Amazon, Quidsi, Diapers.com, Soap.com, Beautybar.com

Während die deutsche E-Commerce-Szene derzeit vor allem im Shoppingclub-Segment und in Sachen Kinderprodukte brodelt, hat Handelsriese Amazon laut TechCrunch ein weiteres Mal zugeschlagen und die Onlineshops Diapers.com, Soap.com und Beautybar.com übernommen. Alle drei Seiten stammen aus der Feder von Quidsi und komplettieren nun das Produkt-Sortiment des E-Commerce-Riesen aus Seattle.

Amazon zahlt 540 Millionen US-Dollar für Diapers.com & Co.

Diapers.com, eine Webseite für das Bestellen von Kinderprodukten und Babyartikeln, allen voran Windeln, ist das Hauptprodukt von Quidsi und hat es letztes Jahr auf schätzungsweise 300 Millionen US-Dollar Umsatz gebracht. Im Juni dieses Jahres folgte dann mit Soap.com auch ein Ableger im Drogerie-Segment, bei dem Nutzer Seife und andere Kosmetikwaren erstehen können. Beautybar.com ist hingegen gerade mal eine Woche alt und hat sich Beauty-Produkten für Frauen verschrieben.

Der Kaufpreis von Quidsi soll bei rund 540 Millionen US-Dollar gelegen haben. Da Soap.com und Beautybar.com zu jung sind, um bereits größere Umsätze generiert haben zu können, dürfte Diapers.com der entscheidende Baustein der Übernahme gewesen sein. Für üblich werden Übernahmen dieser Art anhand einer Multiplizierung des Jahresumsatzes taxiert (Multiple) und bedenkt man den Umsatz von Diapers.com, entspräche dies einem Multiple von nicht einmal zwei.

Zuletzt ist Amazon das Segment von Diapers.com auch selbst mit einer aggressiven Preispolitik angegangen, was den Verkauf sicherlich befördert haben dürfte. Bedenkt man Amazons Aggressivität und den doch eher durchschnittlichen Multiple, darf durchaus hinterfragt werden, wie profitabel Diapers.com & Co. gearbeitet haben.

Quidsi und seine Investitionsgeschichte

Quidsi wurde 2005 in New Jersey von Vinit Bharara und Marc Lore gegründet und hat insgesamt 78,5 Millionen US-Dollar an Investitionen eingesammelt – bei der vermuteten Verkaufssumme ein Exit mit einer knappen Versiebenfachung des Invests. Zuletzt investierten im April Accel Partners, Bessemer Venture Partners, Pinnacle Ventures, Mentor Tech Ventures, BEV Capital und New Enterprise Associates 20 Millionen US-Dollar in Quidsi.

Mit seinem Exit hat Quidsi bewiesen, dass eine gut gewählte E-Commerce-Nische unter konsequenter Ausführung und mit optimierten Operations funktionieren kann. Allerdings hat Quidsi dafür auch fünf Jahre gebraucht und gleichzeitig sicherlich die Schwierigkeiten eines solchen Unterfangens erfahren. Stößt man in Dimensionen wie Diapers.com vor, entstehen hohe Kosten und ein Zwang zu Effizienz.

Amazons auf Expansionskurs

Amazon fiel zuletzt wegen einiger größere Akquisitionen auf: Nach der Übernahme des Schuhversenders Zappos für 1,2 Milliarden US-Dollar folgte erst kürzlich der Kauf des spanischen Shoppingclubs BuyVIP. Und auch das Liveshopping-Urgestein Woot! gehört bereits zum Portfolio von Amazon.

Damit deckt Amazon nun einige wesentliche Segmente im Onlinehandel potent ab: Schuhe, Fashion, Drogerieartikel, Medienträger sowie Bücher und dies auch mit Liveshopping- und Shoppingclub-Ansätzen. Man darf gespannt sein, wann sich die Kartellämter den Shoppingriesen einmal näher betrachten. Bis dahin dürfte die Amazon-Dominanz aber zusehends spürbar werden, immerhin wagt sich das Unternehmen auch zusehends in den Bereich Food vor.

Die Kauffreude der Amerikaner macht Amazon vor allem auch in Deutschland zu einem Übernahme-Kandidaten im E-Commerce-Segment. Immerhin findet sich hierzulande mit Zalando (www.zalando.de) ein rasant wachsendes E-Commerce-Unternehmen, das gleich mehrere von Amazons Produkten potent in Deutschland bespielt und für einen Exit in Frage kommt.

Zwar liegen Zalandos Umsätze mittlerweile so hoch, dass eine Übernahme inzwischen sehr teuer ist und nur noch für wenige Player in Frage kommt, doch die Samwers könnten als Investoren von BuyVIP auch einen guten Draht zur Truppe von Jeff Bezos haben. So auch so bleibt es spannend im E-Commerce-Segment und speziell Windeln.de (www.windeln.de) das sich Diapers.com zum Vorbild genommen hat, dürfte nun Rückenwind haben und weitere Aufmerksamkeit ziehen.

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