Flaregames, Flare Games, Accel Partners, Klaas Kersting

Schon in der Vergangenheit kreuzten sich die Wege von Klaas Kersting und Venture-Capitalist Accel Partners (www.accel.com) – nachdem der potente Geldgeber bereits in dessen Spielefirma Gameforge (www.gameforge.de) investierte, gibt es nun eine Fortsetzung der Zusammenarbeit: Accel pumpt stolze sechs Millionen Euro Seed-Finanzierung in Kerstings neues Mobile-Games-Startup Flaregames (www.flaregames.com).

Accel sichert sich 17 Prozent an Flaregames

Eigentlich kommt die Pressemitteilung über den Einstieg von Accel Partners ein wenig zu spät, denn bereits im Mai 2011 – also einen Monat vor der Bekanntgabe von Flaregames Launch – hielt Accel Partners Anteile am Karlsruher Unternehmen. Nun wird das Investment auch publik gemacht und vereint eigentlich eine erste kleine und eine deutlich größere Finanzierung zu einer Runde. Gesamtsumme: sechs Millionen Euro.

Brachte es Accel Partners im Mai 2011 noch auf gut 3,2 Prozent an Flaregames, verfügt der Geldgeber mit Stand vom Dezember letzten Jahres nun über rund 17,7 Prozent der Anteile. Weitere Geldgeber gibt es in den Reihen von Flaregames bisher nicht, doch auch Gründer Klaas Kersting beteiligte sich an der Finanzierung.

Flaregames plant fünf Spiele für das erste Halbjahr

Flaregames entwickelt und vertreibt Mobile-Reality-Games, also Spiele die auf mobilen Endgeräten, vor allem Smartphones und Tablets, gespielt werden und dabei Techniken wie Augmented-Reality oder GPS-Positionsbestimmung in den Spieleprozess mit einbeziehen.

Im Gespräch mit Gründer Kersting erfuhr Gründerszene, dass Flaregames verschiedene Spieletests durchführte und seine ursprüngliche Ausrichtung nun noch weiter diversifiziert hat und sich nicht allein auf Reality-Games konzentrieren will. Die erhaltenen Mittel plant Flaregames für das eigene Wachstum sowie das Marketing der ersten Spiele ein – allein für die ersten beiden Quartale 2012 sieht die Produktpipeline von Flaregames fünf Spiele für Smartphones und Tablets vor. Adressieren sollen diese kostenlosen Spiele Mainstream- und Mid-Core-Gamer.

Auch wenn ihm klar sein dürfte, dass Mobile-Games derzeit eine vielversprechende aber ungewisse Wette sind, gibt sich Klaas Kersting siegessicher: “[D]as fundierte Wissen unseres Teams über den Free-to-play-Markt ist dabei ein entscheidender Faktor, der es uns ermöglichen wird, neue Spiele zu erschaffen, die sowohl viel Spielspaß bieten als auch kommerziell erfolgreich sind.“

Accel Partners ließ sich neben dem Team vor allem vom aufkommenden Markt der Mobile-Games überzeugen. So gibt Partner Harry Nelis zu Protokoll: „Der Markt für mobile Spiele wird deutlich größer als der für Social-Games sein. Wir unterstützen Flaregames, weil wir sowohl an das Team glauben als auch an das Geschäftsmodell. Vor allem aber wissen wir, dass Klaas Kersting die Firma zu ihrem vollen Potenzial führen und zu einem führenden Unternehmen im Markt machen wird.“

 Was kann der Markt für Mobile-Games?

Mit dem Mobile-Games-Markt verhält es sich in etwa so wie mit dem Markt für Social-Games vor ein paar Jahren: Das Segment scheint vielversprechend, doch ob es wirklich abhebt und was dabei die Stellschrauben sind, wird sich erst noch zeigen. Gründerszene fragte daher ein paar deutsche Gaming-Experten, wie sie das Mobile-Games-Segment einschätzen und welche potenziellen Trends sie sehen. Dies sind ihre Antworten:

Heiko Hubertz – Bigpoint

Heiko Hubertz, BigpointMobile-Games werden nach Free2Play der nächste Game-Changer in der Gaming-Industrie. In der Zukunft werden Konsolen nicht mehr stationär sein, sondern viel mehr zu mobilen Geräten (wie Tablets) werden, die unterschiedliche Möglichkeiten der Spielsteuerung bieten – sei es direkt auf dem Tablet, Bewegungssteuerung oder Gamepad.

Jens Begemann – Wooga

Jens Begemann, WoogaDurch die große Verbreitung von Smartphones haben mobile Spiele den Massenmarkt erreicht. Als primäres Geschäftsmodell setzt sich Freemium durch – so wie schon bei Browser- und Social-Games. Allerdings sind fast alle Mobile-Games bisher Einzelspieler-Erlebnisse. Wir bei Wooga machen mobile Spiele „Social“, das heißt man spielt mit Freunden via Facebook Connect (siehe zum Beispiel unser Diamond Dash für iOS).

Ibrahim Evsan – Fliplife

Ibrahim Evsan, Ibo, Fliplife, SevenloadErfolgreiche Mobile-Games können überall her kommen. Bislang hatten die mächtigen Games-Entwickler die Branche in der Hand. Zum Beispiel hat Rovio mit dem Spiel Angry Birds eines der erfolgreichsten Spiele im AppStore geschaffen. Die größte Aufgabe bei der Vermarktung eines Mobile-Games ist es, herauszufinden, welches Einnahmen-Modell funktioniert: kostenlos (werbefinanziert), Freemium (kostenloser Download mit In-App-Kauf-Optionen) oder bezahlt (einmalige Gebühr für eine voll funktionsfähige App).

Und auch die Integration von Social-Networking-Komponenten wird im Gaming immer wichtiger. Die Spieler möchten ihre Wettbewerbsfähigkeit durch soziale Komponenten ergänzen und somit die Games mit menschlicher Interaktion anreichern. Dabei sind vor allem Empfehlungen der Hauptfaktor für die Vermarktung von Mobile-Games.

Vor allem zeigen sich auch inhaltlich spannende Möglichkeiten auf: Crowdsourcing kommt ins Mobile-Game. Echte Aufgaben mit Freunden zu lösen, Location-based Services (LBS) nutzen und mit Awards ausgezeichnet zu werden, ist eine der neuesten Richtungen, die wir in den Mobile-Games finden werden.

Verena Delius – Young Internet (Panfu, Oloko)

Verena Delius, Young Internet, Panfu, Oloko, Startup des JahrzehntsMobile-Gaming verändert die gesamte Gaming-Industrie. Denn auf einmal wird jeder Smartphone- oder Tabletbesitzer zu einem potenziellen Gamer und Gaming wird immer mehr Teil des ganz normalen Lebens. In den letzten 90 Tagen wurden alleine mehr als 500.000 iOS-Geräte pro Tag verkauft, die Verkaufszahlen von Androidgeräten liegen noch höher. Damit kommen pro Tag über eine Million potentielle neue Gamer auf den Markt. Mütter (Casual-Moms), Kinder, Senioren, Studenten und Familienväter sind die neue Generation von Gamern.

Mobile-Gaming macht Games endgültig gesellschaftsfähig und massenmarkttauglich. Ob im Restaurant, an der Bushaltestelle, am Frühstückstisch, auf dem Sofa oder im Auto – Mobile-Gaming ist zeit- und ortsunabhängig und damit omnipräsent. Bei Young Internet haben wir darauf reagiert, indem wir uns seit ein paar Monaten ausschließlich auf die Entwicklung von Mobile-Games konzentrieren, da wir der festen Überzeugung sind, dass dort die Zukunft des Gaming liegt.

Michael Kalkowski – GameDuell

Michael KalkowskiUnsere Branche erlebt momentan einen regelrechten Goldrausch, denn Smartphone-Nutzer verbringen die Hälfte der Zeit mit Spielen. Insbesondere im Android-Segment jagt ein Rekord den nächsten. Bei GameDuell hatten wir an Weihnachten dank dem neuen Galaxy Nexus 100.000 zusätzliche Installs unserer Spiele. Unser Mobile-Team ist in den letzten Monaten stark gewachsen und um weitere Produktmanager und Grafiker zu finden, suchen wir inzwischen schon im Ausland.

Der Wettbewerb im Mobile-Bereich ist extrem hoch, Monetarisierung und Marketing sind schwerer und technisch gibt es noch einige Herausforderungen. Wir entwickeln gerade viel mit HTML 5 und sehen das größte Potenzial durch die Vernetzung von Mobile mit Facebook und Spielen im Web-Browser.