Es ist der zehnte und wohl vorerst letzte größere Schlachtzug in der Groupon-Clone-Angelegenheit – irgendwie eine passende Zahl. Wie es in zehn Schritten und nur knapp sechs Monaten zum Millionenexit geht, zeigten in diesem Falle die Herren von CityDeal (www.citydeal.de). Am späten Freitag Abend war der Deal durch, am Wochenende bloggte der Käufer bereits: Groupon übernimmt mit einer dreistelligen Bewertung die deutsche Gründung.

Groupon übernimmt CityDeal im Austausch gegen Anteile

Sontagmorgen deutscher Zeit kündigte Groupon-Gründer Andrew Mason den Deal euphorisch in einem seiner Tweets an “Crazy big Groupon news coming shortly…” Crazy sind diese News vor allem für Rocket Internet, das durch eine überzeugende Exekution und den gleichzeitigen Aufbau in gleich mehreren europäischen Ländern einen Share-Deal mit dem milliardenschweren US-Riesen erzielen konnte. Über die genaue Summe wird sich noch hartnäckig ausgeschwiegen, doch der Modus ist bekannt: Im Gegensatz zu eDarling, wo es eine Call-Put-Option mit eHarmony gibt, übernimmt Groupon CityDeal komplett. Die alten Anteilshaber von CityDeal bekommen dafür mit sofortiger Wirkung einen Teil von Groupon, das zuletzt mit 1,25 Milliarden Euro bewertet wurde. Zusätzlich fließt auch noch einmal Geld in CityDeal, da dieses – im Gegensatz zu Groupon – noch nicht profitabel ist und weiteres Geld benötigt.

Wie wertvoll dieser Deal für den Samwer-Clan werden kann, zeigt sich vor allem mit der weiteren Entwicklung von Groupon. Mit etwas Grundschul-Mathematik lässt sich schnell überschlagen, dass die deutsche Konkurrenz bei einer Groupon-Bewertung von 1,25 Milliarden und einem dreistelligen Millionenexit mindestens acht Prozent an Groupon erhalten haben dürfte. Mehr noch: Es gibt noch einmal mehr Anteile, wenn bestimmte Ziele durch CityDeal erreicht werden. Im Gegensatz zu eDarling ist dieser Exit also noch einmal attraktiver und erlaubt einen weiteren Ausbau, je nachdem wie CityDeal und Groupon performen. Bei Groupon, dessen hohe Bewertung sich mit einem EBIT-Multiple relativ anschaulich rechtfertigen ließe, ist durchaus eine Verdopplung der Bewertung zum nächsten Jahr denkbar, was die Anteile der Jamba-Brüder zu einem Exit machen würde, der laut Gründerszene-Informationen höher als der damalige 223-Millionen-Euro-Exit bei Jamba werden könnte.

CityDeals Performance überzeugte Groupon

Doch die genaue Exit-Höhe am Ende des Tages ist noch mit einem Fragezeichen versehen. Festzuhalten bleibt nur, dass Rocket Internet ein anschaulicher Verkauf gelungen ist, bei dem die gute Wachstumsperformance wohl den Ausschlag gab:

But after a few days with Oliver and the rest of the Citydeal management team, we realized that they were among the best operators we’d ever met. It was no wonder they’d become #1 in every one of their countries – in only five months, they’d even become larger than the largest Groupon knockoff in the U.S. It’s absolutely insane how quickly they’ve scaled, with 600 employees working from 80+ European cities, and already saving their customers over $5 million in April alone – their fourth month of operation.

Culturally, we saw the same qualities in the Citydeal team that we have at Groupon. Hardworking and scrappy, blindingly fast executors, refreshingly blunt, no appetite for petty politics, and passionate about pioneering a new model of commerce while wowing every last consumer and merchant they touched.

Andrew Mason ließ auch den Klon-Ruf der Samwers nicht unkommentiert, wusste letztlich aber die Performance der Seite und des Teams mehr zu schätzen. Dabei sprach das amerikanische Vorbild auch mit anderen relevanten Klonen in Europa – vor allem in England und teilweise auch in Osteuropa lassen sich vergleichbare Klone finden. Und auch wenn es die eine oder andere kritische Marketing-Aktion bei CityDeal gab, weißt die Mehrheit der Länder-Ableger doch eine vernünftige Traction auf und die Exekution durch Rocket Internet gelang überdurchschnittlich gut, indem sich auf CityDeal fokussiert und andere Konzepte wie das von DealStreet fallen gelassen wurde. Als Amerikaner hätte dieser Aufbau wohl wesentlich länger gedauert und mehr Ressourcen verschlungen. Mit der Akquisition von Citydeal bringt es Groupon nun auf 900 Mitarbeiter, die in 18 Ländern und 140 Städten Deals anbieten. CityDeal wird dazu bald auf die Groupon-Marke umstellen, die komplette Integration wird hingegen einige Monate benötigen.

CityDeal vs. DailyDeal – wie geht es weiter?

Bei Hauptkonkurrent DailyDeal (www.dailydeal.de) nimmt man die Neuigkeit sogar mit einer gewissen Erleichterung auf: “Wir haben in den letzten Wochen ja schon eine gewisse Marktbereinigung gesehen und strategisch betrachtet geht mit der Groupon-Übernahme von CityDeal die positive Implementation einher, dass Groupon nicht als dritter selbstständiger Player in den Markt eintreten wird. Dieser Schritt nimmt uns die letzte denkbare Unsicherheit bezüglich des Geschäftsmodells, ansonsten hat dieser Deal für uns keine direkten Auswirkungen, nur weniger Namensverwechslungen”, sagt Gründer und Geschäftsführer Fabian Heilemann.

Im Wettstreit zwischen CityDeal (Rocket Internet, Holtzbrinck Ventures, eVenture Capital Partners, Investment AV Kinnevik) und DailyDeal (Mangrove Capital Partners, AdInvest, Klaus Hommels, Oliver Jung, Michael Brehm, Jochen Maaß und Stefan Glänzer) hat CityDeal für sich also einen eindrucksvollen Exit mit guter Inzentivierung erreicht. Oliver Samwer wird daher auch operativ an Bord bleiben, schließlich kann sich CityDeal nicht ausruhen: der Groupon-Anteil der noch hinzukommen kann, soll laut Gründerszene-Infos substantiell sein. Gründerszene übermittelt einen Glückwunsch an alle Beteiligten und verfolgt die weitere Entwicklung mit Spannung.

Dich interessieren die Exits der Samwer-Brüder? Bisher setzten die Samwers über 990 Millionen US-Dollar mit Internetverkäufen um: hier geht es zur Übersicht aller Samwer-Exits.

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Bildmaterial: Mensatic
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