Ganz knapp vor dem Festagshöhepunkt des Jahres darf sich die deutsche Internetszene noch einmal über einen Exit freuen: Shoppingriese eBay geht auf Shoppingtour und übernimmt Deutschlands größten Shoppingclub Brands4Friends (www.brands4friends.de) für 150 Millionen Euro.

Brands4Friends-Exit: 150 Millionen Euro von eBay

Schon seit längerem soll an dem gemeinsamen Deal gewerkelt worden sein, nun ist es offiziell: In der Nacht unterschrieben eBay und die Brands4Friends-Führung einen Kaufvertrag über 150 Millionen Euro. Ebay hatte zuvor eine intensive Prüfung von Brands4Friends vorgenommen und augenscheinlich keine Probleme gefunden, die eine Übernahme hätte verhindern können – eine Auszeichnung für die gute Arbeit des Teams.

Zum Vergleich: Einzelhandelsriese Tengelmann soll zu einer Bewertung von einhundert Millionen Euro bei Brands4Friends eingestiegen sein und erstand zehn Prozent des Berliner Shoppingclubs. So vermochten es die Mülheimer nun wohl, eine Wertsteigerung von 50 Prozent bei ihrem ersten Internet-Investment zu verzeichnen. Dabei soll es einen richtigen Bieterkampf um Brands4Friends gegeben haben, bei dem auch andere Shoppingclubs und Private-Equity-Firmen beteiligt gewesen seien sollen. Es soll sich aber im Sinne der Internationalisierung und des weiteren Wachstums bewusst für eBay entschieden worden sein.

Insgesamt kann sich die deutsche Internetszene also über einen der größten Exits der letzten Jahre freuen und das nach einer Entwicklungszeit von gerade mal rund drei Jahren. Mit eBays 85 Millionen aktiven Nutzern dürfte so nun ein neuer Abschnitt für Brands4Friends erreicht sein, der dem Berliner Shoppingclub eine enorme Reichweite eröffnet und eBays ausgewiesene Marketingkompetenzen an die Seite stellt. Mit dem Kauf soll eBay auch die Brands4Friends-Anteile des britischen Shopping-Clubs SecretSales sowie den Japan-Ableger von Brand4Friends übernehmen.

Stimmen zum Brands4Friends-Exit

Entsprechend zufrieden präsentiert sich auch Gründer Constantin Bisanz auf Anfrage von Gründerszene: “Ich bin ungemein stolz auf das tolle Team von Brands4Friends, das in so kurzer Zeit so viel erreicht hat. Wir sind Ende 2007 zu Viert an den Start gegangen und dass nun so ein hochkarätiger Internetriese wie eBay das Ruder übernimmt, ist eine Auszeichnung für das Team. Vor allem haben wir uns auch bewusst für eBay entschieden, um das weitere Wachstum und eine nachhaltige Marktführerschaft für Brands4Friends zu sichern – eBay bietet hier die größten Kompetenzen und wird den Spirit und die Brand von Brands4Friends aufrecht erhalten.”

Auch Brands4Friends-CEO Sergio Dias kommentiert die Übernahme positiv: „Mit eBay haben wir den für uns perfekten Partner gefunden, um gemeinsam mit unseren Herstellerpartnern massiv zu wachsen. Denn Brands4Friends wird von eBays  langjähriger E-Commerce-Expertise, Erfahrung in der Mobile-Technologie und insbesondere von den Besucherströmen, die eBay für uns generieren kann, profitieren. So werden wir unsere Mitgliederanzahl von heute 3,5 Millionen deutlich erhöhen und somit unser Absatzpotenzial enorm steigern.“

Bei eBay verspricht Geschäftsführer Stephan Zoll die Eigenständigkeit von Brands4Friends zu wahren und Synergien zu entwickeln: “Mit unserer hohen Reichweite können wir zusätzlichen Traffic für brands4friends generieren und so zum weiteren Wachstum der Brands4Friends Community beitragen. Unseren Kunden wiederum können wir Zugang zu noch mehr attraktiven Angeboten hochwertiger Modeartikel bieten, sofern diese Mitglieder der brands4friends Community werden. Gegenseitig werden wir unser Geschäftswachstum fördern und unterstützen können. Dabei wird Brands4Friends als eigenständige Einheit innerhalb der eBay-Familie operieren.“

Shoppingclubs treten in eine neue Phase

Es ist ingesamt Bewegung im Shoppingclub-Segment: Auch E-Commerce-Riese Amazon kaufte sich erst kürzlich bei einem Shoppingclub ein und übernahm den spanischen Anbieter BuyVip (www.buyvip.com). Nun zieht eBay nach – welche Ansprüche verbinden sich mit dieser Übernahme?

Im Bereich der Shoppingclubs lässt sich beobachten, dass sich das Marktgleichgewicht immer mehr hin zu großen Marken verschiebt und das Wachstum weniger wird (siehe etwa die Entwicklung von Vente Privee). Zwar wächst das Shoppingclub-Segment immer noch, aber die Dynamik von Shoppingclubs wird eine andere (via Exciting Commerce): “The first phase was about speed of execution, the next phase will be about scale and cash”, prognostizierte Max Bleyleben jüngst in seinem Blog.

Der steigende Konkurrenzdruck macht das Geschäft für Betreiber und Investoren zunehmend kostspieliger, weil die Akquise von Nutzern immer höhere Marketingbudgets erfordert – da passt ein reichweitenstarke Investor wie eBay gut in die Strategie von Brands4Friends. Gleichzeitig nutzen die verkauften Marken ihre Marktmacht aus und zwingen den Shoppingclubs höhere Abnahme-Stückzahlen auf – schließlich lauert die Shoppingclub-Konkurrenz schon um die Ecke. Insofern dürfte BuyVIP die gute Marktposition von Amazon in Sachen Einkauf sehr zugute kommen, während Brands4Friends auch eBay das Segment edler Marken eröffnet. Bisher fehlte eBay ein solcher Zugang zum Teil.

Fazit: eBay und Amazon werden auf Marken setzen

Amazon und eBay werden mit ihren Akquisitionen daher wohl auf die Marken setzen, die sie sich eingekauft haben. Derzeit bilden Vente-Privee in Europa und die Gilt Groupe in den USA die großen Player aus und der Markt verträgt evtl. noch einen oder maximal zwei weitere Mitspieler in seiner Konsolidierungsphase.

Es wird also für BuyVIP und Brands4Friends nun darum gehen, die internationale Verbreitung weiter voranzutreiben und unter Ausnutzung der Wettbewerbsvorteile ihrer Käufer die eigenen Marken noch bekannter zu machen. Brands4Friends dürfte die Übernahme also für seine weitere Entwicklung sehr gut tun und für die Investoren (und die deutsche Internetwirtschaft) einen zufriedenstellenden Abschluss bedeutet haben.

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