Gleich drei Gründungen aus dem Samwer-Umfeld werden in nächster Zeit womöglich vom Netz gehen – das gemeinsame Moment: alle diese Gründungen stellen Copycats deutscher StartUps dar, zwei davon im E-Commerce-Bereich. Gründerszene brachte in Erfahrung, dass eCareer, DealStreet und Mybrands zukünftig wohl nicht mehr von Rocket Internet, dem Inkubator der Samwer-Brüder Alexander, Marc und Oliver betrieben werden.

Ecareer bietet aus Investorensicht keine strategische Perspektive mehr

Ecareer ist eine Jobbörse für höher dotierte Positionen und grenzt sich so von anderen Jobbörsen in seiner Zielgruppe ab, steht jedoch in direkter Konkurrenz mit dem ehemaligen Marktführer Experteer (www.experteer.de). Das 2009 gegründete Unternehmen versteht sich auch als Personalberater-Netzwerk, vermittelt werden Stellen ab 50.000 Euro Jahresgehalt. Eben jener Hauptkonkurrent Experteer dürfte aus Rocket-Sicht nun zum Genickbrecher für Ecareer geworden sein – oder genauer: der kompetitive Markt als Ganzes.

Kennt man das Investitionsverhalten der Samwers, wird klar, dass diese wohl kein Geld mehr in Ecareer geben werden, da der “Rettungsaufwand” für das nicht gut genug aufgestellte Unternehmen aus Samwer-Sicht zu hoch sein dürfte. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die drei Brüder dem Unternehmen die Unterstützung verwehren, ist doch derzeit keine Aufwärtsbewegung mehr bei Ecareer zu sehen. Außer Rocket Internet hält die Ippen Unternehmensgruppe einen Großteil der Anteile.

Das Team von Ecareer wurde teilweise bereits sogar schon abgezogen. So ist im Xing-Profil vom bisherigen Geschäftsführer Christopher Muhr bereits zu lesen, dass dieser nun für CityDeal tätig ist und auch Oezgür Cakir, bisher CMO des Unternehmens, ist bereits in neuer Position bei eBay. Glaubt man den Expertenstimmen in diesem Segment, würde der Markt wohl sogar genug hergeben, doch müsste Ecareer dafür noch einmal rund drei Millionen Euro aufnehmen und erfahrenere Team-Mitglieder gewinnen. Beides ist für Ecareer von Samwer-Seite ausgeschlossen, da der Fokus von Rocket Internet derzeit merklich auf Zalando, eDarling und CityDeal liegt, von denen weiterer Support abgezogen werden müsste. So ist es für das Rocket-Imperium augenscheinlich nicht sinnvoll, weitere Ressourcen in Ecareer zu stecken, da man in diesem Markt nicht ohne weiteres Fuß zu fassen vermag. Das Ecareer-Management teilte gegenüber Gründerszene mit, dass das Unternehmen derzeit auf Kapitalsuche ist, die Lage aber nicht so schlimm sei, dass man droht, vom Netz genommen zu werden.

Ein geschäftsmodellinhärentes Problem beendet DealStreet

DealStreet ist eines der zwei Ecommerce-Unternehmen aus dem Samwer-Imperium, das abgeschaltet wird. Dabei hat DealStreet anscheinend mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie das Vorbild Swoopo, das binnen kurzer Zeit schon den dritten CEO auf das Thema ansetzt: Das Geschäftsmodell sieht auf den ersten Blick gut aus, birgt aber einige Tücken.

Beide Portale bieten Live-Shopping mit einem Entertainment-Auktionsverfahren: Bei einer Auktion steigt durch jedes abgegebene Gebot der Gesamtpreis des Produktes um einen kleineren Betrag, als für das Gebot bezahlt wurde. Gleichzeitig verlängert sich automatisch die Auktionszeit und der letztbietende Teilnehmer erhält den Zuschlag. Will ein Unternehmen dieses Modell-Verfahren bei halbwegs ehrlicher Durchführung anwenden – was beispielsweise faire Direktkaufpreise und keine Manipulation der Auktionen erfordert, damit die Verbraucherzentralen mitspielen –, wird es schwer gegen die zahlreichen kleinen Anbieter zu konkurrieren, die in ausländischen Gesetzesparadiesen sitzen und die deutschen Gesetze teilweise großzügig biegen.

DealStreet hat es also mit einem geschäftsmodellinhärenten Problem zu tun, bei der gegen “schmutzige Konkurrenz” auf einem begrenzten Markt gearbeitet wird, dessen Nutzer keine hohe Kundentreue aufweisen. Auch bei DealStreet ist daher das Personal beinahe komplett zu CityDeal, Zalando und eDarling abgewandert – Branchenkreise spekulieren über den Offlingegang in der nächsten Woche. Die zweite Kerbe im Samwer-Portfolio dieses Jahr, die ebenfalls in Frankreich und Hamburg markiert werden wird, da auch Crédit Agricole und eVenture Capital Partners hier ihr Geld versenkt haben. Besonders Crédit Agricole dürfte der Pleitegang bitter aufstoßen, hatte man mit DealStreet doch vor gerade mal vier Monaten die Zusammenarbeit mit Rocket Internet begonnen.

MyBrands ist ein strategisches Bauernopfer

Mybrands ist ein Online-Designer-Outlet, das Modemarken zu günstigen Preisen anbietet. Nutzer können durch das Angebot der Seite blättern und diese bestellen, nachdem sie sich registriert haben. Mybrands führt Mode-Produkte und Accessoires sowohl für Damen als auch für Herren und ist ein Klon von Dress-for-Less, das mit einem ähnlichen Geschäftsmodell aufwartet.

Gründerszene-Informationen zufolge performt Mybrands sogar gut, hat jedoch unter dem starken Mitstreiter im Samwer-Portfolio Zalando zu leiden. Die beiden koexistierenden Modelle sind sich – nachdem Zalando auch ins Kleidersegment strebt –  sehr ähnlich, weshalb sich die Altinvestoren gegen eine weitere Finanzierung entschlossen haben sollen. Ecommerce-Ansätze wie der von Mybrands sind ein teures Geschäft, da der gesamte Einkauf mit Eigenkapital vorfinanziert werden muss – dieses Geld hat Mybrands nicht mehr und keiner der Investoren wird es wohl mehr hinein geben.

Entstünde heute ein entsprechendes Unternehmen im Samwer-Umfeld, würde es wohl nicht mehr separat aufgebaut werden, sondern eher als Teil von Zalando, dessen Infrastruktur mitgenutzt werden könnte. Schließlich zeigt auch Amazon, dass viele Nischen bearbeitet werden können, was mit breit aufgestelltem Modell einfacher ist, außer bei zusammenhängenden Nischenshops wie etwa im Falle der FP Commerce GmbH.

So sieht es ungeschickt aus, ein Modell wie Mybrands Pleite gehen zu lassen, die Pleite dürfte für Rocket Internet kommerziell aber keinen Unterschied machen. Alle beteiligten Altinvestoren haben sich nicht mit Ruhm bekleckert, waren die Umsatzentwicklungen doch anscheinend attraktiv, während auch Dress-for-Less zeigt, dass das Modell hätte funktionieren können. Während Rocket Internet also feststellen musste, dass es strategisch ungünstig war, das Modell separat als Stand-Alone zu fahren, schauen die Investoren wie der Kreativfonds der IBB und vor allem das Gründerteam in die Röhre. Allerdings ist es wahrscheinlicher, dass Mybrands im Gegensatz zu eCareer und DealStreet mit einem größeren Portal gemergt wird, als dass man es insolvent gehen lässt. Brands4Friends oder Zalando könnten hier attraktive Ansprechpartner sein, wobei bei solch schlechter Verhandlungssituation sicherlich kein Merger-of-Equals zustande käme…

Fazit: Zuviele kompetitive Märkte mit zu wenig Fokus

Insgesamt haben alle drei Pleitegänge freilich je individuelle Ausfallgründe. In Summe bleibt aber die traurige Wahrheit festzuhalten, dass der Samwer’sche Inkubator mit amerikanischen Klonen (Zalando von Zappos oder CityDeal von Groupon) offensichtlich besser fährt. Jedes der drei Pleiteunternehmen stellt einen Klon von in Deutschland starken Ansätzen dar (Ecareer von Experteer, DealStreet von Swoopo, Mybrands von Dress-for-Less) und die Säbelrasselei der drei Jamba-Brüder findet hier zumindest ein jähes Ende.

Es mag eine gewisse Selbstsicherheit zu den Ausfällen geführt haben, die Sicherheit, jedes Modell in Deutschland einfach ohne weiteres Klonen zu können. So wurden zu viele Themen in zu vielen kompetetiven Märkten angegangen, was Unternehmen hervorbrachte, die auf Dauer nicht überlebensfähig waren, weil sie anscheinend zu wenig Fokus aus dem Samwer-Umfeld  erhielten. Copycats können funktionieren, doch nur, wenn sie so fokussiert wie eDarling, Zalando und CityDeal exekutiert werden. Es hätte früher reagiert werden können, vielleicht sogar müssen. So zieht auch ein Imperium wichtige Lehren, was bei der sonst so starken Exekution von Rocket Internet fast ein wenig beruhigend ist – auch hier wird nur mit Wasser gekocht. Spannend ist hingegen, wie sich die drei Zugpferde nun entwickeln werden, wo der komplette Rocket-Fokus nun auf Schuhe, Liebe und Gutscheine gelegt werden kann.

Bildmaterial: click

 

 

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