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Enamora und 7Trends (müssen) fusionieren

12. Januar 2010 von Joel Kaczmarek 3Kommentare

Wenn der eine vor allem Wäsche, Dessous und Bademode anbietet und der andere vor allem Damenmode angesagter Marken im mittleren Preissegment verkauft, was ist dann sinnvoll? Genau: Sich absprechen. Kooperieren. Oder noch krasser: Aus zwei Teilen eins machen. Genau eine solche Zusammenlegung ist nun bei den beiden Online-Shops 7Trends (www.7trends.de) und Enamora (www.enamora.de) zu beobachten – zumindest operativ.

zusammenschluss

Der Onlineshop 7trends wurde vor zwei Jahren von Jochen Heemann und Sebastian Sieglerschmidt gegründet und kleidet seit Januar 2009 deutsche Damen mit der entsprechenden Wunschwäsche im mittleren Preissegment ein. Enamora beging seinen Launch offiziell im August 2008 und wurde von Tu-Lam Pham und Zouhair Belkoura gegründet. Hinter beiden Ecommerceshops stecken als Hauptinvestoren Rocket Internet (www.rocket-internet.de), der Inkubator der Jamba-Brüder Marc SamwerOliver Samwer und Alexander Samwer, sowie Holtzbrinck Ventures (www.holtzbrinck-ventures.com).

Exciting Commerce hatte gestern als erstes über die Zusammenlegung der beiden Teams berichtet, wobei das Team des Unterwäsche-Shops Enamora bereits unter das Dach von 7Trends gezogen sein soll. Und obwohl wahrscheinlich unter der  7trends enamora GmbH beide Shops weiter betrieben werden und es aus dem Team heißt, dass es operativ absolut sinnvoll sei, beide Seiten zusammenzulegen, setzt die Fusion der beiden Shops nicht gerade ein Ausrufezeichen.

“Aus operativer Sicht ist ein solcher Schritt mehr als sinnvoll: Beide Unternehmen nutzen für ihren Internet-Shop weitgehend die gleiche Technologie und ähneln sich auch in den Geschäftsabläufen”, sagte 7trends-Gründer Sebastian Sieglerschmidt zu dem Thema. Zyniker würden sagen, dass dies kein Wunder ist, wenn man eine Ecommerce-Offensive startet, bei der jede Seite technisch nach Schema F aufgebaut wird. Schließlich hatte das Samwer-Imperium ja besonders im letzten Jahr zahlreiche Ecommerce-Gründungen an den Start gebracht, die stets gleich gestrickt waren und auch Stilblüten wie meine-hängematte.de oder Kirschkernkissen.de hervorbrachten.

Dabei sind Fusionen gar nicht mal so ungewöhnlich für die deutsche Webszene. Auch die Mobile-Firmen Woabi (www.woabi.de) und Barcoo (www.barcoo.de) hatten Ende 2009 einen Zusammenschluss begangen, um ihre Kräfte zu bündeln. Je nach Fall deutet dies entweder auf einen schweren Markt hin oder aber auf zu schlecht performende Unternehmen. Die Message “Gemeinsam sind wir stärker” lässt sich schnell auch als “einzeln sind wir zu schwach” lesen.

Oder aber es ist wirklich einfach sinnvoll. Immerhin läge es für Rocket ja nahe, nicht für jeden Shop ein eigenes StartUp zu gründen, sondern stattdessen mehrere Shops von einem Team betreuen zu lassen. Ob dies aber bei zwei Seiten der Fall ist, die von Investoren getragen werden, die Dreambookers nach zwei Monaten abgeschaltet haben und gerade auch Beautydeal beerdigt haben, darf zumindest mit einem Fragezeichen versehen werden. Nachtigall, ick hör Dir trapsen.

Aus gesamtdeutscher Sicht bleibt zu hoffen, dass die Arbeitslosenstatistik durch diesen Zusammenschluss nicht unnötig ansteigt. Das fusionierte Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben insgesamt 31 Mitarbeiter und visiert gemeinsam einen Umsatz im achtstelligen Bereich an. Nachdem die beiden Shops schon in der Vergangenheit eng zusammengearbeitet haben sollen und einen gemeinsamen Umsatz im siebenstelligen Bereich angeben, ist diese Zielsetzung optimistisch, aber realisierbar.

captable-7trendscaptable-enamora

Über den Autor Joel Kaczmarek:

Joel Kaczmarek ist seit März 2009 Chefredakteur von Gründerszene. Damit verantwortet er die Zusammenarbeit mit den Ressortleitern und den Bereich “News” und “Allgemeines”. Joel hat einen Master in Europäische Medienwissenschaft und hat Design Thinking am HPI studiert. Sein Gründerszene-Debut hat Joel mit der ersten StartUp-Story “Dienstag ist Betterplace-Tag” geliefert. Joel hat die Gründerszene-Datenbank entwickelt, die im November 2009 an den Start ging.

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3 Kommentare »

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  • Dieter

    Es erstaunt mich immer wieder wie gutmütig Investoren sind…

    Man kann doch nicht allen Ernstes so ein funktionierendes Unternehmen aufbauen. Hier mal meine Eindrücke der Prioritäten, die sich nicht nur in diesen beiden “Start-Ups” sehr ähneln.

    0. Man muss nach Berlin, jaanz wichtig
    1. Man braucht eine tolle Küche
    2. Man braucht Personal, viel Personal um nicht zu sagen mindestens 30-50 Leute, am besten alle Arbeitslosen aus Berlin
    3. Man braucht teure Versandkartons mit Logo die das 10-fache von Standardpappe kosten
    4. Man braucht an jeder Wand Logos von seiner Firma damit man nicht vergisst wo man nichts zu tun hat
    5. Und man braucht tolle Möbel, denn tolle Tische verdienen mehr Geld als alte und gebrauchte.
    6. Dann braucht man einen Investor, den man mit dem Hochglanzbüro wo sooo viele Leute ganz wichtige Dinge machen, stark beeindrucken kann.

    Und wenn man dann auch nichts auf die Reihe bringt (warum nur?) schliesst man sich mit anderen Leidtragenden zusammen. Um dann noch mehr Investorengeld verbrennen zu können verspricht man sich in die Tasche das man 8-stellige Umsätze anpeilt oder aber über 1000% Wachstum hat, klar früher gab es auch schon Menschen die Wasser in Wein verwandelt haben…

    Meiner Meinung nach lässt sich fast jedes Startup einigermassen rentabel führen, dazu gehört aber auch das man gerade als Gründer viel mehr selber Hand anlegt und nicht jeden grafischen Kleinmist von Freelancern erledigen lässt oder sich den ganzen Tag mit den anderen Gründern in der Berliner Kaffeeszene trifft um zu sich auf die Schulter zu klopfen…

    Wenn ich allerdings mein Geld in eine dieser Firman gesteckt hätte würde ich mir keine Sorgen machen. Denn die Idee mit der Knabberbox (s. Bildergalerie Exciting Commerce) ist ein gutes Geschäftsmodell, die wirft bestimmt was ab. Aber selbst hier zeigt sich das die Gründer ihre Zielgruppenanalyse nur mangelhaft erarbeitet haben. Denn wer glaubt mit Süssigkeiten in einem Büro voller Models reich zu werden, der irrt…

    Viel Erfolg!

  • FJ85

    Dieter, du musst schlechte Erfahrungen mit Berliner Start-Ups gemacht haben. Was im Artikel deutet denn für dich darauf hin, dass das Management statt zu arbeiten Tage in der Berliner Cafe-Szene verbracht hat?

    Es wird über die operative Fusion zweier Jung-Unternehmen gesprochen und du fängst eine Tirade gegen das, was du in deiner limitierten Perzeption grundsätzlich als Unzulänglichkeiten der Gründerszene wahrnimmst – vollkommen bezugslos.

    Machs doch besser, und tu uns allen den Gefallen und behalte deine wahrscheinlich durch Investoren-Ablehnung oder anderweitig angestaute Wut für dich.

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