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Facebook stellt Graph Search vor

Facebook stellt seine neueste Errungenschaft vor: die längst überfällige Suchfunktion mit Namen Graph Search (Videostream der offiziellen Präsentation). Nach dem Newsfeed und der Timeline ist dies Facebooks dritter Kerndienst. Die Graph Search ermöglicht das Auffinden verknüpfter Suchanfragen wie etwa “Zeige mir alle Freunde, die in Berlin wohnen”, “Welche Restaurants mögen meine Freunde?” oder “Menschen die gern radfahren”. Ergebnisse erscheinen hierbei nicht wie bei anderen Suchmaschinen üblich als Links, sondern werden direkt angezeigt.

Facebooks Suchdienst kann mit Anfragen aus den Bereichen Menschen, Fotos, Orte und Interessen gefüttert werden. Die Daten werden dabei aus dem dem Nutzer zugänglichen Social Graph gezogen – also aller Informationen die der Nutzer über sich und seine Verbindungen ziehen kann – und favorisieren etwa Informationen von engen Freunden oder Ergebnisse mit vielen Likes. Datenschützer können laut Facebook aufatmen: die Suchmaschine greift explizit nicht auf neue Zugänge zu Privatem zu. Die Graph Search befindet sich momentan im Beta Stadium und ist nur einem eingeschränkten Nutzerkreis zugänglich.

Bing erweitert Graph Search

Das besonders pikante an Facebooks Graph Search ist dabei aber die Verbindung zu Microsofts Suchmaschine Bing. Der Windows-Hersteller, der auch Anteile an Facebook hält, steht diesbezüglich in einer Kooperation mit dem sozialen Netzwerk. Suchanfragen die keine Antworten über den Social Graph liefern, werden an Bing weitergeleitet. Die Suchmaschine gibt widerum die entsprechenden Ergebnise zurück. Zwar gab Bing bereits zuvor Suchergebnisse auf Facebook zurück, mit der Kombination aus normaler und sozialer Suche mutiert die Graph Search damit zur vollwertigen Suchmaschine. Umgekehrt listet Bing bereits seit Mitte letzten Jahres auch Facebook-Inhalte in seinen Suchergebnissen.

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Facebook hält sich offen, wie auch Google schon jetzt, bezahlte Suchergebnisse anbieten zu können und sein Geschäftsmodell zu erweitern. Bisher legte das Unternehmen aus Menlo Park seinen Monetarisierungs-Fokus auf den Bereich Mobile, Ads und Promoted Posts. In Anbetracht des schwindenden Nutzervertrauens und des weiterhin unter Druck stehenden Aktienkurses ein notwendiger Schritt. Mit der Graph Search könnte sich dies nun drastisch ändern und Facebook, zumindest im Bereich Social Search, ein ernstzunehmender Google-Konkurrent werden.

Aber auch Abseits der reinen Monetarisierung könnte Facebook Google die Schau stehlen. Der hiesige Suchmaschinenquasimonopolist erweitert seinen Dienst regelmäßig um weitere Inhalte, wie etwa das Auffinden und Priorisieren sozialer Inhalte. Hierfür greift Google allerdings größtenteils auf sein eigenes soziales Netzwerk, Google+, zurück. Da dies bei einem Großteil der Nutzer aber bedeutend weniger Anklang als Konkurrent Facebook findet, fällt die bevorzugte Social-Search-Wahl zukünftig nun womöglich auf Facebook mit Bing-Integration.

Konsequenzen für andere Plattformen

Was bedeutet die Einführung der Graph Search hingegen für Dienste wie Vamos, Foursquare und Co? Der Spiegel etwa schreibt, dass durch die Facebook-Neuerung der Aktienkurs des Restaurant-Bewertungsdienstes Yelp unmittelbar nach der Ankündigung fiel. Auch Dienste wie die Event-App Vamos könnten überflüssig werden. Vamos greift momentan für seine Event-Suche hauptsächlich auf den Facebook Social Graph zu und findet relevante Veranstaltungen in der Nähe des Nutzers – ein Dienst, den die neue Graph Search nun stark unter Druck setzt.

Ähnlich sieht es beim Location-Based-Service Fourquare aus. Bereits im Dezember letzten Jahres stellte Facebook einen direkten Konkurrenten mit dem Namen Nearby vor. In Verbindung mit der Graph Search könnte dies das Aus für Foursquare und weitere ähnlich geartete Dienste bedeuten, da Nutzer künftig nicht mehr aus dem sozialen Netzwerk auf andere Plattformen wechseln müssten, um entsprechende Informationen zu erhalten.

Bild: Facebook
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