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Es ist ein schöner Verkauf, weil er inhaltlich einfach irgendwie passt, sich Synergien ergeben und – vielleicht das wichtigste – das Gründerteam damit zufrieden ist. Gleichzeitig ist es aber auch ein Exit, der in seinem Umfang eher enttäuscht als begeistert: Wie gestern zu erfahren war, kauft das Business-Netzwerk Xing (www.xing.com) den Online-Ticketing-Anbieter Amiando (www.amiando.com) zum Gesamtpreis von 10,35 Millionen Euro.

Warum verkauft Amiando jetzt? Warum so günstig?

Es darf ehrlicherweise gesagt werden, dass Irritation in der Gründerszene-Redaktion herrschte ob des überraschenden Verkaufs – eine Irritation, die sich erst nach einem längeren Telefonat mit Gründer Felix Haas klären ließ und wohl vor allem aus dem Zeitpunkt und der Höhe des Exits herrührte. Glaubt man Haas stimmte nicht nur das Timing, sondern auch die in Aussicht stehenden Synergien begeisterten das Team aus München.

Dennoch: Ad hoc mag der erste Gedanke bei einem solchen Verkauf sein, dass Amiando in Schwierigkeiten steckt, gehört Amiando doch zu den professionell geführtesten StartUps Deutschlands und scheint auf starkem Wachstumskurs. Gründerszene löcherte daher Felix Haas: Treibt es amerikanische Konkurrenten auf den europäischen Markt? Stimmen die Umsätze nicht? Bleibt die Finanzierung aus? Jeden dieser Gründe konnte Felix Haas im Gespräch ausschließen. Es sei die Aussicht auf eine größere User-Base und die Chance auf viel versprechende Synergien gewesen, welche die Amiando-Macher zum Verkauf bewegten.

Amiandos Exit – Toll für’s Team, oll für die Investoren?

Glaubt man Felix Haas, ist das Team von Amiando mit dem Verkauf sehr zufrieden: “Die Reichweite der Xing-Plattform vereint mit der Technologie und Marktposition von Amiando im Segment der Business-Veranstaltungen stellen die perfekte Kombination dar, um den Xing-Mitgliedern zeitnah neue und relevante Mehrwerte zu liefern – und als gemeinsames Team dieses Business systematisch schnell weiter auszubauen.”

Ein Exit sei dabei zunächst einmal gar nicht geplant gewesen. Eigentlich plante man im Hause Amiando eine weitere Finanzierung einzugehen, war man doch auch beinahe profitabel. Mit dem Angebot von Xing sollen dann wohl doch eine für das Team viel versprechende Verkaufssumme und die notwendigen Motivationsschübe für die Zukunft zusammen gekommen sein.

Von Außen betrachtet ist ein Exit von gut zehn Millionen Euro dennoch kein Meilenstein der deutschen Internetgeschichte – besonders, da es nur 5,1 Millionen Euro sofort gibt. Den Rest von bis zu 5,25 Millionen Euro soll es bis Ende März 2013 geben. Es dürfte dabei eine Art Earn-Out-Regelung für das Team von Amiando geben und die restliche Summe wird “in Abhängigkeit von verschiedenen Voraussetzungen” ausgezahlt. So erscheint es etwas, als sei dem Team die Lust oder auch die Luft auf dem Weg zu einem Exit, der Amiandos Qualität gerecht wird, ausgegangen.

Besonders den Investoren dürfte ein Verkauf zu diesem Zeitpunkt und in dieser Höhe allerdings nicht sonderlich schmecken. In zwei Finanzierungsrunden hat Amiando bisher Kapital von Wellington Partners und AdInvest eingesammelt und auch Angel-Investoren wie Stefan Glänzer oder Lukasz Gadowski von Team Europe Ventures sind bei Amiando an Bord. Speziell große VCs wie Wellington bleiben sonst wesentlich länger investiert und verkaufen zu einem späteren Zeitpunkt zu höheren Summen. Dass Wellington und AdInvest die Übernahme durch Xing wohlwollend abgenickt haben, darf also bezweifelt werden.

Synergien zwischen Xing und Amiando

Bei allen Unkenrufen über die Höhe der Verkaufssumme bleibt dennoch festzuhalten, dass die Synergien zwischen Amiando und Xing durchaus deutlich vorhanden sind. Für Amiando bietet sich fortan die Möglichkeit, auf eine wesentlich größere User-Base zuzugreifen und so noch schneller und nachhaltiger an Reichweite zu gewinnen. Amiando kann auf diese Art den nächsten Schritt in seinem Wachstum nehmen. Derzeit soll das StartUp aus München laut eigenen Angaben einen einstelligen Millionenumsatz pro Jahr einfahren und beinahe profitabel arbeiten. Zukünftig könnte diese Umsatzzahl um eine Stelle ergänzt werden. Mit Xing im Rücken kann Amiando nun mit etwas Glück zum europäischen Marktführer für das Ticketing von Business-Events werden.

Xing, für das der Kauf von Amiando einer Make-or-Buy-Entscheidung gleich gekommen sein dürfte, kann seines Zeichens sein Produkt weiter diversifizieren und bietet so nicht nur ein sinnvolles Tool für die bei Xing sehr gefragten Events, sondern auch einen weiteren Monetarisierungskanal. „Künftig können wir unseren Mitgliedern die effiziente Abwicklung aller dafür erforderlichen Prozesse einschließlich Registrierung, Ticketausstellung und Abrechnung integriert anbieten. Wir erschließen uns damit einen sehr attraktiven und schnell wachsenden Markt”, meint Xing-Vorstandschef Stefan Groß-Selbeck zur Übernahme.

Fazit: Ein Exit, der wohl allen außer den Investoren schmeckt

Es ist wohl vor allem die Begeisterung über Amiandos exezellente Execution – immerhin war das StartUp auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vertreten und brachte es zu exklusiven Kooperationen mit Facebook – die ein wenig Enttäuschung über den Exit aufkommen lässt. Wenn ein reines Copycat wie StudiVZ bei seinem Verkauf alleine dem Hauptgründer eine genauso hohe Summe beschert, warum vermag dann ein neuartiges Konzept wie Amiando, das auch noch sehr gut executed wurde, nicht mehr?

Bei aller Irritation sollte wohl aber auch nicht vergessen werden, dass das Amiando-Team mit seinem Deal sehr zufrieden ist und in Kombination mit Xing echten Mehrwert für viele Nutzer liefern kann –  genau darauf kommt es ja an. Felix Haas & Co. passieren gerade den wichtigsten Punkt ihrer unternehmerischen Karriere und es bleibt zu wünschen, dass Xing es versteht, Amiandos Assets nachhaltig im Markt zu etablieren, um endlich einmal gut ausgeführte Innovation made in Germany europaweit zu exportieren. Das Potenzial dazu haben Amiando und sein Team wohl definitiv.

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