Brands4Friends, Shoppingclub, Sergio Dias, Christopher Maas, Sebastian Klare

Es wurde zuletzt nicht viel Gutes über Brands4Friends (www.brands4friends.de) geschrieben. Nach anscheinend spürbarem Missmanagement musste der Berliner Shoppingclub eine Zwischenfinanzierung – zu nach Expertenaussagen unterirdischer Bewertung – einlegen und auch im Management veränderte sich einiges. Nun gab Brands4Friends eine Pressekonferenz zu den kommenden Neuerungen und präsentiert, wie zukünftig das Wachstum vorangetrieben werden soll.

Brands4Friends’ Ausgangsposition

Kleiner Rückblick: Mitte des Jahres machten Gerüchte um finanzielle Schwierigkeiten die Runde beim Berliner Shoppingclub, obwohl kurz zuvor erst viel versprechend Handelsriese Tengelmann bei Brands4Friends eingestiegen war. Im August machte dann Deutsche Startups erstmals öffentlich, was viele schon getuschelt hatten: “Es gab Verzögerungen im Zahlungslauf.” Zum damaligen Zeitpunkt wurden buchhalterische Versäumnisse als Grund der eigenen Probleme angeführt.

Das Management und die Investorenschaft leiteten eine Finanzierung ein und stellten so die Liquidität des Shoppingclubs wieder her. Aus unternehmensnahen Kreisen hieß es währenddessen auch, dass diese Finanzierung für den weiteren Ausbau in England genutzt werden sollte. Besonders die Erfahrung von Handelsexperte Tengelmann dürfte hier wichtig gewesen sein, die Mülheimer gelten als Profis in Sachen Business-Operations.

Das operative Gründerteam, das von Brands4Friends mit Constantin Bisanz, Christian Heitmeyer, Mario Zimmermann und Nicolas Speeck angegeben wird, ist bis auf Speeck, der mittlerweile zu Street One Fashion gewechselt ist, nicht mehr voll operativ an Bord, ist aber noch unterstützend für Brands4Friends tätig. Als neuer Geschäftsführer wurde inzwischen Sergio Dias eingeführt. Nach dem Verkauf von BuyVIP an Amazon dürften auch bei Brands4Friends die Leitungen geklingelt haben. Zwar dürfte die letzte Bewertung eher gering ausgefallen sein, doch das Shoppingclub-Segment erfährt derzeit einen Konsolidierungsboom und Brands4Friends ist als einer der wenigen großen Shoppingclubs noch nicht an ein großes Netzwerk angedockt. Nun wurde in Berlin vorgestellt, wie der Shoppingclub die Zukunft angehen will.

Neues Management und neue Strategie bei Brands4Friends

Brands4Friends-CEO Sergio Dias persönlich stellte gestern in Berlin die Wachstumspläne von Brands4Friends vor und lässt in der zugehörigen Pressemitteilung süffisant zusammenfassen: “Vier Eckpunkte zum nachhaltigen Ausbau der Marktführerschaft in Deutschland”. Diese vier Eckpunkte sollen wie folgt aussehen:

  1. Erweiterung des Produktangebots: Das Produktangebot von Brands4Friends darf wohl als sehr breit gelten und soll noch erweitert werden, um zukünftig noch mehr Aktionen fahren zu können und eine gewisse Abwechslung zu bieten. Ende des Jahres sollen Diamanten und weitere Automobil-Verkaufs-Aktionen folgen.
  2. Ausbau des Kernbereichs Marketing: Die Neukundengewinnung und die noch stärkere Aktivierung der Bestandskunden soll durch eine am Kunden ausgerichtete, integrierte Marketingstrategie erreicht werden.
  3. Ausbau des Kernbereichs Operations: Die Zusammenarbeit mit dem zusätzlichen Logistikdienstleister „Fiege“ soll bei Brands4Friends für verbesserte Abläufe sorgen und mehr Planungssicherheit, kürzere Lieferzeiten sowie effektivere und kostengünstigere Prozesse bringen.
  4. Top-Kunden-Programm: Ab Januar nächsten Jahres plant Brands4Friends die erste Phase eines mehrstufigen Top-Kunden-Programms. Bausteine hiervon sollen ein höherer Servicelevel, die Verbesserung der Erreichbarkeit via Telefon und E-Mail, die Betreuung durch einen persönlichen Kundenberater, spezielle Geschenke sowie der Zugang zu exklusiven Events sein.

Entsprechend siegessicher gibt sich Sergio Dias, CEO von Brands4Friends: „Brands4Friends ist eine Verkaufsmaschine, die zunehmend als regulärer Absatzkanal erkannt und bereits von mehr als 600 Markenherstellern genutzt wird. Die Kaufkraft unserer 4,5 Millionen starken Community und der Absatz von täglich bis zu 33.000 Artikeln zeigen das riesige Potenzial und die Durchschlagskraft von Brands4Friends.“

Christopher Maaß und Sebastian Klare wechseln zu Brands4Friends

Zeitgleich verstärkt sich Brands4Friends ab 01. November 2010 im Management mit Christopher Maaß, der zuletzt bei Rocket Internet als CMO sowie als Marketingdirektor bei eBay tätig war, und Sebastian Klare, der bisher als Head of eCommerce & Portals für das Online Geschäft bei s.Oliver verantwortlich war.

“Neu geschaffene Positionen im Top-Management” heißt es hierzu, wobei die beiden E-Commerce-Spezialisten mit Sergio Dias beim Einleiten einer neue Wachstumsphase helfen sollen. Doch ein Geschäftsführerposten wurde den beiden nicht vergönnt. Unternehmensnahe Stimmen sprechen beiden Neuzugängen dennoch eine ausgeprägte Kompetenz im E-Commerce-Segment zu.

Brands4Friends, Shoppingclub, Sergio Dias, Sebastian Klare, Christopher Maaß

„Ich habe zahlreiche E-Commerce-Unternehmen in den unterschiedlichsten Wachstumsstadien begleitet. Klar ist, Brands4Friends hat sehr großes Potenzial und ist definitiv eines der spannendsten E-Commerce-Unternehmen, die man derzeit auf dem europäischen Markt findet,“ gibt sich Christopher Maaß begeistert. Constantin Bisanz, Gründer von Brands4Friends, kommentiert diese Neueinstellungen positiv: „Mit viel Herzblut haben wir Gründer die Basis für ein erfolgreiches und langfristig profitables Unternehmen gelegt – jetzt reichen wir das operative Zepter weiter. Ich bin stolz und glücklich, dass wir Sergio Dias als CEO sowie hochkarätige Neuzugänge wie Maaß und Klare gewinnen konnten […].“

Fazit: Aufgeräumte Prozesse und der Blick in die Zukunft

Es wurden sich augenscheinlich viele Gedanken bei Brands4Friends gemacht, wie sich das operative Geschäft wieder ankurbeln lässt und auch personell wurde der Apparat soweit glatt gezogen, dass der Shoppingclub wieder sattelfest sein dürfte. Positiv: Bisher kam es anscheinend zu keinen größeren Entlassungen, andere StartUps haben bei deutlich weniger Problemen eine ganze Reihe Mitarbeiter entlassen.

Lässt der Berliner Shoppingclub die Schönmalerei einmal beiseite und konzentriert sich wieder auf die Optimierung seines Kerngeschäfts, könnte es wieder bergauf gehen. Genug Exit-Kandidaten scheinen ja vorhanden – unternehmensnahe Kontakte sprechen von zahlreichen Verkaufsinteressenten. Doch wer käme für einen Kauf von Brands4Friends in Frage? Sicherlich strategische Investoren wie Vente-Privee, eBay oder amerikanische Player wie die Gilt Groupe oder RueLala, aber womöglich auch größere Private-Equity-Fonds, die an einer Marktkonsolidierung interessiert sind. Vor allem das Thema Internationalisierung dürfte nun wieder vermehrt auf der Agenda stehen, wird der europäische Markt doch mit Playern wie Vente-Privee und Amazon immer enger und das deutsche Wachstumspotential immer geringer (Stichwort Mail-Überflutung). Als rein deutsches Produkt wäre es den Berlinern zu wünschen, das sie wieder wachsen und ihre Probleme hinter sich lassen – der Grundstein dazu wurde nun gelegt.

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