Bigpoint Übernahme, 350 Millionen Übernahme, 600 Millionen Bewertung, Wooga, Gameforge, Fliplife, Plinga, Zynga, Playdom, Heiko Hubertz, Arthur Bastings, TA Associates, Summit Partners, GMT Communications Partners, Peacock Equity Fund, NBC Universal

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass Heiko Hubertz, Gründer und CEO von Bigpoint (www.bigpoint.net), zuletzt auf Gründerzene über den Status quo bei der Browserspieleschmiede gesprochen hat. Gestern war es dann mal wieder an der Zeit, Großes zu verkünden: Laut einer Pressemitteilung haben sich die beiden US-Investoren TA Associates und Summit Partners mit einem 350 Millionen US-Dollar (rund 239 Millionen Euro) Investment die gemeinsame Mehrheitsbeteiligung an Bigpoint erkauft.

US-Investoren übernehmen die Mehrheit an Bigpoint

Es sind bei weitem nicht alle Machenschaften in der deutschen Internet-Szene, auf die man hierzulande stolz sein kann. Wenn sich eine Branche aus globaler Sicht aber als State of the Art hervorgetan hat – oder zumindest mit der in den Staaten mithalten kann – dann ist es wohl die Online-Games-Branche. Unternehmen wie Wooga (www.wooga.com), Gameforge (www.gameforge.de), GameDuell (www.gameduell.de) und Travian Games haben in den vergangenen Monaten immer wieder von sich reden gemacht, und teilweise mit erstaunlichen Erfolgsgeschichten auch auf internationalem Parkett für Aufmerksamkeit gesorgt.

Und auch Bigpoint mischt hier merkbar mit: Bereits Ende 2002 gegründet, gehört Bigpoint fast schon zu den Urgesteinen der Branche, und will es mittlerweile zur „weltweit führenden Plattform für Online-Games“ gebracht haben. Ob das so der Wahrheit entspricht, sei mal dahingestellt – die Zahlen jedenfalls sprechen für sich: Die Bigpoint GmbH beschäftigt heute über 700 Mitarbeiter in vier Ländern, macht nach eigenen Angaben einen dreistelligen Millionenumsatz und versorgt mit über 80 verschiedenen Browser- und Downloadgames ganze 190 Millionen registrierte User.

Zahlen, die offensichtlich auch die beiden Wachstumskapitalgeber aus den USA, TA Associates und Summit Partners, beeindruckt haben. Denn die haben nun ganze 350 Millionen US-Dollar (rund 239 Millionen Euro) für die Mehrheitsbeteiligung an Bigpoint springen lassen, wobei die Bewertung des Unternehmens laut Financial Times Deutschland auf 600 Millionen US-Dollar (rund 410 Millionen Euro) geschätzt wird.

350 Millionen US-Dollar für das Sagen bei Bigpoint

Die Höhe des Investments darf hier aber nicht mit einer klassischen Finanzierungsrunde verwechselt werden. Von den 350 Millionen Dollar wird der größte Teil für die Übernahme der Anteile fällig geworden sein, die zuvor von GMT Communications Partners (GMT) und dem Peacock Equity Fund, einem Joint Venture von NBC Universal, gehalten wurden. Die Investorengruppe hatte im Juli 2008 für 70 Millionen Euro die Mehrheit an Bigpoint übernommen. Dennoch kann man davon ausgehen, dass dieses Mal zumindest ein Teilbetrag als Wachstumsfinanzierung in das Unternehmen geflossen ist. Die Frage die dennoch bleibt, – und auch in der Pressemitteilung nicht beantwortet wird – ist, warum der Wechsel der Investoren vollzogen wurde.

Offiziell ist in der Pressemitteilung von einer Rekapitalisierung die Rede, worunter bei private-equity-finanzierten Unternehmen das Ersetzen von relativ teurem Eigenkapital durch zinsgünstigeres Fremdkapital zu verstehen ist. Trotz der Veränderung von Anteilseignern und Kapitalstruktur, eine Sache hat sich nicht geändert: Der Gründer und CEO Heiko Hubertz hält nach wie vor 30,5 Prozent der Anteile an Bigpoint und dürfte sich entsprechend über die aktuelle Bewertung des Unternehmens gefreut haben. Dem Vernehmen nach wird Bigpoint auch weiterhin von Hubertz geführt, der seit diesem Monat durch Arthur Bastings (Co-CEO) an der Spitze unterstützt wird.

Online-Games: Wachstumsmarkt mit großem Potenzial

Wo aber geht es hin mit der Branche und den immer zahlreicher werdenden Akteuren? Laut offizieller Aussage will Bigpoint mit Hilfe der neuen Investoren ein „weiteres starkes globales Wachstum“ befeuern – und verfolgt damit das Ziel, „den Wert von einer Milliarde US-Dollar zu übersteigen und das führende Unternehmen für Online-Games auf der Welt zu werden“. Das sind optimistische Ziele, die angesichts der aktuellen Entwicklungen am Markt aber nicht zwangsläufig unrealistisch sind.

Dass der Markt für Onlinegames aller Art boomt und stetig wächst, ist mit Blick auf die zehn Milliarden US-Dollar-Bewertung von Zynga und die Übernahme von Playdom durch Disney wohl unstrittig. Dennoch scheinen sich bereits Teilbereiche heraus zu kristallisieren, die von anderen Unternehmen aggressiv und mit Erfolg bearbeitet werden, obwohl diese teilweise erst seit ein oder zwei Jahren am Markt aktiv sind. In diesem Zusammenhang sei vor allem die Sparte Social-Games genannt, bei der Bigpoint leider den Anschluss verschlafen hat.

Trotzdem könnte sicherlich auch Bigpoint in diesem Segment noch Marktanteile gut machen, würde hier mal über den Tellerrand von Browser– und Downloadgames geschaut werden. Es würde sich dann die Make-or-Buy-Frage stellen, wobei der Aufkauf eines viel versprechenden Startups eine lohnenswerte Sache sein könnte, um durch den Aufbau eines entsprechenden Bereichs nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Und auch die Internationalisierung dürfte in diesem Segment eine bedeutende Rolle spielen. Online ist nunmal jeder User mobil, so dass den Zielgruppen in anderen Ländern die gleiche Bedeutung zukommt wie der heimischen.

Stark kompetitiver Markt der nach Internationalisierung schreit

Damit einher geht ein internationaler Wettbewerb zwischen allen Anbietern von Online-Games, der es in sich haben dürfte. Nicht nur in Deutschland schießen diese nämlich wie  Pilze aus dem Boden, auch in Asien erscheinen immer mehr Anbieter auf der Bildfläche – allein in China konnten die führenden Unternehmen schon 2009 ein doppelt so großes Umsatzvolumen generieren, wie die entsprechenden europäischen Konkurrenten. Und seit dem ist einiges passiert. Um die eigenen User also als aktive Benutzer bei der Stange zu halten, dürfte vor allem die Innovationskraft der Unternehmen entscheidend sein, um den Bedarf nach neuen Spielen und Formaten zu decken.

Bigpoint tut also gut daran, die begonnene Internationalisierung weiter zu verfolgen, die mit der Eröffnung von Büros in den USA und Brasilien bereits begonnen hat – und dann die lokalen Vorlieben der User in ihren Spielen zu berücksichtigen. Gerade deshalb wäre es spannend zu erfahren, was aus der vor zwei Jahren erwähnten Asien-Erweiterung des Geschäftsmodells geworden ist. Damals war Bigpoint gerade mit dem ersten Spiel in China an den Start gegangen, danach ist es um das Thema allerdings erstaunlich ruhig geworden.