eDarling eHarmony

Die Wogen im Partnersuche-Geschäft schlagen derzeit hoch. Erst am Wochenende hatte der Focus verbreitet, beim Samwer-Portal eDarling sei ein anvisierter Exit an eHarmony gescheitert – weitere Negativschlagzeilen gingen der Meldung im Dating-Segment bereits voraus. Gründerszene sprach im Nachgang der News mit einigen direkt Involvierten, wobei der Eindruck entsteht, dass hinter den Kulissen deutlich mehr im Gange ist, als die Nachrichten selbst vermuten lassen.

eDarling: Focus-Bericht ist falsch

Am Wochenende ging die Nachricht durch die Medien: Der Verkauf der Online-Partnervermittlung eDarling (www.edarling.de) an den US-amerikanischen Investor eHarmony (www.eharmony.com) sei gescheitert. Angestoßen wurde die Meldung vom Magazin Focus, das Blatt berief sich dabei auf “Branchenkreise”, die vermuten ließen, dass eHarmony von seiner anvisierten Übernahme keinen Gebrauch mache. Am gestrigen Montag nun meldete sich auch eDarling zu Wort: Das Portal aus der Samwer-Schmiede bezeichnet die Focus-Informationen als falsch und denke über gerichtliche Schritte gegenüber dem Focus nach. Verkaufsverhandlungen mit dem US-Gesellschafter habe es auch nicht gegeben, die Option auf die verbleibenden 70 Prozent der Anteile bestehe unverändert.

Die Partnervermittlung ist seit genau drei Jahren am Markt. Derzeit sei die Geschäftsentwicklung “äußerst positiv”, heißt es in einer Pressemitteilung. Für das Jahr 2012 rechne man mit einem Umsatzwachstum von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr und mit einem leicht positiven Ergebnis – damit hätte das Startup nach einem für 2010 ausgewiesenen Verlust von 13,6 Millionen Euro den Sprung in die Gewinnzone geschafft. Anders als im Focus-Bericht gemeldet, seien die Investoren mit dem Geschäftsverlauf zufrieden, eDarling könne – gegen den Markttrend – europaweit wachsen.

Coup der Burda-Gruppe?

Einen unangenehmen Beigeschmack erhält der veröffentlichte Focus-Artikel durch den Umstand, dass die Tomorrow Focus AG neben dem Focus mit ElitePartner (www.elitepartner.de) auch eine eigene Partnersuche-Plattform in seinem Portfolio aufweist. Ein Kenner der Szene wies gegenüber Gründerszene darauf hin, dass dem Vernehmen nach die Zahlen des Burda-Portals nicht zufriedenstellend sein sollen, während gleichzeitig in wenigen Wochen die Hauptversammlung der Tomorrow Focus AG ansteht, auf der das Unternehmen seinen Aktionären erklären muss, wie es um den einst so erfolgreichen Dating-Dienst steht.

Auch vom gescheiterten Verkaufsversuch Parships war zuerst im Focus zu lesen, sodass gefragt werden darf, ob das Nachrichtenmagazin nicht etwas leichtfertig mit seiner Berichterstattung den Wettbewerb beeinflusst.

Die Hintergründe

Dass in der Branche mit „harten Bandagen gekämpft“ wird, hatte zuvor schon der scheidende CEO von Parship (www.parship.de), Peter Schmid, in einem Interview berichtet. Zumal eHarmony an einem Wertverlust von eDarling als wesentlicher Shareholder kein Interesse haben dürfte – und nichts anderes könnte die News vom Wochenende mit sich bringen –, erscheint es auch nicht wirklich plausibel, dass der US-Konzern sein Investment öffentlich schlecht redet.

Gründerszene recherchierte die Hintergründe der Transaktion daher etwas genauer und erfuhr von einem direkt involvierten Akteur, dass es kürzlich de facto eine Abänderung des eDarling-Deals mit eHarmony gegeben haben soll – jedoch eher zugunsten von eDarling. Glaubt man besagter Quelle, gab es keine Put-Klausel in den Vertragswerken, lediglich eine Call-Option.

Wenn eHarmony auf die Möglichkeit verzichtet, auch die verbleibenden Anteile von eDarling zu verkaufen, wäre es den anderen Gesellschaftern folglich nicht möglich, ihre Anteile entsprechend mit anderem Preis zu verkaufen. Gleichzeitig hätte eHarmony die verbleibenden eDarling-Anteile also sehr günstig kaufen können, was sich mit den Interessen des Management-Teams und von Inkubator Rocket Internet nicht vertragen hätte.

Vermutlich wurde dieser Schritt im Vorfeld versäumt, weil sich auf das Wachstum des Markts verlassen wurde. Mit dem gestiegenen Wettbewerb gestaltet sich dieser jedoch zunehmend schwierig, was eine Anpassung des nicht ausreichenden Deals notwendig gemacht haben dürfte. Insofern gab es im Falle von eDarling also anscheinend wirklich eine Anpassung des Deals, jedoch eher, um das Team und die bestehenden Gesellschafter besser zu stellen.

Gleichzeitig soll eHarmony auf seinem Heimatmarkt intensiv von Playern wie Match.com (www.match.com) oder dem Facebook-Spezialisten Badoo (www.badoo.com) angegangen werden, was das Segment für die Amerikaner schwierig gestaltet. Nachdem eHarmony lange Zeit ohne CEO war, soll der US-Riese nun an einem Börsengang feilen, um die eDarling-Transaktion finanziell überhaupt stemmen zu können. Angesichts dieser Faktenlage zeichnet sich ein anderes Bild im Zusammenspiel von eDarling und eHarmony, das den Focus-Artikel in keinem positiven Licht erscheinen lässt.

Mitarbeit: Alex Hofmann