Bid-Management, Adspert, Klingel Versand

Nachdem sich in Sachen Online-Marketing in den letzten Jahren immer mehr Bewegung und Professionalisierung gezeigt hat, stellt das so genannte Bid-Management aktuell eines der nach wie vor heiß umkämpften Themen unter Marketing-Experten dar. Gründerszene hat interessante Beteiligungsgerüchte im Segment aufgeschnappt und stellt dazu auch kurz einige wesentliche Akteure vor.

Bid-Management strukturiert SEM-Kampagnen

Unter dem Begriff Bid-Management wird allgemein eine Art des Anzeigenverwaltungstools im Bereich SEM verstanden, das in der Regel auch über eine entsprechende Reportingqualität verfügt. Will ein Startup Anzeigen bei Google schalten, um über SEM Traffic auf seine Seiten zu bringen, gibt es neben den Google-Filtermöglichkeiten verschiedene Bid-Management-Tools, die es erlauben, eine Search-Kampagne so auszusteuern, dass die zahlreichen verfügbaren Keywords möglichst optimal konvertieren.

Bid-Management gehört somit also in den Bereich des Performance-Marketings und unterstützt dabei, dass für zehntausende von Keywords die Konvertierung des CPC-getriebenen SEM-Kanals mit den eigenen CPO-Anforderungen zusammengebracht wird. Oder vereinfacht ausgedrückt kann via Bid-Management der pro Klick bezahlte Google-Traffic so optimiert werden, dass sich dies auch in Verkäufen auf der eigenen Seite gegenrechnet. Idealerweise sind diese Systeme auch selbst-lernend und berücksichtigen saisonale Effekte (wie etwa wenn im Sommer verstärkt nach Outdoor-Artikeln gesucht wird) ebenso wie Onsite-Daten (beispielsweise die eigene Bounce-Rate oder die Verweildauer der Nutzer).

Da SEM einen sehr starken Online-Marketing-Kanal darstellt, ist das Thema Bid-Management unter Marketern durchaus präsent und es gibt bereits einige Tools in diesem Bereich. Ganz billig sind diese Systeme nicht unbedingt: In seiner Standardvariante verlangt etwa der Anbieter Adspert fünf Prozent des Werbeumsatzes bzw. mindestens 490 Euro pro Monat – in der Assisted-Version sind es dann 5,5 Prozent bzw. 1.490 Euro monatlich.

Im Falle von Adspert überträgt das Gründungsteam Stockmarket-Ansätze aus dem Finanzsegment auf den Onlinebereich – schließlich funktioniert Googles SEM-Konstrukt ja auch nach dem Börsenprinzip – und  ist damit  ein wenig onlinefremd entstanden. Für Neugierde sorgen die Berliner im Markt damit anscheinend dennoch, zumal mit dem Klingel Versand ein deutscher Konzern an einem Einstieg bei Adspert interessiert sein soll.

Steigt Klingel bei Adspert ein?

Laut Informationen von Gründerszene, soll K-New Media (www.k-newmedia.de) – der Corporate-Venture-Capital- und E-Commerce-Inkubator des Klingel Versands – an einem Einstieg beim Berliner Anbieter Adspert (www.adspert.de) interessiert sein. Bisher machte der Klingel Versand in Sachen Internet nicht unbedingt mit überzeugenden Konzepten von sich reden und erweckte eher den Eindruck, einen bisher verpassten Zug noch erwischen zu wollen. Dass sich der Versandriese aus Pforzheim nach Investments wie etwa in LadenZeile nun für ein innovatives Strukturthema wie Bid-Management interessiert, ist daher schon ein wenig überaschend.

Auf Anfrage von Gründerszene bestätigte Adspert-Geschäftsführer Marcel Pirlich, dass Gespräche über eine Finanzierung mit Klingel geführt würden, dass sich diese allerdings noch im Anfangsstadium befinden. Vor allem der amerikanische Markt sei eher interessant für die Gewinnung eines Strategen. Dabei wäre ein Einstieg von Klingel durchaus interessant angesichts der bisherigen Konstellation im Bid-Management-Segment: Mit Bertelsmann Digital Media Investments (BDMI, www.bdmifund.com) hält bereits ein großer Medienkonzern gut 21 Prozent an Adspert und auch Adsperts Wettbewerber verfügen bereits über entsprechende Strategen im Gesellschafterkreis.

Konkurrenzkampf im Bid-Management-Segment

Mit einem Einstieg bei Adspert würde sich der Versandriese in einen extrem angesagten Bereich des Online-Marketings einkaufen, bei dem auch schon verschiedene große deutsche Player mitwirken. Neben Bertelsmann, das sich bei Adspert engagiert, ist auch der Holtzbrinck Verlag über Holtzbrinck Digital (www.holtzbrinck-digital.com) am Thema Bid-Management dran. Gut 31 Prozent hält Holtzbrinck Digital am Konkurrenzanbieter Refined Labs (www.refinedlabs.com), gemeinsam mit Sixt e-Ventures, dem Beteiligungsarm der Autovermietung Sixt, die mit zehn Prozent am Münchner Unternehmen beteiligt ist.

Auch Corporate Finance Partners (CFP, www.cfpartners.com) ist über eine 14-Prozent-Beteiligung bei IntelliAd (www.intelliad.de) in Sachen Bid-Management aktiv, wo der M&A-Anbieter von der mit rund 8,4 Prozent beteiligten Impera Total Return AG (www.impera.de) finanziell unterstützt wird. Auch der frisch gegründete Otto-Inkubator Project A Ventures (www.project-a.com) könnte perspektivisch  an einer internen Lösung im Bereich Bid-Management arbeiten.

Doch damit nicht genug: Mit einigem Argwohn dürften die deutschen Bid-Management-Akteure derzeit auch in die USA schauen, wo Adobe mit der Akquisition von Efficient Frontier seine Digital Marketing Suite entsprechend erweitert hat. Amerikanische Akteure wie eben Efficient Frontier oder das von SAP Ventures mit 30 Millionen US-Dollar finanzierte Marin Software werden also sicherlich auch den deutschen Markt genau beobachten.

Bildmaterial: S. Hofschlaeger  / pixelio.de