Im erst kürzlich erschienenen Gründerszene-Interview deuteten Ibrahim Evsan und Thomas Bachem es bereits an, nun ist die Tinte unter den Verträgen trocken: Die beiden Kölner haben mit ihrem Social-Game Fliplife (www.fliplife.com) eine Finanzierungsrunde abgeschlossen, an der sich neben den Altinvestoren auch Mountain Super Angel und indirekt der Spielportal-Betreiber Kaisergames (www.kaisergames.de) beteiligt haben.

Fliplife ist nicht gleich United Prototype
Um die Finanzierungsstruktur von Fliplife zu verstehen, ist es hilfreich, die etwas verwirrende Konstellation des Kölner Onlinespiels etwas genauer zu betrachten: Das von Ibrahim Evsan und Thomas Bachem gegründete United Prototype (www.unitedprototype.com) ist nicht ausschließlich die Firma hinter Fliplife, sondern lediglich der Anfang einer Konstruktion, die so etwas wie ein Inkubator für Köln werden könnte.
Nachdem zu Beginn die Namensgebung des bereits 2005 angedachten Webspiels noch nicht vollständig ausgereift war, lief Fliplife lange unter dem Label “UP Web Game” und wurde seither vielfach fälschlich mit United Prototype gleich gesetzt. Dass es sich dabei aber um getrennte Entitäten handelt, wird klar, wenn man bedenkt, dass United Prototype als “United Prototype Ventures” in dieser Runde auch selbst in Fliplife investiert hat. Fliplife ist insofern ein separates Unternehmen, das über United Prototype gegründet wurde.
United Prototype Ventures ein Games-Inkubator für Köln?
Angeführt wurde die nun vollzogene Finanzierungsrunde von Mountain Super Angel, das gemeinsam mit den Altgesellschaftern, dem High-Tech Gründerfonds (HTGF) und Rapidshare, einen niedrigen siebenstelligen Betrag investiert hat. Während der HTGF recht stattlich mitgezogen sein soll, hat sich Rapidshare in dieser Runde eher etwas zurückgehalten. Auch das Gründerteam von Fliplife hat sich über United Prototype an der Finanzierung beteiligt.
Über United Prototype sind vor allem aber auch Ilker Aydin und Serkan Sezek von Kaisergames investiert. Die Kölner Spielehersteller sind schon seit vielen Jahren freundschaftlich mit dem Gründertrio verbunden, haben sich nun auch in United Prototype eingekauft und mit diesem in Fliplife investiert. Ilker Aydin und Serkan Sezek werden auch operativ bei United Prototype tätig werden.
So könnte für Köln ein Inkubator entstehen, der sich Games zum Fokus nimmt. Kaisersgames bringt es mit Spielportalen wie SpielAffe.de, Games1.com und anderen angeblich auf rund 350 Millionen monatliche Page-Impressions zusammen und konnte durch Onlinewerbung ein stattliches Kapitalpolster ansparen. Gemeinsam mit Bachem, Evsan und Hartmann wird Kaisergames so unter dem Dach von United Prototype Ventures nun seine Internet-Investments bündeln und auch mit Rapidshare haben die Kölner noch einen spannenden Traffic-Lieferanten in der Hinterhand, auch wenn dessen Reichweite sich auf einem absteigenden Ast zu befinden scheint.
Fliplife im Haifischbecken der Social-Games
Es ist ein Wachstumsmarkt, den sich Ibrahim Evsan, Thomas Bachem und Tobias Hartmann ausgesucht haben und gleichzeitig präsentiert sich der Social-Games-Markt aber auch als gnadenlos. Wer nicht mit ausreichend schnellem Nutzerwachstum aufwarten kann, hat gegen die Großen der Branche kaum noch eine Chance. Bisher vernögen es in diesem Segment nur Wooga (www.wooga.com) und Playfish (www.playfish.com) als europäische Player zu überzeugen, belegen die Unternehmen doch einen der zehn Plätze führender Social-Games-Anbieter.
Genau genommen ist Fliplife aber eigentlich auch gar kein Social-Game (ein Spiel, das in einem Social-Network gespielt wird), sondern vielmehr ein Browsergame (ein Spiel, das im Browser auf einer separaten Seite gespielt wird) mit starkem Social-Einschlag. Wenn man so will, stellt das Onlinespiel der drei Kölner eine Art Mischung aus Travian (www.traviangames.com) und Die Sims dar: Der Browsergame-Charakter von Travian trifft auf das Spielprinzip von Die Sims, bei dem der Spieler eine Karriere entwickeln kann. Andere vergleichbare Browsergames-Anbieter sind Gameforge (www.gameforge.de) oder InnoGames (www.innogames.de).

Durch seine Facebook-Integration hat Fliplife sich bereits die Grundvoraussetzung in Sachen virales Wachstum geschaffen, wirklich Reichweite konnte Fliplife allerdings noch nicht aufbauen. Derzeit wächst Fliplife laut eigenen Angaben um rund 800 Nutzer pro Tag, ohne dass wesentlich Marketing betrieben wurde – eine Zahl, die deutlich gesteigert werden muss, wenn Fliplife dauerhaft bestehen möchte.
Ein Blick bei Allfacebook.com zeigt, dass Fliplife ebenfalls bei Facebook noch einmal nachlegen muss, wenn es auf Dauer Erfolg im Segment haben will. Zu Beginn sollen noch 50 Prozent der Nutzer über Facebook gespielt haben, nun seien es noch rund 35 Prozent.

Das frische Kapital dürfte also dazu genutzt werden, intensive Marketing-Maßnahmen an den Start zu bringen um Fliplife, bei den Nutzern breiter zu etablieren. Im Gegensatz zum Echtzeitspiel Die Sims ist Fliplife als rundenbasiertes Slow-Browsergame eher “langsam” und lässt sowohl grafisch als auch vom Spieleprinzip her noch den richtigen Kick vermissen.
Technologisch präsentiert Fliplife sich hingegen sehr innovativ, ist das Kölner Browsergame doch in HTML 5 programmiert und dadurch sehr zukunftstauglich. Es wird also spannend sein, wie das Konzept der drei Gründer noch weiter entwickelt wird und ob sie gegen große internationale Player konkurrenzfähig sind, wenn der gebrauchte Traffic dank Marketing kommt.

Super. Gute Jungs.
solide geschrieben, gute arbeit joel
Glückwunsch erstmal an das symphatische Gründerduo von UP und Danke für den gut recherchierten Artikel – wie ich ihn auf Seiten wie DS oft vermisse.
Fliplife ist derzeit noch sehr klein und läuft meiner Meinung nach mehr oder weniger unter dem Radar der gängigen Branchengrößen. Sobald nennenswerte Zuwächse erreicht werden und ein kommerzieller Erfolg von Außen sichtbar ist, wird es nicht lange dauern, bis das Spielprinzip von einem größeren Player kopiert wird der dann möglicherweise durch mehr cross-promotion UP in wenigen Wochen in die Tasche stecken könnte.
Von daher, haut rein! :-)
Rocco
> von einem größeren Player kopiert wird
Porsche hat den Trabant auch nicht kopiert, nur weil die Ossis 10 Jahre darauf warten mussten ;-)
[...] Gründerszene [...]
Allllllt. Warum muss man eigentlich immer über Unternehmen berichten, die aus einem mir unerklärlichen Grund, Kohle zum Rausschmeißen bekommen haben?
Ich meine die Jungs haben einen Namen klar, aber fliplife ist doch nicht wirklich neu. Solche “Spiele dein Leben” ist doch nicht neu. Vielleicht der Ansatz mit Freunde in diesem Zusammenhang, wobei das mir schon sehr Farmville like rüberkommt. Mit den b2b ist ein netter Ansatz aber das ist doch schon einmal gescheitert bei dieser 3D Welt: Secondlife. Also auch nicht soooooooo neu. Aber vielleicht überrascht man uns auch mal mit einem Feature, was wirklich mal einem einem “oh das hatten wir noch nicht” von den Lippen kommen lässt.
[...] auch Mountain Super Angel und indirekt der Spielportal-Betreiber Kaisergames beteiligt haben. Mehr bei Gründerszene Veröffentlicht von Thomas Gabriel Abgelegt unter [...]
eine weitere Finanzierungsrunde? Dann muss es um UP ja richtig schlecht gehen. Also das Spiel ist m.E. weit weg von einem Spiel, eine lose Ansammlung von Schiebereglern.
Das Spiel ist leider ein Flop und keine 2 Cents wert, auch wenn es hart klingen mag.
Was Mountain angeht, die haben keine Ahnung von Games.
> oh das hatten wir noch nicht
Hey! Die Jungs hatten – nach eigenem Bekunden – vor Youtube die Idee zu Sevenload. Und bei Fliplife sind sie auch Vorreiter. Die Idee hatten sie noch vor Sevenload.
PS: Ich habe übrigens Facebook und Google erfunden … 1989 auf meinem C64.
> Was Mountain angeht, die haben keine Ahnung von Games
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte:
http://www.onvista.de/aktien/snapshot.html?ID_OSI=17577073&PERIOD=5#chart
Das Ding notiert seit langem massiv unter dem testierten NAV. Das sagt einiges über das Vertrauen des Marktes.