Bamarang Westwing

Der Kampf der Design-Shoppingclubs ist in Deutschland längst zu einem kraftvollen Schlagabtausch avanciert, doch nun scheint es bereits ein erstes und erwartetes Opfer zu geben: Laut Hinweisen, die Gründerszene exklusiv vorliegen, soll der unter großen Kontroversen gestartete Samwer-Shoppingclub Bamarang (www.bamarang.de) eingestellt werden. Muss Bamarang nun zugunsten der hausinternen Konkurrenz Westwing (www.westwing.de) aufhören?

Bamarang: Einstellung aufgrund von viel Wettbewerb?

Im Januar gestartet, sorgte der Samwer’sche Design-Shoppingclub Bamarang von Beginn an für Aufruhr: Mit Bamarang schickten die Samwers erneut einen Klon ins Rennen, der sich optisch und funktional sehr dicht an seinem US-Vorbild – in diesem Falle Fab – anlehnte. Praktisch zeitgleich startete ein weiterer Design-Shoppingclub aus der Feder von Christophe Maire: Monoqi (www.monoqi.de) lockt seither mit ganz ähnlichem Aufbau Nutzer, die an Designprodukten interessiert sind. Vervollständigt wird diese Gilde auf dem deutschen Markt durch Flavs (www.flavs.de) sowie Casacanda (www.casacanda.com), welches im Februar durch das US-Vorbild Fab für kolportierte zehn Millionen Euro überommen wurde. Wird dieser kompetitive Markt nun zum Verhängnis für Bamarang?

Laut Informationen von Gründerszene wird der Samwer’sche Design-Shoppingclub Bamarang nun zugunsten von Westwing eingestellt. Glaubt man einem direkt Beteiligten, wird derzeit der Löwenanteil der Bamarang-Mitarbeiter wieder zu Westwing übergesiedelt. Am gestrigen Tag führte die Geschäftsführung angeblich Einzelgespräche mit den Mitarbeitern von Bamarang und gab den Rest des Tages frei – womöglich um die Ereignisse besser verdauen zu können. Als Grund gibt besagte Quelle an, dass “die Investoren kein Geld mehr [in Bamarang] reinstecken wollen.”

Auf Anfrage von Gründerszene bestätigte Westwing-Geschäftsführer Stefan Smalla, dass man sich im Zuge seiner umfangreichen Finanzierung dazu entschieden habe, die personellen und finanziellen Ressourcen auf das stärkere Geschäftsmodell – in diesem Falle Westwing – zu fokussieren.

With the recent funding of 50 million US dollars, we have reviewed with our investors how to focus our activities on the most winning business model/markets. We have thus decided to concentrate on the Westwing business model (i.e. home & living shopping club targeted mainly at 25-55 year old women), where we have established clear number 1 positions in key markets like Germany, Brazil, Italy, or Russia. As a consequence, we will phase out Bamarang and focus our resources (people and money) 100 percent on Westwing, which we see as the stronger business model of the two. This will allow us to build ‘fortress’ market positions in the emerging home & living e-commerce market and deploy our substantial new funding on the largest growth opportunities.

Zum Konstrukt von Bamarang und Westwing

Die Entstehung der Produkt-Ehe von Bamarang und Westwing war für Samwer-Verhältnisse eher ungewöhnlich: Der Münchner Shoppingclub Westwing entstand im April letzten Jahres unter der Ägide von Holtzbrinck Ventures (www.holtzbrinck-ventures.com) und orientierte sich an der US-Plattform One Kings Lane (www.onekingslane.com). Oliver Samwer soll sich lange gegen eine entsprechende Kopie gewehrt haben, ließ sich dann aber anscheinend vom Fortschritt des vierköpfigen Gründerteams bestehend aus Delia Fischer, Georg Biersack, Tim Schäfer und Matthias Siepe überzeugen.

Während sich Westwing als hochwertiger Shoppingclub für Wohnaccessoires positionierte, entstand mit Bamarang ein Design-Shoppingclub als zweite Marke, um das Design-Ende des Möbel-Spektrums abzugrasen. Designerangebote zu überschaubaren Preisen (Bamarang) trafen so auf Wohnaccessoires in zeitlich begrenzten Aktionen (Westwing) und schienen eine sinnvolle Produktgemeinschaft zu ergeben. Mit der Marke Bamarang war Westwing neben Deutschland bereits in Australien, Brasilien, Großbritannien, Indien, der Türkei und Frankreich am Start und rollte das Konzept somit praktisch weltweit aus. Insofern galt die Samwer-Gründung als ernst zu nehmendster Konkurrent von Fab.

Keine Experimente: Wird Bamarang in Westwing migriert?

Nun soll Bamarang aufgrund der unterschiedlichen Dynamiken beider Märkte eingestellt wird. Das Westwing-Segment soll merklich weniger kompetitiv sein, sodass die personellen Ressourcen von Bamarang wohl zukünftig hier zum Einsatz kommen werden. An der Marke Bamarang dürfte nicht weiter festgehalten werden. Fraglich bleibt, ob mit der Einstellung von Bamarang auch personelle Einschnitte folgen werden. Bisher scheint es, dass alle Mitarbeiter zu Westwing wechseln, während die Marke Bamarang womöglich auf kleiner Flamme am Leben gehalten wird. Doch mit Home24 bliebe den Samwers ja auch noch eine andere Anlaufstelle im “Furnitza”-Segment, die zum Unterbringen von Mitarbeitern mehr als taugt.

Fab-Gründer Jason Goldberg hatte in einem Blogpost schon zur Gründung von Bamarang gewarnt, dass dem Unterfangen keine lange Halbwertszeit beschieden sei: “Bamarang und die anderen Copycats seien gewarnt. Das Kopierprinzip funktioniert hier nicht, Nutzer durchschauen den Abklatsch. Solche Vorgehensweisen mögen vielleicht in anderen Bereichen funktionieren, aber nicht in der Design-Branche.” Was zur Gründung von Bamarang noch als Unwissenheit von Goldberg über die Execution-Macht der Samwers belächelt wurde (auch von Gründerszene wohlgemerkt), scheint sich nun bewahrheitet zu haben.

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