Physisch trennten sie zuletzt noch rund 3,9 Kilometer, beruflich nun gar nichts mehr: Der Online-Reiseclub Triphunter (www.triphunter.de) wurde durch den Shoppingclub Brands4Friends (www.brands4friends.de) übernommen und bildet ab sofort den Travel-Arm des Berliner Unternehmens. Eine Übernahme, an der schon seit längerem gearbeitet wurde. Mit etwas Verzögerung gelang es den beiden Invitation-Seiten jetzt ihre Geschicke zu verknüpfen.

Doch was ist der Hintergrund, dieser Geschäftsunion? Für Brands4Friends rechnet sich das Investment insofern, als dass es nun mit seinem Angebot zu internationalen Konkurrenten wie Gilt aufschließen kann, das mit Jetsetter.com bereits einen eigenen Kanal zum Reisethema gestartet hat. Auch das ursprünglich aus Spanien stammende BuyVIP (www.buyvip.com) ging im Dezember 2009 bereits eine vergleichbare Kooperation mit der High-Class-Travel-Community Zerotwonine (www.zerotwonine.com) ein. Und das Modell hat aus operativer Sicht weitere Vorteile: Die Anzahl an Verkaufsaktionen, die Brands4Friends fahren kann, ist durch die Anzahl der Edelmarken schlichtweg begrenzt. Ein komplett neuer Inhalt kann hier helfen, das Angebot reichhaltiger zu machen und weitere Nutzer zu gewinnen. Positiver Nebeneffekt: Da die Reisebuchungen nicht onsite abgewickelt werden, entsteht ein neues Angebot, mit dem man aber keinen administrativen Aufwand hat. Um die Abwicklung kümmern sich andere, Brands4Friends wird fortan nur die Akquise günstiger Angebote leisten müssen.

Triphunter profitiert insofern, als dass es dem Portal zuletzt sehr effektiv gelungen war, seine Inhalte zu monetarisieren, jedoch die notwendige Reichweite fehlte. Während also das Geschäftsmodell durch die wachsende Geschäftserfahrung konsolidiert wurde, gab es zu wenige Nutzer, die auf die Buchungsangebote aufmerksam gemacht wurden. “Auch wenn wir einige Zeit brauchten, das Modell zu verstehen, glaube ich fest an dessen Funktionsweise”, meint Gabriel Matuschka, Gründer und Geschäftsführer von Triphunter. “Wir freuen uns darauf, dieses spannende Modell nun auf Basis einer großen Nutzerschaft abheben zu sehen. Ich bin mir sicher, dass das gelingt, weil man mit größerer Reichweite ja auch noch einmal bessere Preisnachlässe verhandeln kann.” Und Triphunter war nicht das einzige deutsche Konzept dieser Art: Auch Rocket Internet rief mit Dreambookers einen entsprechenden Konkurrenten ins Leben.

Über den Kaufpreis schweigen sich beide Seiten aus, man kann aber erahnen, dass die Investoren (unter ihnen auch der Gründerszene-Investor Team Europe Ventures) mit diesem Investment kein Geld verdient haben. Der Verkauf von Triphunter ist ein strategisch sinnvolles Geschäft für beide Seiten, aber kein Meilenstein der deutschen Internet-Geschichte. Die Zahlen von Brands4Friends sind zumindest vielversprechend genug für eine fortan gute Performance: Im zweiten vollen Geschäftsjahr verdreifachte Brands4Friends nach eigenen Angaben seinen Jahresumsatz allein in Deutschland von etwa 25 auf rund 80 Millionen Euro.

Hintergründe zur Entwicklung von Triphunter

Triphunter hatte bis zur Übernahme durch Brands4Friends einen weiten Weg des Lernens und Verbesserns zu absolvieren. Das fünfköpfige Gründerteam bestehend aus Matthias Eireiner, Bobby Lee Budirahardjo, Amir Mirzaee, Albrecht von Senden und Gabriel Matuschka fand früh die Unterstützung der beiden Business-Angels Lukasz Gadowski und Oliver Jung. Gemeinsam entschied man sich für eine Umsetzung des von Voyage Privé praktizierten Modells, das eine Abwicklung von Reisebuchungsvorgängen onsite vorsah, bei der Triphunter hohe operative Anstrengungen und Kosten zu tragen hatte. “Wir haben schnell gemerkt, dass wir das Modell operativ unterschätzt hatten und viel lernen mussten, um dem gerecht werden zu können”, glaubt Gabriel Matuschka heute.

Also begann Triphunter im März letzten Jahres sein Model in Richtung des amerikanischen Portals Travelzoo zu vereinfachen und senkte die Burnrate gleichzeitig stark. Das US-Unternehmens Travelzoo ist börsennotiert und weist überdurchschnittlich hohe EBIT-Raten auf. Dessen Konzept basiert darauf, dass Nutzer nach dem bekannten Clubprinzip günstige Reise-Angebote erhalten, deren Buchung und Abwicklung jedoch vom jeweiligen Travelzoo-Partner via Rabattcodes oder speziellen Landing-Pages erfolgt. So entsteht kein Arbeitsaufwand bei der Abwicklung für Travelzoo, weshalb sich das Geschäftsmodell für Triphunter hinsichtlich des Verhältnisses von Kosten und Conversion auch deutlich verbessern ließ. Zuletzt brachte es das Portal auf zirka 60.000 registrierte Nutzer, deren Monetarisierung erfolgreich gelang. Für ein erfolgreiches Wirtschaften ist diese Userbase dennoch zu klein. Gabriel Matuschka resümiert daher zur Übernahme von Triphunter positiv: “Auch wenn das Modell von Triphunter etwas anders funktioniert als jenes von  Brands4Friends, glaube ich, dass diese Geschäftsunion für beide Seiten Vorteile bereit hält und dass wir nun unsere Lerneffekte zusammen in einen erfolgreichen Abschluss umwandeln können.”

Bildmaterial: matthew_hull
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