Gimahhot, Hitmeister, Gerald Schönbucher, Jan Miczaika, Jürgen Lankat

Es ist wohl der denkbar ungünstigste Zeitpunkt für Amazon, dank der Abschaltung von Wikileaks einen Großteil seiner Kunden zu vergrämen: Das Weihnachtsgeschäft ist im vollen Gange. Der geneigte Internetkenner mag sich daher fragen, ob nicht eventuell der ein oder andere deutsche Anbieter von diesem Sympathietief der US-Konkurrenz zu profitieren vermag? Und tatsächlich: Sowohl Gimahhot als auch Hitmeister – zwei vor allem auf Unterhaltungselektronik spezialisierte Shops – haben einige interessante News zu vermelden.

Gimahhot nach „Restrukturierungsmaßnahmen“ profitabel

In Sachen Onlineverkäufe ist aus Hamburg Neues zu hören: Die Online-Shopping-Plattform Gimahhot (www.gimahhot.de) hat im November 2010 erstmals einen positiven EBIT erreicht. Der im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 125 Prozent gestiegene Innenumsatz und umfassende Einsparungsmaßnahmen tragen laut Gimahhot maßgeblich zum Erreichen dieses Ziels bei.

„Dank umfangreicher Restrukturierungsmaßnahmen im Zuge der zweijährigen Wirtschaftskrise haben wir im letzten Monat erstmals in der Firmengeschichte einen positiven EBIT erzielen können, ein Jahr früher als zuletzt geplant“, fasst Jürgen Lankat, CEO der Gimahhot GmbH (ganz rechts im Bild), zusammen. Was als „Einsparungsmaßnahmen“ und „Restrukturierungsmaßnahmen“ von Gimahhot bezeichnet werden, meint vor allem auch die Entlassung einiger Mitarbeiter. So gibt das junge StartUp an, sich von 27 auf sieben Kernmitarbeiter reduziert zu haben – dies entspräche einer Mitarbeiter-Reduktion von beinahe 75 Prozent.

Gimahhot reduziert sich auf ein Viertel der Belegschaft

Da überrascht es nicht wirklich, dass eine Profitabilität früher als erwartet erzielt wurde. Auf Anfrage von Gründerszene gibt Jürgen Lankat zu bedenken, dass sich die Wirtschaftskrise am ehesten bei Elektronikprodukten bemerkbar macht, wie Gimahhot sie vorwiegend verkauft. Winkt die Erwirtschaftung eines Verlustes als Alternative, mag das Freistellen einiger Mitarbeiter plausibel erscheinen, die Entlassung von knapp drei Vierteln der Belegschaft wirft dennoch kein gutes Licht auf das Wirtschaften von Gimahhot.

Gimahhot, Hitmeister, AlexaNeben der Tatsache, dass auch Mitgründer Thomas Promny sich inzwischen auf andere Projekte wie RevenueMax (www.revenuemax.de) oder Picopay (www.picopay.de) zu fokussieren scheint, wirkt es, als sei das Börsenkonzept bei Gimahhot nicht wirklich aufgegangen. Gimahhot war mit dem Ansatz gestartet, dass Nutzer neben dem üblichen Sofortkauf auch um Preise feilschen können. Womöglich hat auch die Investorenschaft entsprechend Druck ausgeübt, sodass Gimahhot nun in einer harten E-Commerce-Realität angelangt ist. Denn auch wenn das Internetkaufhaus im Dezember dieses Jahres seinen 350.000sten Kunden willkommen hieß und bisher gut 32 Prozent mehr Bestellungen verzeichnete als im Vorjahreszeitraum, überzeugt dessen Performance nur bedingt, wie auch ein Blick bei Alexa zeigt (Google Trends liefert hier keine aussagekräftigen Daten).

Trotz guter Performance: Jan Miczaika verlässt Hitmeister gen Wooga

Auch bei Hitmeister (www.hitmeister.de) dem E-Commerce-Ableger der Tauschplattform Hitflip (www.hitflip.de) gibt es Neuigkeiten: Zum Jahresende wird Gründer Jan Miczaika (ganz links im Bild) das Unternehmen aus Köln verlassen. Schon seit dem Sommer soll diese Entscheidung festgestanden haben, nun wird auch öffentlich kommuniziert.

Die Performance von Hitmeister und seiner älteren Schwester Hitflip soll jedoch kein Grund für den Weggang Miczaikas sein: Über 3.000 angebundene Händler will Hitmeister derzeit aufweisen, die mehr als eine Million Besucher pro Monat versorgen. Damit bringt es Hitmeister auf ein Angebot von  mehr als neun Millionen Artikeln, von denen derzeit über 2.500 pro Tag verkauf werden sollen. Seit dem September dieses Jahres gibt das Unternehmen an, Break-Even zu sein.

„Das hat definitiv nichts mit der Geschäftsentwicklung zu tun. Hitmeister entwickelt sich prächtig, wir verzeichnen im Moment jeden Tag Rekorde und der Umsatz wächst stark. Wir haben sehr gute Beziehungen mit vielen Händlern und die neuen Kategorien entwickeln sich sehr erfreulich. Man könnte fast sagen, dass wir den berühmten „Tipping-Point“ erreicht haben, wo sich alle Beziehungen gegenseitig verstärken“, erklärt Jan Miczaika gegenüber Gründerszene.

Hitmeister mit Break-Even im September

Bereits seit fünf Jahren ist Jan Miczaika für Hitmeister/Hitflip aktiv, was in Internetjahren gerechnet zirka dreißig realen Jahren entsprechen dürfte (Zeit in einem StartUp mal 5,1). Da ist es nicht wirklich verwunderlich, dass der junge IT-Leiter sich nun nach neuen Herausforderungen sehnt, die ihm die Chance auf eine entsprechende Weiterentwicklung bieten.

„Der Bereich, den ich derzeit leite (IT), ist auf dem Personalstand von 2007. Mehr Mitarbeiter sind auch nicht notwendig, die Technik steht. Die BWL-Seite, um die sich Gerald Schönbucher (in der Bildmitte) kümmert, entwickelt sich hervorragend und ich möchte diese Entwicklung auch nicht gefährden, indem ich Bereiche übernehme. Am Ende glaube ich, dass ich eine Grenze erreicht habe, was ich bei Hitmeister lernen und erreichen kann, und möchte mich neu orientieren“, resümiert Miczaika.

Neuer CTO wird der bisherige Chefentwickler Youssef Yasmine, während Karsten Tralst zum Leiter Marketing befördert und einige weitere Neueinstellungen vollzogen wurden. Und auch Jan Miczaikas neue Beschäftigung steht schon fest: Ab dem 01. Januar wird Miczaika Head of Operations beim Berliner Social-Games-Anbieter Wooga (www.wooga.com). Wenn es darum geht, Amazon in Deutschland zum Weihnachtsgeschäft den Rang abzulaufen, scheint Hitmeister also deutlich besser aufgestellt. Das Unternehmen wächst und hat auch laut Alexa eine gute Performance hingelegt, wenngleich Amazon natürlich auch weiterhin in anderen Dimensionen schwebt.

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