nur, wenn bereits ein Copycat auf europäischem Boden aktiv ist und die eigene Webseite detailgetreu nachbaut. In Sachen Ideenrechte lässt sich hier wenig bis nichts machen und gerade wenn es an der notwendigen Marktkenntnis fehlt, treffen viele US-Unternehmen eine Make-or-Buy-Entscheidung und kaufen die eigene Kopie für teures Geld auf.

Gerade Deutschland ist in diesem Segment durch die Samwer-Brüder Alexander, Marc und Oliver ein Beleg, dass diese Praxis immer wieder funktioniert, haben die drei Brüder doch bereits an Firmenverkäufen im Gesamtwert von über einer Milliarde US-Dollar partizipiert. Auch im Falle der privaten Zimmervermittlung Airbnb sind die drei Jamba-Macher schon aktiv geworden und haben mit Wimdu einen der größten Konkurrenten geschaffen – getreu dem Motto geschaut und nachgebaut.

Im Gegensatz zu vielen anderen US-Vorbildern wie etwa Groupon, das den Samwers 2010 ihren Klon CityDeal abkaufte, wurde Airbnb mit dem Aufkommen der deutschen Konkurrenz erst richtig aktiv und übernahm den deutschen Anbieter Accoleo, nachdem es sich zuvor in einem Newsletter über die Praktiken der Samwers beschwerte. Auch PR-technisch ließ Airbnb die Muskeln spielen, indem etwa mit einer Finanzierung über 112 Millionen US-Dollar geprotzt wurde. Nun soll Airbnb laut Informationen von Gründerszene seine Internationalisierung in die Hände von Klaus Hommels und Oliver Jung gelegt haben.

Airbnb setzt auf Springstar

Vermehrt trudelten nun Hinweise bei Gründerszene ein, die darauf hindeuten, dass der frisch in Berlin gegründete Inkubator Springstar die Internationalisierung von Airbnb vorantreiben wird. Glaubt man den Hinweisen aus der Szene, wird Airbnb einige zentrale Märkte wie Deutschland oder China selbst bearbeiten, viele andere Länder aber in die Hände von Klaus Hommels und Oliver Jung legen. Klaus Hommels wollte hierzu gegenüber Gründerszene auf Anfrage keinen Kommentar abgeben.

Die beiden Unternehmer haben mit BrandsAlliance bereits ein Netzwerk für das Shoppingclub-Modell sowie mit Group Buying Global eine Klonstätte für den Groupon-Ansatz geschaffen und sind weltweit aktiv. Vor allem Brasilien, die Türkei und Russland zählen zu den Fokusmärkten der beiden Unternehmer und könnten nun auch mit Airbnb-Ablegern bespielt werden. Im Gegensatz zu BrandsAlliance und Group Buying Global, wo Hommels und Jung jeweils mit eigenen unterschiedlichen Brands aktiv sind, soll die Internationalisierung von Airbnb unter der Marke des Vorbilds erfolgen und mit einem nicht näher spezifizierten Sharing versehen worden sein.

Im Vergleich zum Vorgehen von Wimdu beinhaltet dieser Ansatz wesentlich weniger Risiko für Springstar, die für ihre Dienste wohl mit entsprechenden Anteilen an Airbnb ausgestattet werden. Hommels und Jung sollen im Zuge ihrer Zusammenarbeit mit Airbnb auch in die amerikanische Privatzimmervermittlung investiert haben. Angesichts des geringen Risikos dürfte es allerdings eine überschaubare Anzahl an Shares sein, die den Berlinern zufließen.

Vor allem dürfte Springstar auch einem hohen Strike-Price unterliegen, das heißt Springstar partizipiert nur an dem, was es seit seinem Einstieg an Bewertungszuwachs geschaffen hat und dann auch nur zu seinem Anteil. Wichtig für Hommels und Jung ist es also, dass die bestehende Bewertung nicht zu hoch ist oder alternativ Airbnb noch stark weiter wächst. Ein kleines Rechenbeispiel: Wenn Springstar und sein Management fünf Prozent von Airbnb erlösen zu einer Unternehmensbewertung über eine Milliarde US-Dollar, erhalten sie bei einem Verkaufserlös von zwei Milliarden einen Verkaufserlös von 50 Millionen US-Dollar (fünf Prozent von zwei Milliarden minus eine Milliarde).

Springstar entwickelt Kopieren zu einem kooperativen Geschäftsmodell

Abgewickelt wird diese Kooperation wohl unter dem neuen Label Springstar (www.springstar.com), einem Inkubator, den Hommels und Jung in Berlin gestartet haben und der mit Lakestar (www.lakestar.com) auch bereits einen angegliederten Fonds entwickelt. Und auch wenn dort noch heißer gekocht als gegessen wird – bisher ist das Portfolio von Springstar wenig attraktiv und die vorgestellten Außenbüros stellen meist nur Kontaktadressen von Partnern dar – dürften die Berliner dennoch Expertise im Internationalisieren von Geschäftsmodellen und die entsprechenden Kontakte haben.

Vor allem ist diese Entwicklung aber aus einem anderen Grund interessant: Während gerade die Samwer-Brüder stets aggressiv auf US-Startups zugingen, um diese einzuschüchtern und eine Übernahme zu forcieren, setzt Springstar eher auf einen kooperativen Ansatz. US-Startups können auf das Roll-Out-Knowhow des Inkubators zurückgreifen und geben dafür einen Teil am Gewinn oder entsprechende Shares ab. Der Gedanke: Warum sollte ein europäischer Inkubator nicht von vornherein kooperativ das machen, was er gut kann? Kooperatives Kopieren könnte so also zu einem neuen Ansatz werden, bei dem US-Startups mit erfolgreichem Business-Modell und Inkubatoren mit belegbarem Marktknowhow zusammen arbeiten.

Für Airbnb ist diese Rechnung zumindest aufgegangen: Auch im Falle von Airbnb ließen die Samwers den gemeinsamen Verhandlungen mit Airbnb wohl einen Hinweis auf ihre Finanzierung über 90 Millionen US-Dollar vorausgehen – erfolglos. Airbnb wird so nun zum Präzendenzmodell von Springstar und es wird sich zeigen, ob dieser Prozess aufgeht und womöglich weitere Nachahmer findet.

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