Es ist eines der Zugpferde im Stall von Samwer- Inkubator Rocket Internet: Zalando (www.zalando.de). Nun gab die Webseite den Start eines eigenen Shoppingclubs nach dem Closed-Shop-Prinzip bekannt. Die Zalando Lounge ist eine Internet-Community, die Markenmode und Lifestyletrends stark reduziert – die Webseite spricht von bis zu 80 Prozent – anbietet. Wie für Shoppingclubs üblich, können nur angemeldete Mitglieder der Zalando Lounge an den Verkaufsaktionen teilnehmen, wobei alle Bestandskunden des bisherigen Zalando-Shops bereits einen Account haben und  sich direkt einloggen können.

Gerade die wechselseitigen Mitnahmeeffekte zwischen Shoppingclub und Onlineshop können ein interessantes Asset gegenüber der Konkurrenz bieten, die nicht über angebundene Shoplösungen verfügt. Hier lässt sich unter Umständen Traffic gezielt umverteilen und konvertieren, wobei es spannend wird, wie sich das Closed-Shop-Prinzip (das auf hohen Rabatten basiert) mit dem bisher auf Normalpreisen basierenden Zalando-Shop verträgt. Denn: die Shopangebote fehlen bei der Shoppingclub-Konkurrenz aus gutem Grund: das dahinter stehende Geschäftsmodell ist ein anderes, wie auch der Shopbetreiber-Blog zu berichten weiß.

Im Gegensatz zu regulären Online-Shops, die Waren zu einer unverbindlichen Preisempfehlung (unter Umständen auch mit leichtem Rabatt) an eine breite Masse an Nutzer verkaufen, gewähren Shoppingclubs einer ausgewählten Klientel großzügige Preisnachlässe und setzen auf den Eindruck von Exklusivität. Mehr noch: Während Onlineshops je nach Größe hohe Kosten für Lager, Verwaltung und Planung aufrufen, bietet der Closed-Shop-Ansatz den Vorteil, mit kurzen Lagerdurchlaufzeiten zu versenden und so die Kosten geringer zu halten. Mit anderen Worten: Ein Shopkonzept für Closed-Shops ist nicht per se sinnvoll und erwartbar, ein Shoppingclub-Ansatz aber ein unter Umständen sinnvoller Mitnahmeeffekt für E-Commerce-Unternehmen wie Zalando.

Dafür ist die Frequenz der Angebote im Vergleich zur Konkurrenz zum Start wesentlich geringer: “Jede Woche haben wir in der Zalando Lounge wechselnde Verkaufsaktionen, die von exklusiven Designermarken über moderne Lifestyle Produkte bis hin zu seltenen Kollektionen und Produkten aus der Modewelt reichen.” Brands4Friends und Co. fahren derzeit täglich Aktionen, was attraktiver für Schnäppchensucher ist, sich aber auch im Postfach der Nutzer bemerkbar macht und das Risiko birgt, auf Dauer als Spam abgetan zu werden. Vor allem wird es mit solcher einer Masse an Aktionen zum Teil anspruchsvoll, für Abwechslung bei den Angeboten zu sorgen.

Die Herausforderungen für die Zalando Lounge werden also darin bestehen, ein Ausmaß an Verkaufsaktionen zu finden, dass sich mit den bestehenden Konkurrenten messen kann, ohne dabei zu stark das eigene Modell zu überfordern oder zu defokussieren. Den etablierten Vorreitern im Shoppingclub-Segment, wie Vente-Privée, Brands4Friends (www.brands4friends.de) oder in etwas kleinerem Maße auch BuyVIP (www.buyvip.com) und Pauldirekt (www.pauldirekt.de), die teilweise auch schon international unterwegs sind, wird die Zalando Lounge anfangs ohnehin nur bedingt etwas entgegen setzen können. Der Knowhow- und Performance-Vorsprung dieser Plattformen ist dafür sehr hoch.

Doch vor allem gegen die direkte Shoppingkonkurrenz lässt sich punkten: Schließlich gibt der Shopbetreiber-Blog auch zu bedenken, dass bei Zalando gleichzeitig die Sortimentsbreite um das Segment Kleidung gesteigert wurde, was Mirapodo (www.mirapodo.de), die Schuh-Konkurrenz aus dem Hause Otto weiter unter Druck setzt.

Die Männer im Hintergrund: Die Samwers und Tengelmann als Inputgeber

Mit den Jamba-Brüdern Alexander, Marc und Oliver Samwer hat Zalando drei Investoren, für die  das Shoppingclub-Prinzip nicht fremd ist. Mit ihrem Investment in BuyVIP haben die drei Brüder im Vergleich zur stärkeren Konkurrenz im Prinzip auf das falsche Pferd gesetzt, können aber womöglich von ihren Einsichten dort profitieren.

Gleichzeitig ist mit Tengelmann ja gerade kürzlich erst ein Investor an Bord gekommen, der auch bei der Hauptkonkurrenz im Bereich Shoppingclubs Brands4Friends investiert ist. Dass die Mülheimer dort aktiv Wissen abziehen und an Zalando weitergeben, dürfte ausgeschlossen sein, die eine oder andere Synergie  gelingt vielleicht trotzdem und kann für beide Plattformen wechselseitig genutzt werden. Vor allem hat Tengelmann Knowhow im Bereich Lagerverwaltung, -Bestückung und -Planung etc., was hier von Vorteil werden könnte.

Das Zünglein an der Waage? Magento vs. Eigenbau

Den Unterschied können im Wettstreit der Shoppingclubs am Ende vielleicht Kleinigkeiten ausmachen, wie etwa die technische Realisation, auf die auch Exciting Commerce näher eingeht: Zalandos neuer Shoppingclub läuft auf Magento, einer Open-Source-E-Commerce-Plattform, die seit 2008 verfügbar und laut Exciting Commerce unter den gängigen Shopsystemen derzeit das einzige ist, das es Händlern ermöglicht, verschiedene Geschäftsmodelle parallel auszuführen.

Im Unterschied zur Zalando Lounge setzen die etablierten Shoppingclubs wie Vente-Privée, Brands4Friends, BuyVIP oder Pauldirekt auf selbst programmierte Lösungen. Dennoch bedeutet dies nicht, dass professionalisierte Shoppingclubs per se auch eigener Programmlösungen bedürfen, wie Zulily zeigt, das auch auf Magento setzt. Glaubt man Ecommerce-Experte Jochen Krisch, sollen einige weitere internationale Konkurrenten ebenfalls auf Magento laufen und verschiedene Agenturen würden von entsprechenden Pendants in ihrer Pipeline berichten. Man darf also gespannt sein, wie sich Magento-Nutzer Zalando Lounge im Rennen mit den etablierten Shoppingclubs schlägt – Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft.

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