Aka-aki, Finanzierungsrunde, Washout-Runde, Social-Network, Creathor

Aka-aki (www.aka-aki.com) ist wohl das StartUp mit den meisten Gründern in der deutschen Internetszene. Gleich acht Personen waren an der Gründung des Social-Networks beteiligt, das Nutzern mobil zeigt, welche Personen mit gleichen Interessen sich in ihrer Nähe befinden. Nun hat Aka-Aki eine Finanzierungsrunde durchgeführt, bei der die Anteile des Gründerteams überdurchschnittlich stark zugunsten der Investoren verwässerten.

Gründer verwässern zu je 53 Prozent an Aka-aki

Es ist ein wirklich harscher Einschnitt, der sich in den Anteilen des Gründerteams bestehend aus Gabriel Yoran, Roman Hänsler, Stefanie Hoffmann, Bastian Pfister, Florian Hadler, Lukas Hartmann, Felix Kanz und Anja Kielmann bemerkbar macht: Um beinahe 53 Prozent verwässsert jeder Einzelne (alle Gründer verfügen nun über 53 Prozent weniger Anteile, die sie zuvor hielten), sodass die Anteile der acht Gründer nur noch zwischen einem und fünf Prozent pro Person liegen. In Summe halten die Team-Mitglieder nun noch 16 Prozent von Aka-aki, in der Vergangenheit waren dies zuletzt noch 36 Prozent.

Auch die Minderheitsinvestoren Oliver Beste, Fabian Hansmann und Philip zu Solms büßten einige Prozentpunkte ein, sodass lediglich der Creathor Venture Fund und die französische Telekom-Tochter Innovacom ein Anteilswachstum verzeichnen konnten. Die beiden Investoren erhöhten ihre Aka-aki-Anteile um knapp 51 Prozent im Vergleich zur davorigen Gesellschafterliste auf 57 (Creathor) und 19 Prozent (Innovacom) und zählen somit zu den klaren (und praktisch einzigen) Zugewinnern der letzten Finanzierungsrunde in Sachen Unternehmensprozente. Es soll eine Finanzierungssumme im unteren Millionen-Bereich sein, die im Dezember 2010 noch einmal in Aka-aki geflossen ist. Das Unternehmen sei nun „in einer guten finanziellen Position, um die Zukunft zu gestalten und ausreichend finanziert“ heißt es aus dem Aka-Aki-Umfeld.

Bei einer Anteilsverwässerung diesen Ausmaßes liegt die Frage nach den Ursachen nahe. Für gewöhnlich sind solche Maßnahmen Beleg eines schlecht laufenden Unternehmens, schließlich hat kein Investor ein Interesse daran, die Gründer (und damit die treibenden Kräfte eines Unternehmens) durch zu geringe Beteiligungen zu demotivieren. Auch ein Management-Wechsel kann eine Ursache sein, doch verbindet sich dies häufig mit einer kompletten Auszahlung des ursprünglichen Teams.

Was ist der Grund der starken Verwässerung bei Aka-aki?

Gleich mehrere direkt Beteiligte verrieten gegenüber Gründerszene, dass eine schlechte Performance nur bedingt ein Grund gewesen sei. Das Social-Network von Aka-aki soll eine gute Perspektive bieten, während das angedachte Social-Game etwas in Verzögerung geraten sei. Glaubt man den Gerüchten, haben Creathor und Innovacom diese Entwicklungs-Verzögerung ausgenutzt, um mit kritischer Interpretation eine niedrige Bewertung durchzusetzen, die eigentlich nicht fair ist. Es sei ein „enttäuschendes Verhalten“ und ein „unschöner Stil“ gewesen, der hier praktiziert wurde.

Wenngleich die Bewertung von einigen Gründern als legitim empfunden wird, stellt sich die Frage, wann ein Unternehmen wie Aka-aki überhaupt einer Finanzierung bedarf. An und für sich ist dies nur der Fall, wenn das bestehende Kapital ausgeht, weiteres Wachstum angestoßen oder eine Kriegskasse als Rücklage angelegt werden soll. Letztere Varianten dürften bei einem kostenintensiven Mobile-Social-Network unwahrscheinlich sein. Und da gegenüber Gründerszene gleich mehrerorts von „harschen Überrumpelungstaktiken“ gesprochen wurde, darf also hinterfragt werden, ob Aka-aki einfach nur die berühmte Schwelle von Gründertum gen Management passiert hat oder ob dem Gründerteam mit einer Insolvenz als Alternative nicht eher die Pistole auf die Brust gesetzt wurde.

In der Darstellung von Creathor zeichnet sich ein anderes Bild: Gert Köhler und Christian Stein gaben gegenüber Gründerszene zu verstehen, dass die aktive Gründergruppe seine Anteile nur um rund fünf Prozent „dilutet“ habe und dass entsprechende Verwässerungen eher beobachterabhängig seien. Creathor sei weiterhin wichtig, dass Mehrwertbringer übermäßig beteiligt werden. In der aktuellen Gesellschafterliste ist von all dem jedoch nichts zu sehen. Das Gros der Anteile liegt in Händen von Creathor und Innovacom, alle Gründer büßten gleichermaßen Anteile ein. Und da die Gründer ihre Anteile bisher direkt hielten, ist eine treuhänderische Anteilsverwaltung eher unwahrscheinlich.

Entsprechende Prozentverluste sollen laut Creathor durch wahrgenommene (Vesting-)Optionen und entsprechende Inaktivität bei der Finanzierung herrühren. Da im Falle einer Vesting-Regel aber bestehendes Kapital verschoben und eher nicht – wie bei Aka-Aki geschehen – das Stammkapital aufgestockt wird, erscheint eine Vesting-basierte Begründung bei solch einer vorliegenden Verwässerungs-Intensität unplausibel. Und jungen Gründern die Anteile zu senken, wenn sie in einer zweiten millionenschweren Runde nicht mitziehen, gehört auch eher nicht zum Usus in der Szene. Es ist darüber hinaus denkbar, dass es über die Einbindung von Optionen zu einer ungleichmäßigen Verwässerung kommt. Das heißt jene Gründer, die weiter an Bord bleiben, könnten durch das Erreichen verschiedener Ziele weitere Prozente erhalten.

Wo geht es mit Aka-aki hin?

Nachdem Aka-aki nun mit der notwendigen Finanzierung aufwarten kann, sollen sowohl der Social-Network-Anteil – der nach eigenen Angaben von gut 500.000 Usern genutzt wird – als auch das Social-Game entsprechend weiterentwickelt werden. Zu diesem Zweck wurde mit Lukas Weber als Geschäftsführer auch noch einmal das Management verstärkt und demnächst wird wohl noch ein weiterer Geschäftsführer von Jamba! folgen. Lukas Weber war zuvor für das von Nokia übernommene Gate5 aktiv und ist von der Fokussierung her eher ein CTO, der auf die Skalierung von Software-Abteilungen spezialisiert ist. Auch der neue Geschäftsführer verfügt derzeit über keine direkt gehalten Anteile, hier wäre also eine bald anstehende Beteiligung von Weber denkbar.

Es dürfte also eine spannende Umstrukturierungsphase für Aka-aki werden, bei der das StartUp beweisen muss, ob es sich auf Dauer gegen Konkurrenten wie Facebook, Foursquare und Co. durchzusetzen vermag. Eine entsprechende Finanzierung und das notwendige Management-Knowhow scheinen nun an Bord, neben der Skalierung der Technik wird es fortan vor allem um Monetarisierung und Reichweitensicherung gehen.

Geht es nach Creathor, soll Aka-aki im Laufe von 2011 noch weiter ausgebaut und internationalisiert werden, wobei speziell die Monetarisierung ein wichtiger Eckpunkt wird. Hier sollen neben lokalisierter Werbung auch Premium-Dienste folgen, die eine Mitgliedsgebühr möglich machen. Zumal Aka-aki in Inhalt und Entstehung ein schönes Beispiel deutschen Unternehmertums darstellt, bleibt den Berlinern zu wünschen, dass dieser Plan aufgeht und Investoren-Praktiken, wie sie sich hier unbestätigterweise zugetragen haben, nicht die Runde machen und eine Ausnahme bleiben.

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