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Es sind die Margen im Optiker-Geschäft, die Anbieter wie Brillen.de, Brille24, Mister Spex oder Eyemade locken. In Frankreich geht der Brillen-Anbieter Sensee nun in die Offensive: Mit 17,5 Millionen Euro von Partech International und anderen Investoren sollen die bestehenden (Offline-) Anbieter zuerst in einen Preiskampf und dann in die Knie gezwungen werden.

Brillen online: Sensee startet Preiskampf

Das Thema Brillen online hat hierzulande bereits häufiger zu kontroversen Diskussionen geführt: Eigentlich ist eine Brille etwas sehr persönliches – sie muss zum Gesicht, zur Kopfform und zum Typ passen und darf den Träger nicht bei der Sicht einschränken. Und sie ist Geschmacksache. Alles in allem also müsste die neue Brille etwas sein, was typischerweise im Geschäft anprobiert, der Freundin gezeigt und möglicherweise angepasst werden will. Und doch: Mit Brillen.de (www.brillen.de), Brille24 (www.brille24.de), Mister Spex (misterspex.de) oder Eyemade (www.eyemade.de) haben sich hierzulande gleich eine ganze Reihe von Online-Anbietern aufgestellt, um teils mit (wenigen) Ladengeschäften, teils ohne den Platzhirschen Fielmann und Apollo Konkurrenz machen wollen.

Aber auch in anderen Ländern scheint die Branche zu boomen. In Frankreich hat gerade der Brillen-Versender Sensee stattliche 17,5 Millionen Euro an neuen Mitteln auf sich ziehen können. Geldgeber sind neben dem französisch-amerikanischen VC Partech International (www.partechventures.com) mehrere Business Angels und zwei weitere Fonds: Idinvest und Orkos. Der Anspruch des französischen Optiker-Startups ist derweil kein geringer: die Preise für Kontaktlinsen und Brillen auf die Hälfte des offline verlangten Summen zu bringen. Oder anders formuliert: Das Unternehmen will die traditionellen (Offline-)Anbieter in einen Preiskampf zwingen.

Gegenwärtig hat das 2011 gegründete Jungunternehmen nach eigenen Angaben rund 200.000 Kunden, womit man sich als Marktführer im französischen Online-Optikergeschäft darstellt. Das Volumen des Marktes schätzt man auf insgesamt fünf Milliarden Euro – womit Sensee noch erhebliches Potenzial zur Verfügung stehen würde. Für den Preiskampf sieht man sich gut gewappnet: Ohne eigene Filialen hofft das Jungunternehmen, mit einer deutlich geringeren Fixkostenbasis die Offline-Wettbewerber übertrumpfen zu können.

Erfolg bislang hauptsächlich bei Kontaktlinsen

Betrachtet man den Markt etwas genauer, fällt allerdings eine Tücke in Auge: Wie auch im deutschen Markt haben sich Niedrigpreis-Strategien bislang nämlich hauptsächlich bei Kontaktlinsen durchgesetzt. Hier beansprucht Sensee bereits die Marktführerschaft. Schwieriger stellt sich das Geschäft bei (Sonnen-)Brillen dar, insbesondere weil hier letztendlich doch das Aussehen eine Rolle spielen dürfte.

Aus diesem Grund hat hierzulande etwa das von Marcus Seidel gegründete Brillen.de (hier übrigens im Interview) ein zweigleisiges Konzept gewählt, um die Anzahl der Retouren möglichst gering zu halten: Neben dem Online-Geschäft will man das Anprobieren und Anpassen in zusätzlichen Filialen möglich machen. Gleiches ermöglicht Mister Spex nicht in eigenen Ladengeschäften, sondern über Partnerschaften mit bestehenden Optikern.

Der Blick auf die Branche zeigt, wie unterschiedlich die Strategien der Anbieter sind. Gemein haben sie im Wesentlichen eines: die verlockenden Margen im Brillen-Geschäft mit möglichst niedrigen Fixkosten zu verbinden. Im Wettbewerb mit Fielmann, Apollo & Co. dürfte das eine gangbare Strategie sein, solange man dem Kunden den Online-Aspekt schmackhaft machen kann. Droht allerdings ein Preiskampf untereinander, würden die derzeit noch attraktiven Gewinnaussichten schnell dahin schmelzen.