Blase oder nicht Blase, dass ist hier die Frage…?
Hmmm, gerade lese ich im vc-facts-Newsletter: ‘Holtzbrinck gründet Inkubator für digitale Dienste’. Und weiter heißt es: ‘Mit Holtzbrinck eLab investiert die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck in die Entwicklung und den Aufbau von digitalen Diensten, die sich über das Internet und mobile Endgeräte an den Endverbraucher richten.’
Vor ein Paar Tagen haben mich zwei angehende Gründer mit einer Geschäftsidee besucht, um meine Meinung zu hören und zu sehen, ob ich potentiell an einem Investment interessiert bin. Die beiden hatten sich ein zweifelsohne interessantes Marktsegment im Internet ausgesucht. Ihr Konzept hatte gute Ansätze, war aber noch nicht ausgereift. Einen Prototypen oder so gab es nicht, lediglich eine gute Präsentation und einige Concept-Screens. Die beiden hatten ein wenig, aber nicht besonders viel Berufserfahrung – aber definitiv High Potentials mit den sehr hohen Opportunitätskosten (Banking, Consulting – you name it). Bewertungsvorstellung für die Erstrundenfinanzierung ihres neuen Ventures? Schlappe drei Millionen Euro.
Dem einen oder anderen kommt das sicherlich bekannt vor.
Auf der anderen Seite gab es interessante Folien auf einer CEO-Konferenz von Benchmark Capital Anfang diesen Jahres im Silicon Valley: Für fünf Technologien wurden Wirtschaftszyklen verglichen und in Phasen eingeteilt. Die Kernaussage war, dass Boom-Bust-Zyklen auch aus anderen Technologien schon bekannt sind und das nach dem großen Crash zunächst viele Jahre der eigentlichen Wertschöpfung erfolgten. Beispiel Eisenbahnen: vor dem Crash waren gerade mal 2.148 Meilen Gleise verlegt worden, nach dem Crash mehr als 20.000 Meilen.
Blase oder nicht Blase, dass ist hier die Frage…
Über den Autor Lukasz Gadowski:
Lukasz Gadowski Lukasz hat in paderborn, Mannheim, Leipzig (HHL) und am Georgia Tech BWL und Wirtschaftsinformatik studiert.Er hat gemeinsam mit Matthias Spieß spreadshirt gegründet und groß gemacht. Ferner ist Lukasz auch Co-Founder von StudiVZ.Derzeit inkubiert/ investiert er in Internet Unternehmen in frühen Phasen.Unter anderem beteiligt an: amiando.de, imedo.de, hitflip.de, dawanda.de, brands4friends.com, absolventa.de uvm. (Deutsche Startups dürfte noch ein paar mehr gelistet haben und es einigermaßen aktuell halten...).Lukasz hat auch Gruenderszene.de gegründet. Er gilt somit als Vater der Gründerszene in Deutschland ;)



Meiner Meinung nach befinden wir uns definitiv im Aufbau einer neuen Blase. Meinem Eindruck nach gibt es wieder zu viel Geld an der Seitenlinie und alle versuchen eingewechselt zu werden. Das Problem ist, dass dadurch auch Gründungen finanziert werden, die kein Geschäftsmodell haben. Im Unterschied zur letzten Blase gibt es jetzt noch keine, im großen Stil publik gewordenen, Exitträume via Börse. Ich halte das Buzzword-Bingo zum Thema Web 2.0 für recht problematisch, da i.d.R. keine wirklich guten Geschäftsmodelle, wenn überhaupt vorhanden, hinter dem Ganzen stehen. Es fehlt meistens an gut durchdachten Geschäftsmodellen und an VCs die das Konzept eines guten Geschäftsmodells verstanden haben. Meinem Eindruck nach sind die VC-Geber besonders erfolgreich, die das Konzept Geschäftsmodell wirklich verstanden haben und es nicht als Buzzword benutzen.
Jeder hat ne Liste mit 50 sehr guten Ideen. Das Problem: Nur mit einer kann man im Internet ein profitables (!), rechtlich einwandfreies (!) und langfristig erfolgreiches Geschäft aufbauen. Das wirkliche Problem sehe ich in vier Faktoren: 1. Die meisten Gründer sind BWLer 2. Die meisten BWLer können nicht erkennen welche Informatiker wirklich gut sind 3. Die meisten Kapitalgeber verstehen das Internet nicht. Ergo: Es ist nur eine Frage der Zeit bis die nächste Pleitewelle auf uns zurollt. Meine Wette: Youtube macht den Anfang.
Müssen wir und denn schon wieder warm anziehen? Haben wir nichts aus der .COM-Krise gelernt? Ist Web 2.0 wirklich so neu? Es ist nicht leicht, diese Fragen entgültig und abschliessend zu beantworten. Was mich aber etwas optimistisch macht ist die Tatsache, dass – bleiben wir bei Holtzbrinck elab – dieses Mal Leute und Unternehmen am Start sind, die sich, so hoffen wir, auskennen! Keine pickligen Jungs, die ne Idee haben, aber nicht wissen, wie das Geld rein kommen soll. Deshalb schaue ich das sehr gespannt, was kommt. Give Web 2.0 a chance!
Ich habe es vor ein paar Tagen schon mal an anderer Stelle geschrieben. Lasst uns nicht nach neuen Geschäftsmodellen suchen, sondern lasst uns die neuen technischen Möglichkeiten nutzen um die alten Geschäftsmodelle endlich sinnvoll und besser umzusetzen.
P.S. Die Sache mit dem x-ten Kontradieff ist wohl auch schon überholt. :-)
Ich suche zwar keine 3 Millionen. Deine profunde Meinung intessiert mich trotzdem.
http://www.stylecars.de – Tuning 2.0
Ich find dieses Statement in diesem Zusammenhang nicht schlecht: “Except for Google’s share price, this looks a lot more like hype around Web 2.0 than a bubble. It is not a bubble until taxi drivers start giving hot stock tips, dontcha know.”
Quelle: http://swissventures.blogspot.com/2005/11/bubble-what-bubble_29.html
[...] Manch ein Bubble 1.0 Beobachter (oder Traumatisierter) philosophiert bereits über den Start und die Ausmasse einer möglichen Bubble 2.0 (so auch z.B. gründerszene). Bei Swissventures hab ich einen guten Spruch dazu gefunden (datiert vom 29.11.2005): Except for Google’s share price, this looks a lot more like hype around Web 2.0 than a bubble. It is not a bubble until taxi drivers start giving hot stock tips, dontcha know. [...]
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