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“Schuster bleib bei Deinen Leisten!” sagt der Volksmund. Im Hause der Samwer-Brüder Alexander, Marc und Oliver meint dies US-amerikanische Konzepte durch 1:1-Klone auf den deutschen Markt zu hieven. Mit ihrem Inkubator Rocket Internet (www.rocket-internet.de) haben sie nun das Bezahlsystem Billpay (www.billpay.de) ins Leben gerufen. Dabei sind sie ihren Leisten treu geblieben, denn das internationale Pendant dazu ist mit Billmelater.com bereits seit dem Jahr 2000 am Markt.

Die Jade 968. GmbH (Billpay) wurde 2009 gegründet und wird von Nelson Holzner und Frank Biedka geführt. Ein direkter Draht von Nelson Holzner zu Rocket besteht wohl vor allem über Philipp Kreibohm, der mit diesem gemeinsam für Freshfields Bruckhaus Deringer tätig war. Das Unternehmen wird seit dem Start nicht nur von Rocket Internet, sondern auch von Investment-Buddy Holtzbrinck Ventures (www.holtzbrinck-ventures.com) unterstützt. Mit Billpay können Online-Händler ihren Kunden Rechnungskäufe mit einem Zahlungsziel von 20 bis 30 Tagen  anbieten, wobei Billpay das gesamte Risiko- und Forderungsmanagement der Rechnungsforderungen übernimmt. Zahlungsausfälle sollen durch eine Billpay-Zahlungsgarantie aufgefangen werden.

Das Berliner Unternehmen verspricht, dass Online-Händler ihren Umsatz und Gewinn signifikant steigern könnten, sollen doch 65 Prozent der Kunden im deutschsprachigen Raum den Rechnungskauf als beliebteste Zahlungsart angeben. Der Umstand, dass die US-Konkurrenz bereits seit zehn Jahren am Markt ist und in zwei Finanzierungsrunden insgesamt 200 Millionen US-Dollar Funding erhalten hat, macht das Unterfangen insgesamt zu einem mutigen Schritt, für den es hingegen keine (Aus-)Zahlungsgarantie gibt…

Das Bezahlsystem von Konkurrent Bill me later präsentiert sich als eine Kombination von Kredit- und Lastschriftverfahren. Im Gegensatz zu Kreditkartenunternehmen prüft Billmelater.com beim Zahlvorgang online, ob die Zahlung gedeckt ist. Nutzer geben einfach ihren Geburtstag und die letzten vier Ziffern ihrer Sozialversicherungsnummer an und binnen weniger Sekunden wird die Kreditwürdigkeit gecheckt. Bill me later bezahlt den Händler und schickt dem Kunden eine Rechnung. Jene, die nicht gerne online mit ihrer Kreditkarte bezahlen haben so eine Alternative. Durch die Abwicklung über das Internet werden die Kosten sowohl für die Käufer als auch für die Händler reduziert und beide Seiten werden komplett von ihrer Bank entkoppelt. Eine internationale Anwendung ist dadurch also auch ohne weiteres denkbar.

Dass dieses Unterfangen jedoch mit einem hohen finanziellen Risiko behaftet ist, zeigt die Finanzierung von Bill me later: Insgesammt 200 Millionen US-Dollar sind aus den Taschen von Amazon, Azure Capital Partners, Chase Paymentech, Crosspoint Venture Partners, First Data Corp. und anderen in das Unternehmen aus Maryland geflossen. Zu den Bestandskunden der Seite zählen Größen wie Walmart, Amazon oder American Airlines, was sich letzten Endes auch in einem erfolgreichen Exit bemerkbar machte: Für insgesamt 820 Millionen Dollar in bar und 125 Millionen Dollar in ausstehenden Aktienoptionen kaufte eBay Billmelater.com, was im Nachhinein als sehr hoch befunden wurde. Im November 2008 hatte TechCrunch die Qualität dieser Akquisition hinterfragt, weil Billmelater.com eine Nutzerschaft aufweist, die bei vielen Konkurrenten als nicht kreditwürdig gelten würde und zu einer Ausfallsquote von damals zehn Prozent führte.

Noch einmal rekapituliert: Ein starker internationaler Konkurrent ist seit zehn Jahren am Markt, wurde mit 200 Millionen US-Dollar gefunded und anschließend für fast eine Milliarde verkauft. Dem stellt sich ein Klon entgegen, der von einem finanzerfahrenen jungen Mann geleitet wird, der vorerst den Deutschen Markt beackert. Zumindest ein mutiges Unterfangen möchte man meinen…

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